Sturm Und Drang Gedicht
Hand aufs Herz, Leute. Seid mal ehrlich zu euch selbst. Wer von euch freut sich wirklich, wenn jemand "Sturm und Drang" sagt? Also, so richtig freut?
Ich sag's, wie's ist: Ich nicht. Und ich glaube, viele andere auch nicht. Ist vielleicht 'ne unpopuläre Meinung, aber ich finde, das Ganze ist ein bisschen...überbewertet.
Okay, okay. Bevor mich jetzt germanistische Blitz und Donner treffen: Ich weiß, es ist wichtig. Goethe, Schiller, Rebellion, Gefühlsausbruch, blablabla. Alles klar. Haben wir alle mal gelernt. Aber mal ehrlich: Wer liest denn heute noch freiwillig "Die Leiden des jungen Werther" zum Spaß? Wer?
Werther: Leid oder Langeweile?
Ja, ich weiß, er leidet! Und wie! Aber diese endlosen Selbstmitleidsmonologe? Da schläft man doch ein, bevor man überhaupt mitfühlen kann. Tut mir leid, Werther, aber ein bisschen mehr Action hätte dir gutgetan. Vielleicht 'ne Runde Paintball? Oder 'n Bungee-Sprung?
Und überhaupt: Dieses ganze Gejammer über die Ungerechtigkeit der Welt. Ja, das Leben ist hart. Aber deswegen muss man sich doch nicht gleich umbringen! Ein bisschen mehr Resilienz, mein Lieber! Ein bisschen mehr Humor! Ein bisschen weniger "Ich bin so missverstanden!"
Gefühle sind toll, aber...
Versteht mich nicht falsch. Gefühle sind wichtig. Total wichtig! Aber dieses überbordende Gefühlspathos? Das ist doch manchmal einfach nur peinlich. Stell dir mal vor, jemand würde heute so rumlaufen und ständig theatralisch die Hände ringen. Die würden doch alle denken, der hat 'nen Vogel!
"Oh, Natur! Du bist mein einziger Trost!"
Ja, ja, die Natur ist toll. Aber ich finde, ein entspannter Abend auf der Couch mit 'ner Tüte Chips und 'ner guten Serie ist auch nicht zu verachten. Sorry, Rousseau, aber die Natur allein macht's auch nicht.
Die Rebellion: War da was?
Und diese angebliche Rebellion? Mal ehrlich: Was haben die denn wirklich rebelliert? Gegen die Konventionen? Ja, okay. Aber so richtig auf die Barrikaden sind die doch auch nicht gegangen. Das war doch eher so 'ne Art innere Rebellion. Ein bisschen Schmollen gegen die Weltordnung.
Ich meine, echte Rebellen sehen anders aus. Punks zum Beispiel. Die haben wenigstens was kaputt gemacht. (Okay, das war vielleicht nicht so toll, aber wenigstens hatten die 'nen Plan... irgendwie.)
Die Sprache: Auch nicht gerade locker-flockig
Und dann diese Sprache! So gestelzt! So pathetisch! So...unnatürlich! Wer redet denn bitte so? Ich meine, klar, es war 'ne andere Zeit. Aber trotzdem: Ein bisschen mehr Alltagssprache hätte dem Ganzen nicht geschadet. Ein bisschen mehr "Ey, was geht ab?" und ein bisschen weniger "O, holde Muse!"
Vielleicht wäre es ja an der Zeit, die Sturm und Drang Gedichte mal ein bisschen zu entstauben. Ein bisschen zu modernisieren. Ein bisschen mehr TikTok, ein bisschen weniger Pathos.
Stellt euch vor: Werther als Influencer, der seine Leiden auf Instagram postet. Mit Filter natürlich. Und Goethe als Rapper, der über die Ungerechtigkeit der Welt rappt. Mit Beats und allem Drum und Dran.
Okay, vielleicht ist das auch keine so gute Idee. Aber ich finde, man darf auch mal kritisch sein. Man darf auch mal sagen: "Hey, Sturm und Drang, war nett dich kennenzulernen, aber ich bin jetzt mal was anderes lesen."
Und vielleicht ist das ja auch das eigentlich Rebellische daran: Zu sagen, dass man nicht mit den Gefühlen der Masse mitfühlt. Dass man seinen eigenen Kopf hat. Dass man sagt: "Ich finde Werther langweilig!"
In diesem Sinne: Auf zur Rebellion gegen den Literaturkanon! (Aber bitte nicht zu laut, sonst wecken wir noch die Germanisten.)
