Türkische Hochzeit Als Deutscher Gast
Türkische Hochzeiten als deutscher Gast. Uff. Sagen wir es mal so: Es ist... ein Erlebnis. Ein intensives Erlebnis.
Die Ankunft: Wo ist denn hier der Parkplatz?
Schon die Anfahrt kann zur Odyssee werden. Riesige Hochzeitssäle, irgendwo im Industriegebiet. Parkplätze? Fehlanzeige! Plötzlich stehst du mitten in einer Menschentraube. Alle hupen. Alle gestikulieren. Herzlich Willkommen! Oder eher: „Weg da, Deutscher!“
Dann die Begrüßung. Umarmungen über Umarmungen. Küsschen links, Küsschen rechts, Küsschen… irgendwann verliert man den Überblick. Und den Überblick über die Namen erst recht. War das jetzt die Tante von der Braut? Oder doch die Cousine des Bräutigams? Egal, lächeln und nicken. Hauptsache, man tritt niemandem auf die Füße (was bei der Enge schon eine Kunst für sich ist).
Das Buffet: Mehr ist mehr!
Das Buffet. Oh mein Gott, das Buffet. Stell dir vor, du gehst zum All-You-Can-Eat-Chinesen. Verdopple das. Verdreifache das. Und füge dann noch 10 weitere Gänge hinzu. Von Döner über Köfte bis hin zu Baklava-Bergen. Alles da. Alles lecker. Aber auch alles: viel. Mein Magen weint schon, wenn ich nur daran denke.
Unpopuläre Meinung: Ich glaube, ich könnte von dem Essen einer türkischen Hochzeit eine ganze Woche lang leben. Und wahrscheinlich auch noch die Nachbarn mitversorgen.
Der Tanz: Kreis, Kreis, immer im Kreis
Der Tanz. Der berühmte Halay. Ich gebe zu, es sieht toll aus, wenn alle im Kreis tanzen. Aber als Deutscher, der weder die Schritte kennt noch die Musik versteht? Schwierig. Sehr schwierig. Man versucht, irgendwie mitzumachen. Wippt ein bisschen mit. Hofft, nicht aufzufallen. Und betet, dass einen niemand auffordert, die Kette anzuführen.
Ich habe mal versucht, mich in den Halay einzureihen. Das Ergebnis war: Ich bin irgendwem auf die Füße getreten, habe fast die Kette zerrissen und wurde mit mitleidigen Blicken bedacht. Seitdem halte ich mich lieber an den Rand.
Die Musik: Lauter geht immer!
Die Musik. Ohrenbetäubend laut. Ich meine, wirklich laut. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr. Gespräche finden per Zeichensprache statt. Und man fragt sich, ob die Trommelfelle nicht irgendwann einfach den Dienst quittieren.
Unpopuläre Meinung: Ich würde ja gerne die ein oder andere Melodie erkennen, aber dafür müsste man sie erstmal *hören* können.
Ich habe mal versucht, mich mit dem DJ anzufreunden. Ich wollte ihn bitten, die Musik ein bisschen leiser zu machen. Er hat mich nur angelächelt und die Lautstärke noch weiter aufgedreht. Ich glaube, er hat mich nicht verstanden. Oder wollte mich nicht verstehen.
Das Ende: Bloß nicht zu früh gehen!
Das Ende. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um zu gehen? Zu früh ist unhöflich. Zu spät ist… nun ja, dann bist du halt noch da. Ich habe mal versucht, mich heimlich davonzustehlen. Wurde aber erwischt. Und musste noch eine Runde Baklava essen. Und noch eine Umarmung entgegennehmen. Und noch ein paar nette Worte hören.
Unpopuläre Meinung: Ich liebe Baklava. Aber nach dem zehnten Stück wird es dann doch etwas viel.
Fazit: Eine türkische Hochzeit ist ein kulturelles Erlebnis der Extraklasse. Laut, bunt, voller Essen und Liebe. Und definitiv etwas, das man als Deutscher Gast nicht so schnell vergisst. Auch wenn man sich danach erstmal eine Woche lang von den ganzen Eindrücken erholen muss.
Ich will nicht lügen, ich genieße jede Einladung! Es ist etwas besonderes, fremde Kulturen mitzuerleben. Es ist auch was besonderes, wenn man nach einem so kulturell reichen Abend erschöpft ins Bett fallen darf.
Bonus-Tipp:
Lernt ein paar türkische Wörter! Ein "Merhaba" (Hallo) und ein "Teşekkür ederim" (Danke) kommen immer gut an. Und bringen euch vielleicht sogar einen Extra-Keks ein. Oder eine Extra-Umarmung. Je nachdem.
