Third Person Narrative Point Of View
Hallo, liebe Reisefreunde! Sagt mal, habt ihr euch jemals gefragt, wie ein Erzähler eigentlich wirklich weiß, was in den Köpfen anderer Menschen vor sich geht? Oder wie er so detailliert beschreiben kann, was jemand fühlt, denkt und tut? Ich habe das tatsächlich oft, besonders wenn ich Reisebücher lese oder mir Dokus ansehe. Und dann bin ich auf ein faszinierendes Thema gestoßen: die dritte Person Erzählperspektive. Lasst mich euch ein bisschen davon erzählen, denn sie hat meine Sicht auf Geschichten – und das Reisen selbst – total verändert.
Was ist die dritte Person überhaupt?
Ganz einfach: Bei der dritten Person erzählt der Erzähler nicht aus seiner eigenen Sicht. Er ist nicht der Protagonist, sondern beobachtet das Geschehen von außen. Er sagt nicht "Ich ging durch die Gassen von Venedig", sondern "Sie ging durch die Gassen von Venedig" oder "Er schlenderte am Strand entlang". Die Pronomen sind also "er", "sie", "es", "sie" (Plural) und Namen. So weit, so gut, oder?
Die zwei Hauptvarianten: Allwissend vs. Personal
Jetzt wird es aber erst richtig spannend, denn die dritte Person ist nicht gleich dritte Person. Es gibt nämlich zwei Hauptvarianten, und die machen einen riesigen Unterschied, wie wir eine Geschichte erleben:
Die allwissende dritte Person: Der Superhelden-Erzähler
Stellt euch vor, der Erzähler ist wie ein allmächtiger Superheld mit Röntgenblick und Gedankenlesefähigkeiten. Er weiß alles! Er kennt die Vergangenheit, die Zukunft, die Gefühle und Gedanken aller Charaktere. Er kann von einem Moment zum nächsten in den Kopf von Tante Erna springen, um uns ihre Beweggründe zu erklären, und im nächsten Augenblick wissen wir, was der zwielichtige Hotelportier plant. Das ist die allwissende dritte Person. Sie erlaubt dem Autor, einen unglaublich breiten Überblick zu geben und tiefe Einblicke in die komplexe Welt seiner Charaktere zu gewähren.
Denkt zum Beispiel an Klassiker wie "Der Herr der Ringe". Tolkien springt mühelos zwischen den Perspektiven von Frodo, Gandalf, Aragorn und vielen anderen hin und her, um uns ein umfassendes Bild von Mittelerde und dem Kampf gegen das Böse zu vermitteln. Es ist, als würde man die Welt aus der Vogelperspektive betrachten – man sieht das große Ganze.
Aber Achtung! Diese Perspektive kann auch etwas distanziert wirken. Manchmal fühlt es sich an, als würde der Erzähler zu viel verraten, und die Spannung geht verloren. Außerdem kann es schwierig sein, eine glaubwürdige Verbindung zu den einzelnen Charakteren aufzubauen, wenn man ständig zwischen ihren Köpfen hin und her springt.
Die personale dritte Person: Mit den Augen eines Reisenden
Die personale dritte Person ist da schon intimer. Hier konzentriert sich der Erzähler auf die Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen eines bestimmten Charakters. Wir erleben die Geschichte also durch die Augen dieser Person. Wir wissen nur, was sie weiß, und wir fühlen nur, was sie fühlt. Es ist, als würden wir mit ihr auf Reisen gehen und ihre Erlebnisse hautnah miterleben.
Stellt euch vor, ihr lest ein Buch über eine junge Frau, die alleine durch Südamerika reist. Der Erzähler ist zwar nicht sie selbst, aber er beschreibt alles aus ihrer Perspektive: ihre Ängste, ihre Hoffnungen, ihre Begegnungen mit fremden Kulturen. Wir spüren ihre Aufregung, als sie zum ersten Mal Machu Picchu erblickt, ihre Verzweiflung, als sie ihren Zug verpasst, und ihre Freude, als sie neue Freundschaften schließt. Das ist die Magie der personalen dritten Person.
Ich finde diese Perspektive besonders spannend für Reiseberichte und Romane, weil sie uns ermöglicht, uns wirklich in die Lage des Protagonisten zu versetzen. Wir können uns besser mit ihm identifizieren und seine Erfahrungen nachempfinden. Es ist, als würden wir selbst die Reise antreten – nur eben im sicheren Sessel zu Hause.
"Die personale dritte Person ist wie ein Fenster zur Seele des Protagonisten. Sie erlaubt uns, seine innersten Gedanken und Gefühle zu erkunden und seine Reise auf einer tiefen, persönlichen Ebene zu erleben."
Warum ist die Wahl der Perspektive so wichtig?
Die Erzählperspektive ist wie die Linse einer Kamera. Sie bestimmt, was wir sehen, wie wir es sehen und wie wir es interpretieren. Sie beeinflusst unsere Emotionen, unsere Sympathien und unsere Urteile. Sie kann eine Geschichte spannend, lustig, traurig oder aufregend machen – je nachdem, wie sie eingesetzt wird.
Wenn ein Autor sich für die allwissende dritte Person entscheidet, kann er uns einen umfassenden Überblick über die Welt und die Charaktere geben. Er kann uns Zusammenhänge erklären, die wir sonst vielleicht nicht verstehen würden, und uns in die Köpfe aller Beteiligten eintauchen lassen. Das ist ideal für komplexe Geschichten mit vielen Handlungssträngen und unterschiedlichen Perspektiven.
Wenn er sich aber für die personale dritte Person entscheidet, kann er uns eine viel intimere und persönlichere Erfahrung bieten. Wir fühlen uns dem Protagonisten näher, können seine Entscheidungen besser nachvollziehen und seine Emotionen intensiver erleben. Das ist perfekt für Geschichten, die sich auf die innere Reise eines Charakters konzentrieren.
Wie erkenne ich die dritte Person?
Ganz einfach: Achtet auf die Pronomen und Namen, die der Erzähler verwendet. Wenn er von "er", "sie", "es", "sie" oder von Namen wie "Anna", "Peter" oder "der Reisende" spricht, dann ist es höchstwahrscheinlich die dritte Person.
Fragt euch außerdem, wie viel der Erzähler über die Gedanken und Gefühle der Charaktere weiß. Wenn er nur die Gedanken und Gefühle eines einzigen Charakters kennt, dann ist es wahrscheinlich die personale dritte Person. Wenn er die Gedanken und Gefühle aller Charaktere kennt, dann ist es wahrscheinlich die allwissende dritte Person.
Mein persönlicher Tipp: Achtet auf die Details!
Wenn ihr das nächste Mal ein Buch lest oder einen Film seht, achtet mal bewusst auf die Erzählperspektive. Fragt euch, warum der Autor oder Regisseur diese Perspektive gewählt hat und wie sie eure Erfahrung beeinflusst. Ich bin mir sicher, ihr werdet viele neue und interessante Dinge entdecken!
Ich persönlich liebe es, Reiseberichte zu lesen, die in der personalen dritten Person geschrieben sind. Es ist, als würde ich mit dem Autor auf Reisen gehen und seine Abenteuer hautnah miterleben. Ich fühle mich mit ihm verbunden, lerne von seinen Fehlern und freue mich über seine Erfolge. Es ist eine unglaublich bereichernde Erfahrung.
Und jetzt bin ich neugierig: Welche Erzählperspektive bevorzugt ihr? Habt ihr vielleicht ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsfilm, der in der dritten Person geschrieben ist? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
Bis zum nächsten Mal und happy travels!
