Sing Street Drive It Like You Stole It
Erinnerst du dich an das Gefühl, jung zu sein, pleite und total verknallt? Und die verrückte Idee, mit einer Band die Welt zu erobern, nur um ein Mädchen zu beeindrucken? Dann kennst du wahrscheinlich das Herz von Sing Street.
Dublin, 1985: Schulden, New Wave und erste Liebe
Wir sind in Dublin, Mitte der 80er. Die Wirtschaft ist am Boden, Familien wandern aus, und Conors Eltern streiten sich ständig. Um Kosten zu sparen, muss Conor auf eine katholische Jungenschule wechseln. Kein rosiger Start, oder? Aber dann sieht er Raphina.
Raphina, das geheimnisvolle Mädchen mit den großen Augen und dem coolen Make-up, steht am Schulhoftor. Um sie zu beeindrucken, macht Conor etwas total Verrücktes: Er behauptet, in einer Band zu sein und lädt sie ein, in ihrem Musikvideo mitzuspielen. Ein Problem: Conor hat keine Band. Noch nicht!
Die Geburt von Sing Street: Von Duran Duran zu The Cure
Also trommelt Conor ein paar Jungs aus der Schule zusammen. Da ist der etwas pummelige Eamon, der quasi ein wandelndes Musiklexikon ist und jedes Instrument beherrscht. Und ein paar andere, die eher unfreiwillig mitmachen, aber trotzdem irgendwie dazugehören.
Das Geniale an Sing Street ist, wie die Band ihren Sound findet. Zuerst versuchen sie, wie ihre Idole zu klingen: Duran Duran, The Cure, A-ha. Man sieht richtig, wie sie sich an den Synthies und Frisuren abrackern. Es ist zum Schreien komisch, wenn sie versuchen, Simon Le Bons Hüftschwung zu imitieren!
Aber dann, nach und nach, finden sie ihren eigenen Stil. Die Songs werden persönlicher, ehrlicher. Es geht um Conors Familie, um Raphinas Träume und um das Gefühl, in einer Stadt festzusitzen, die keine Perspektive bietet.
Drive It Like You Stole It: Mehr als nur ein Song
Der Soundtrack zum Durchstarten
Der Song "Drive It Like You Stole It" ist ein absolutes Highlight. Nicht nur, weil er ein Ohrwurm ist, sondern weil er die ganze Essenz von Sing Street einfängt. Es ist ein Song über den Traum vom Ausbruch, über die Sehnsucht nach einem besseren Leben und über die Kraft der Musik.
In der Szene, in der sie den Song "improvisieren" (natürlich ist alles perfekt inszeniert!), sieht man, wie Conor sich in eine Art Popstar-Fantasie hineinsteigert. Er singt und tanzt, als gäbe es kein Morgen. Es ist der ultimative Moment der Selbstermächtigung.
Und dann die Lyrics! "This is your life, you can go anywhere..." Wie oft haben wir uns das gewünscht? Einfach das Steuer in die Hand nehmen und losfahren, ohne zurückzublicken.
Die Message hinter dem Ohrwurm
Aber "Drive It Like You Stole It" ist auch eine kleine Lüge. Conor hat das Steuer nicht wirklich in der Hand. Er versucht, sich selbst und Raphina zu etwas vorzumachen. Er versucht, die Realität zu übertönen, indem er laute Musik macht.
Trotzdem ist der Song wichtig. Er gibt ihm und den anderen Jungs Kraft. Er zeigt ihnen, dass sie mehr sind als nur irgendwelche Teenager in einem heruntergekommenen Vorort. Er lässt sie für einen Moment glauben, dass alles möglich ist.
"Rock 'n' Roll is a risk. You risk being ridiculed." - Brendan Lawlor, Conors Bruder.
Mehr als nur eine Coming-of-Age-Story
Sing Street ist mehr als nur eine Coming-of-Age-Geschichte. Es ist eine Ode an die Musik, an die Freundschaft und an die erste Liebe. Es ist ein Film, der Mut macht, seine Träume zu verfolgen, auch wenn sie noch so verrückt erscheinen.
Und ja, es ist auch ein Film über die 80er. Mit all den schrägen Klamotten, den riesigen Frisuren und den Synthesizern, die so klingen, als ob sie direkt aus einem Raumschiff kommen. Aber unter all dem steckt eine universelle Geschichte, die jeden berühren kann.
Das Ende der Fahrt?
Das Ende von Sing Street ist bittersüß. Conor und Raphina setzen sich in ein Boot und fahren nach London, auf der Suche nach ihrem Glück. Ob sie es finden werden, bleibt offen. Aber sie haben es zumindest versucht.
Und das ist vielleicht die wichtigste Botschaft des Films: Man muss es einfach versuchen. Man muss seine Ängste überwinden und ins kalte Wasser springen. Auch wenn man nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt. Denn selbst wenn man scheitert, hat man etwas gelernt. Und man hat vielleicht sogar einen tollen Song geschrieben.
Also, leg die CD ein, dreh die Lautstärke auf und drive it like you stole it! Wer weiß, vielleicht wirst du ja der nächste Popstar.
