Shuttle Run Fitness Test
Kennt ihr das? Man steht in der Turnhalle, die Neonröhren flackern gnadenlos, und der Geruch von altem Turnzeug und leicht panischen Schweiß hängt in der Luft. Es ist Zeit für den Biip-Test, auch bekannt als Shuttle Run, Pendellauf oder, in manchen finsteren Ecken, einfach nur "der Test, der dein Leben verändern wird" (meistens negativ).
Das Szenario ist immer gleich: Zwei Linien, 20 Meter voneinander entfernt, eine Tonbandkassette (oder heutzutage eher eine MP3-Datei), und ein Sportlehrer, der mit einem Blick, der zwischen "gleichgültig" und "genüsslich" pendelt, die Stoppuhr in der Hand hält. Und dann geht es los: "Biip!" Man sprintet zur anderen Linie, berührt sie mit der Hand, sprintet zurück. "Biip!" Wieder zur anderen Linie. Und so weiter.
Die ersten paar Runden sind ein Witz. Man denkt: "Ach, das ist ja gar nicht so schlimm! Ich könnte das den ganzen Tag machen!" Man lächelt vielleicht sogar einem Freund zu, so à la: "Easy peasy!". Das ist der Trugschluss, meine Freunde. Der süße, süße Trugschluss, der dich in Sicherheit wiegt, bevor er dich gnadenlos in die Realität katapultiert.
Die Eskalation des Leidens
Denn dann wird es schneller. "Biip!" wird zu "BIEP!", dann zu "BIIIIIEP!", und schließlich zu einem kaum wahrnehmbaren, panischen Fiepen, das dich dazu zwingt, dich bis zum Äußersten zu verausgaben. Deine Lunge brennt, deine Beine fühlen sich an wie Blei, und der Sportlehrer grinst immer noch – oder vielleicht auch nicht, du kannst ihn nicht mehr richtig sehen, weil dein Blickfeld sich langsam verdunkelt.
Die Taktiken, um durchzuhalten, sind vielfältig und oft zweifelhaft. Manche versuchen, sich in den Windschatten der schnelleren Läufer zu hängen (was meistens darin endet, dass man ihnen in die Hacken rennt und beide zu Fall bringt). Andere murmeln Mantras vor sich hin ("Ich schaffe das! Ich schaffe das! Pizza wartet!"). Und wieder andere versuchen, den Sportlehrer mental zu manipulieren, indem sie ihm mitleidige Blicke zuwerfen, die eindeutig sagen: "Bitte, bitte, tu mir leid! Ich bin doch so fertig!".
Die Kunst der Schummelei (oder auch nicht)
Es gibt natürlich auch die Schummler. Die, die die Linie knapp verfehlen und hoffen, dass es niemand bemerkt. Die, die nach jeder Runde eine "kurze Pause" einlegen, indem sie sich unauffällig an die Wand lehnen und so tun, als ob sie ihre Schnürsenkel binden müssten. Die, die sich "verrechnen" und plötzlich eine Runde weniger gelaufen sind als alle anderen. (Spoiler: Der Sportlehrer bemerkt es IMMER).
Aber was passiert, wenn man wirklich aufgibt? Wenn man sich einfach auf den Boden fallen lässt, die Hände auf die Knie gestützt, und nach Luft schnappt wie ein Fisch auf dem Trockenen? Nun, meistens passiert gar nichts Schlimmes. Der Sportlehrer notiert die erreichte Stufe, vielleicht gibt es einen mitleidigen Blick, und dann wird man in Ruhe gelassen, um sich von der Tortur zu erholen.
"Ich erinnere mich an einen Biip-Test, bei dem ein Junge sich so angestrengt hat, dass er danach auf dem Klo ohnmächtig wurde. Er war der Held des Tages!" - Ein ehemaliger Sportlehrer.
Die eigentliche Qual kommt aber erst später. Der Muskelkater, der sich am nächsten Tag einstellt, ist legendär. Jede Bewegung schmerzt, das Treppensteigen wird zur Herkulesaufgabe, und das Aufstehen vom Sofa gleicht einer akrobatischen Meisterleistung.
Mehr als nur ein Test
Aber trotz all des Leidens und der Peinlichkeiten hat der Biip-Test auch etwas Verbindendes. Man leidet gemeinsam, man feuert sich gegenseitig an, und man fühlt eine gewisse Solidarität mit all denen, die sich ebenfalls durch diese Tortur quälen müssen. Es ist eine Art Initiationsritus, den fast jeder in seiner Schulzeit durchgemacht hat.
Und vielleicht, nur vielleicht, lernt man auch etwas über sich selbst. Wie weit man gehen kann, wenn man sich wirklich anstrengt. Wie man mit Stress und Druck umgeht. Und wie wichtig es ist, niemals aufzugeben (es sei denn, man wird ohnmächtig, dann ist Aufgeben definitiv die bessere Option).
Also, das nächste Mal, wenn ihr von einem Biip-Test hört, denkt nicht nur an das Leiden, sondern auch an die Gemeinschaft, die Überwindung und die (manchmal sehr lustigen) Geschichten, die damit verbunden sind. Und wer weiß, vielleicht inspiriert es euch ja sogar, selbst mal wieder eine Runde zu laufen - oder zumindest eine Pizza zu bestellen.
