The Diary Of Anne Frank
Hallo liebe Reisefreunde! Heute möchte ich euch von einer ganz besonderen und, zugegeben, auch sehr bewegenden Erfahrung erzählen, die ich in Amsterdam gemacht habe. Es ist keine typische Sightseeing-Tour mit Grachtenfahrt und Käseverkostung, sondern eine Reise in die Vergangenheit, die mich tief berührt hat: der Besuch des Anne Frank Hauses.
Viele kennen Das Tagebuch der Anne Frank – die berührende Geschichte eines jungen jüdischen Mädchens, das sich mit seiner Familie während des Zweiten Weltkriegs vor den Nationalsozialisten in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckte. Das Tagebuch, das Anne in diesen zwei Jahren schrieb, ist zu einem der wichtigsten Zeugnisse des Holocaust geworden und hat die Welt bewegt. Ich hatte das Buch als Teenager gelesen und war immer fasziniert und erschüttert zugleich von Annes Geschichte. Als ich dann endlich in Amsterdam war, war es für mich selbstverständlich, dass ich das Anne Frank Haus besuchen musste.
Schon vor meiner Reise hatte ich online Tickets reserviert. Das ist absolut empfehlenswert! Die Warteschlangen vor dem Haus sind nämlich enorm lang, und ohne Ticket kann man sich die Wartezeit im Grunde sparen. Ich hatte mein Ticket für den frühen Morgen gebucht, um dem größten Andrang zu entgehen. Der Eingang zum Anne Frank Haus befindet sich in der Westerkerkstraße, nicht direkt an der Prinsengracht, wo sich das Hinterhaus befindet. Der Weg führt dann durch das moderne Museumsgebäude, das um das historische Haus herum gebaut wurde.
Beim Betreten des Hauses spürt man sofort eine bedrückende Atmosphäre. Es ist still und respektvoll. Man wird durch die Räume geführt, beginnend mit dem Vorderhaus, in dem Otto Franks Firma untergebracht war. Es ist, als würde man in eine andere Zeit eintauchen. Man sieht die Büros, die Lager, die enge Treppe, die zum Hinterhaus führt. Man kann sich kaum vorstellen, dass hier ganz normal gearbeitet wurde, während sich hinter einer unscheinbaren Bücherregalwand eine Familie in Todesangst versteckte.
Das Versteck: Ein Ort der Hoffnung und der Angst
Hinter dem Bücherregal, das den Eingang zum Hinterhaus verbarg, öffnet sich eine neue Welt – eine Welt der Enge, der Stille und der ständigen Angst. Hier lebten Anne, ihre Familie (ihre Eltern Otto und Edith Frank, und ihre Schwester Margot), und die Familie van Pels (Hermann und Auguste van Pels, und ihr Sohn Peter) sowie später Fritz Pfeffer, ein Zahnarzt, insgesamt acht Menschen, auf engstem Raum.
Die Räume sind klein und karg. Man sieht die spärliche Möblierung, die einfachen Betten, die wenigen persönlichen Gegenstände, die die Bewohner mitbringen konnten. Es ist erstaunlich, wie diese Menschen unter solchen Bedingungen versucht haben, ein normales Leben zu führen. Sie lernten, stritten, lachten und weinten. Anne schrieb in ihrem Tagebuch über ihre Träume, ihre Ängste, ihre Hoffnungen und ihre erste Liebe. Das Tagebuch wurde zu ihrem engsten Vertrauten.
Besonders bewegend fand ich Annes Zimmer. Die Wände waren mit Bildern von Filmstars und Postkarten beklebt. Sie hatte sich eine kleine Welt geschaffen, einen Ort der Zuflucht und der Träumerei. Inmitten der Grausamkeit des Krieges versuchte sie, ein normales Teenagerleben zu führen. Dieser Kontrast ist einfach herzzerreißend.
Die Toilette und die Küche: Lebensnotwendigkeiten im Verborgenen
Die Toilette und die Küche waren Gemeinschaftsbereiche. Hier wurde geflüstert, gekocht und das Nötigste verrichtet. Man kann sich kaum vorstellen, wie schwierig es gewesen sein muss, unentdeckt zu bleiben, Geräusche zu vermeiden und das wenige Essen, das sie hatten, gerecht aufzuteilen. Die Helfer aus dem Vorderhaus, allen voran Miep Gies, versorgten die Untergetauchten mit Lebensmitteln, Informationen und moralischer Unterstützung. Ohne ihren Mut und ihre Hingabe hätten sie nicht überleben können.
