Sparknotes No Fear Shakespeare
Okay, mal ehrlich. Wir alle kennen Sparknotes No Fear Shakespeare, oder? Die Dinger, die uns in der Schule das Leben gerettet haben... oder zumindest versucht haben.
Aber ich hab da so eine Meinung. Eine... sagen wir mal... unpopuläre Meinung. Und ich muss sie einfach loswerden.
Shakespeare für Dummies... oder?
Klar, No Fear Shakespeare übersetzt den ganzen Kram ins Moderne. "Hark, a lark!" wird zu "Listen, it's a bird!". Super, oder? Sollte man meinen. Aber ist das wirklich so toll?
Ich meine, wer spricht denn heute so? "Ey, check mal die Möwe ab!" wäre vielleicht näher an der Realität. Aber selbst das...
Und da ist das Problem. Es ist so... steril. So glattgebügelt. Als würde man Shakespeare durch einen Google Übersetzer jagen, der versucht, cool zu sein.
Die Tragödie der verlorenen Poesie
Wisst ihr, was an Shakespeare so geil ist? (Ja, ich habe "geil" gesagt. Shakespeare hätte das sicher auch gesagt, wenn er Deutsch gekonnt hätte.) Es ist die Sprache! Die Melodie! Die Bilder, die er in deinen Kopf pflanzt!
All das geht in dieser "No Fear"-Version flöten. Weg. Einfach futsch. Stattdessen kriegst du... naja... eine Zusammenfassung. Eine sehr lange Zusammenfassung.
"To be, or not to be, that is the question"wird zu:
"Should I kill myself or not?".
Ist das verständlicher? Ja. Ist es... dasselbe? Auf keinen Fall!
Es ist wie... als würde man eine Symphonie als Klingelton abspielen. Die Melodie ist da, aber der ganze Wumms, die ganze Emotion, der ganze Wahnsinn... weg.
Die Illusion des Verstehens
Und hier kommt der Knackpunkt. No Fear Shakespeare gibt dir das Gefühl, du würdest Shakespeare verstehen. Aber tust du das wirklich?
Du kennst die Handlung. Du weißt, wer wen umbringt und warum. Aber du hast die Sprache nicht erlebt. Du hast nicht gespürt, wie die Worte in dir vibrieren. Du hast den Zauber verpasst.
Es ist, als würde man sich ein Bild von einem Van Gogh ansehen und behaupten, man hätte die Kunst erlebt. Du hast das Motiv gesehen, aber die Farben, die Textur, die Seele des Künstlers... die sind dir verborgen geblieben.
Ich behaupte nicht, dass jeder Shakespeare im Original lesen sollte. Ich bin ja selbst oft genug daran verzweifelt. Aber es gibt einen Mittelweg.
Ein kleiner Anstoß... kein Rundumschlag
Vielleicht sollte man No Fear Shakespeare als Sprungbrett nutzen. Lies es, um die Handlung zu verstehen. Aber dann... lies das Original! Langsam. Wort für Wort. Schau, was passiert.
Vielleicht entdeckst du etwas Unerwartetes. Vielleicht verstehst du eine Zeile, die dich umhaut. Vielleicht fühlst du etwas, das du nie für möglich gehalten hättest.
Und wenn nicht? Auch egal! Dann hast du es wenigstens versucht.
Aber bitte... glaubt nicht, dass ihr Shakespeare verstanden habt, nur weil ihr No Fear Shakespeare gelesen habt. Das ist, als würde man behaupten, man hätte Italien erlebt, nur weil man ein Foto vom schiefen Turm von Pisa gesehen hat.
Es ist ein Anfang. Aber es ist noch lange nicht das Ende.
Okay, das musste raus. Danke fürs Zuhören. Und jetzt... entschuldigt mich. Ich gehe jetzt Hamlet im Original lesen und mich fühlen... intellektuell und so.
