Theorie Des Geplanten Verhaltens
Hand aufs Herz: Haben Sie jemals wirklich genau das getan, was Sie sich vorgenommen hatten? So, Plan A, ohne Wenn und Aber?
Ich auch nicht. Und genau da kommt eine interessante Theorie ins Spiel: die Theorie des geplanten Verhaltens. Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht.
Was wir uns vornehmen und was wir wirklich tun
Im Grunde sagt die Theorie, dass unser Verhalten von drei Dingen beeinflusst wird. Erstens: Unsere Einstellung. Denken wir, etwas ist gut und richtig? Zweitens: Die subjektive Norm. Was denken unsere Freunde und Familie? Und drittens: Die wahrgenommene Verhaltenskontrolle. Haben wir überhaupt die Macht, das zu tun, was wir wollen?
Nehmen wir mal an, Sie wollen gesünder essen. (Klassiker, ich weiß!). Ihre Einstellung ist positiv: "Klar, gesunde Ernährung ist super!". Die subjektive Norm spielt aber verrückt: Alle Ihre Freunde bestellen ständig Pizza. Und die wahrgenommene Verhaltenskontrolle ist im Keller: "Ich habe einfach keine Zeit zum Kochen!".
Ende vom Lied? Wahrscheinlich Pizza. Sorry, aber die Theorie sagt es ja schon: "geplantes" Verhalten. Nicht "garantiertes" Verhalten.
Der innere Schweinehund und die soziale Akzeptanz
Hier kommt meine "unpopuläre" Meinung: Ich glaube, die subjektive Norm ist der heimliche Strippenzieher. Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir wollen dazugehören. Und wenn die Gruppe um uns herum etwas tut, ist es verdammt schwer, sich dagegen zu stellen. Selbst wenn wir eigentlich was ganz anderes planen.
"Oh, du machst eine Diät? Aber wir haben doch gerade Kuchen gebacken! Nur ein kleines Stück!"
Wer kann da schon "Nein" sagen? (Okay, vielleicht sollte ich einen Kurs in "Nein-Sagen" belegen. Ist wahrscheinlich auch eine Frage der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle!).
Ein anderes Beispiel: Sie wollen öfter mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Ihre Einstellung ist super: "Umweltfreundlich, sportlich, toll!". Die subjektive Norm ist aber ernüchternd: Alle fahren Auto. Und die wahrgenommene Verhaltenskontrolle sieht auch nicht rosig aus: "Der Weg ist so weit, und dann noch der Regen!".
Raten Sie mal, wer im Auto landet?
Die Theorie in der Praxis (oder eben nicht...)
Die Theorie des geplanten Verhaltens wird in vielen Bereichen angewendet: Gesundheitsförderung, Marketing, Umweltschutz. Überall dort, wo man versucht, Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen.
Aber funktioniert es wirklich? Naja, manchmal. Aber eben nicht immer. Denn, und das ist das Schöne (oder eben auch das Frustrierende) am Menschsein: Wir sind eben keine Roboter, die brav ihre Pläne abarbeiten.
Wir sind kompliziert. Wir sind widersprüchlich. Wir lassen uns von unseren Emotionen, unseren Freunden, unserem inneren Schweinehund und dem blöden Wetter beeinflussen.
Also, was tun?
Heißt das, die Theorie des geplanten Verhaltens ist Quatsch? Nein, natürlich nicht. Sie ist ein nützliches Modell, um zu verstehen, warum wir tun, was wir tun (oder eben nicht tun).
Aber sie ist eben kein Allheilmittel. Und sie ersetzt nicht die ehrliche Auseinandersetzung mit uns selbst.
Vielleicht sollten wir uns einfach eingestehen, dass wir manchmal scheitern. Dass wir manchmal unsere Pläne über den Haufen werfen. Dass wir manchmal einfach nur ein Stück Kuchen wollen. Auch wenn wir eigentlich gesünder essen wollten.
Und vielleicht sollten wir uns weniger Stress machen. Denn, und das ist meine zweite "unpopuläre" Meinung: Manchmal ist das ungeplante Verhalten das Beste überhaupt. Wer weiß, welche tollen Dinge wir verpassen würden, wenn wir immer nur stur unseren Plänen folgen würden?
Also, planen Sie ruhig weiter. Aber seien Sie auch offen für Überraschungen. Und vergessen Sie nicht, ab und zu einfach mal "Ja" zum Kuchen zu sagen. Denn das Leben ist zu kurz für Askese!
In diesem Sinne: Prost! (Mit einem Glas Wasser...oder vielleicht doch lieber Wein?).