Besonders beeindruckt hat mich, dass man in den Räumen keine Möbelstücke findet. Nach dem Krieg, als Otto Frank das Haus wieder betrat, war es leer. Alle Möbel waren weg. Diese Leere verstärkt das Gefühl der Verlorenheit und des Verlusts noch einmal zusätzlich. Es lässt der Fantasie Raum und zwingt einen, sich die Situation so gut wie möglich vorzustellen.
Man kann sich in den Räumen frei bewegen, aber fotografieren ist verboten. Das soll die Privatsphäre der Familie respektieren und eine Atmosphäre der Ruhe und Besinnung schaffen. Ich fand diese Regelung sehr gut, da sie es ermöglicht, sich ganz auf die Erfahrung einzulassen und die Eindrücke auf sich wirken zu lassen.
Das Tagebuch: Annes Vermächtnis
Im Museumsbereich wird das Originaltagebuch von Anne Frank ausgestellt. Es ist in einer Vitrine aufbewahrt und man kann es nur aus der Ferne betrachten. Es ist ein ergreifender Moment, dieses Zeugnis der Geschichte in den Händen zu halten… im Geiste zumindest. Die kleinen, fein säuberlich beschriebenen Seiten, die Annes Handschrift tragen, erzählen von ihrer Lebensfreude, ihrer Intelligenz und ihrem tiefen Verständnis der menschlichen Natur.
Auch Briefe, Fotos und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus werden gezeigt. Sie vermitteln ein umfassendes Bild der Verfolgung und Vernichtung der Juden. Das Anne Frank Haus ist nicht nur ein Denkmal für Anne und ihre Familie, sondern auch ein Ort der Aufklärung und des Gedenkens.
Am Ende des Rundgangs gibt es einen Ausstellungsraum, in dem man sich über die Geschichte des Holocaust informieren kann. Es werden Interviews mit Überlebenden gezeigt und es gibt Informationen über die Täter und die Mitläufer. Es ist wichtig, sich mit dieser dunklen Seite der Geschichte auseinanderzusetzen, um zu verhindern, dass sich solche Gräueltaten jemals wiederholen.
Meine persönlichen Empfehlungen für den Besuch
Der Besuch des Anne Frank Hauses ist eine sehr bewegende und intensive Erfahrung. Ich empfehle jedem, der nach Amsterdam reist, sich die Zeit zu nehmen, diesen Ort zu besuchen. Hier sind ein paar Tipps, um den Besuch optimal zu gestalten:
- Tickets online buchen: Wie schon erwähnt, ist das die wichtigste Empfehlung!
- Frühzeitig kommen: Um dem größten Andrang zu entgehen, ist es ratsam, Tickets für den frühen Morgen zu buchen.
- Genug Zeit einplanen: Für den Besuch sollte man mindestens zwei Stunden einplanen, um alles in Ruhe besichtigen und auf sich wirken lassen zu können.
- Sich auf die Erfahrung einlassen: Lassen Sie sich von der Atmosphäre des Hauses berühren und nehmen Sie sich Zeit, über das Gesehene nachzudenken.
- Sich informieren: Es ist hilfreich, sich vor dem Besuch über die Geschichte von Anne Frank und des Holocaust zu informieren.
- Respektvoll sein: Das Anne Frank Haus ist ein Ort des Gedenkens und der Besinnung. Verhalten Sie sich respektvoll und nehmen Sie Rücksicht auf andere Besucher.
Der Besuch des Anne Frank Hauses ist keine leichte Kost. Es ist ein Ort der Trauer und des Schmerzes. Aber es ist auch ein Ort der Hoffnung und der Mahnung. Annes Tagebuch erinnert uns daran, wie wichtig es ist, für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit einzutreten. Es ist ein Vermächtnis, das uns alle betrifft.
Nach dem Besuch des Anne Frank Hauses empfiehlt es sich, sich einen ruhigen Ort zu suchen, um die Eindrücke zu verarbeiten. Ein Spaziergang entlang der Grachten oder ein Besuch eines Cafés in der Nähe können helfen, zur Ruhe zu kommen.
Amsterdam bietet viele weitere Sehenswürdigkeiten, aber der Besuch des Anne Frank Hauses wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es war eine Reise in die Vergangenheit, die mich tief berührt und zum Nachdenken angeregt hat. Ich hoffe, meine Eindrücke und Tipps helfen euch bei eurer Reiseplanung. Bis zum nächsten Mal!
