übungen Zu Präteritum Und Perfekt
Viele Deutschlerner stoßen bei der Verwendung von Präteritum (Vergangenheit) und Perfekt (vollendete Gegenwart) auf Schwierigkeiten. Beide Zeitformen beschreiben Vergangenes, aber ihre Anwendung hängt von verschiedenen Faktoren ab, die oft Verwirrung stiften. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über diese beiden Zeitformen und stellt Ihnen effektive Übungen vor, um Ihre Kenntnisse zu festigen.
Präteritum (Vergangenheit): Die einfache Vergangenheit
Das Präteritum, auch Imperfekt genannt, ist die einfache Vergangenheitsform im Deutschen. Es wird hauptsächlich in geschriebener Sprache verwendet, besonders in Romanen, Zeitungsberichten und formellen Texten. Im gesprochenen Deutsch wird es seltener benutzt, außer bei bestimmten Verben.
Bildung des Präteritums
Die Bildung des Präteritums hängt vom jeweiligen Verb ab. Es gibt regelmäßige, unregelmäßige und gemischte Verben.
- Regelmäßige Verben: Der Stamm des Verbs wird beibehalten und die Endung -te, -test, -te, -ten, -tet, -ten angehängt.
Beispiel: spielen -> spielte, spieltest, spielte, spielten, spieltet, spielten. - Unregelmäßige Verben: Der Stamm des Verbs verändert sich, und die Endungen sind meist - (keine Endung), -st, - (keine Endung), -en, -t, -en. Die unregelmäßigen Verben müssen auswendig gelernt werden.
Beispiel: gehen -> ging, gingst, ging, gingen, gingt, gingen. - Gemischte Verben: Sie kombinieren Merkmale der regelmäßigen und unregelmäßigen Verben. Der Stamm verändert sich und die Endungen sind wie bei regelmäßigen Verben.
Beispiel: bringen -> brachte, brachtest, brachte, brachten, brachtet, brachten.
Verwendung des Präteritums
Das Präteritum wird verwendet, um:
- Abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit zu beschreiben, ohne direkten Bezug zur Gegenwart.
Beispiel: Ich las gestern ein Buch. (Die Handlung ist abgeschlossen und hat keinen direkten Einfluss auf die Gegenwart.) - Zustände in der Vergangenheit zu beschreiben.
Beispiel: Das Wetter war schön. - Bei den Modalverben (können, müssen, sollen, dürfen, wollen, mögen) wird im gesprochenen Deutsch oft das Präteritum verwendet.
Beispiel: Ich konnte gestern nicht kommen. - Die Verben sein und haben werden ebenfalls oft im Präteritum verwendet, auch im gesprochenen Deutsch.
Beispiel: Ich war müde. Er hatte keine Zeit.
Perfekt (vollendete Gegenwart): Die zusammengesetzte Vergangenheit
Das Perfekt ist eine zusammengesetzte Vergangenheitsform, die im gesprochenen Deutsch viel häufiger verwendet wird als das Präteritum. Es beschreibt Handlungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, aber einen Bezug zur Gegenwart haben.
Bildung des Perfekts
Das Perfekt wird mit einer Form von haben oder sein (als Hilfsverb) und dem Partizip II des Hauptverbs gebildet.
- Hilfsverb haben: Die meisten Verben bilden das Perfekt mit haben. Das sind transitive Verben (Verben, die ein Akkusativobjekt haben) und reflexive Verben.
Beispiel: Ich habe ein Buch gelesen. - Hilfsverb sein: Verben, die eine Bewegung oder eine Zustandsänderung beschreiben, bilden das Perfekt mit sein.
Beispiele: Ich bin nach Hause gegangen. Das Eis ist geschmolzen.
Bildung des Partizip II
Auch hier gibt es regelmäßige und unregelmäßige Formen.
- Regelmäßige Verben: ge- + Verbstamm + -t.
Beispiel: spielen -> gespielt. - Unregelmäßige Verben: ge- + veränderter Verbstamm + -en. Die unregelmäßigen Partizipien müssen gelernt werden.
Beispiel: gehen -> gegangen. - Verben mit untrennbaren Präfixen (be-, ge-, er-, ver-, zer-, ent-, emp-) bilden das Partizip II ohne ge-.
Beispiel: besuchen -> besucht. - Verben auf -ieren bilden das Partizip II ebenfalls ohne ge-.
Beispiel: studieren -> studiert.
Verwendung des Perfekts
Das Perfekt wird verwendet, um:
- Handlungen zu beschreiben, die in der Vergangenheit abgeschlossen wurden und deren Ergebnis oder Auswirkung in der Gegenwart noch relevant ist.
Beispiel: Ich habe gegessen. (Ich bin jetzt satt.) - Ereignisse zu beschreiben, die kürzlich stattgefunden haben.
Beispiel: Er hat gerade angerufen. - Im gesprochenen Deutsch fast immer anstelle des Präteritums (außer bei sein, haben und Modalverben).
Beispiel: Statt "Ich ging ins Kino" sagt man eher "Ich bin ins Kino gegangen."
Übungen zu Präteritum und Perfekt
Um die Unterschiede und die korrekte Anwendung von Präteritum und Perfekt zu üben, sind folgende Übungen hilfreich:
1. Lückentext-Übungen
Füllen Sie die Lücken in den folgenden Sätzen entweder mit dem Präteritum oder dem Perfekt des angegebenen Verbs aus. Achten Sie auf den Kontext, um die richtige Zeitform zu wählen.
- Gestern Abend __________ (sehen) ich einen interessanten Film im Fernsehen. (sah oder habe gesehen)
- Letztes Jahr __________ (reisen) wir nach Italien. (reisten oder sind gereist)
- Ich __________ (sein) sehr müde, weil ich die ganze Nacht __________ (arbeiten). (war und gearbeitet habe oder bin gewesen und gearbeitet habe; die erste Variante ist üblicher)
- Was __________ (machen) du gestern? (machtest oder hast gemacht)
- Er __________ (sagen), dass er keine Zeit __________ (haben). (sagte und hatte oder hat gesagt und hat gehabt; auch hier ist die erste Variante üblicher für haben)
2. Umwandlungs-Übungen
Wandeln Sie die folgenden Sätze vom Präteritum ins Perfekt um und umgekehrt. Achten Sie darauf, die korrekte Form des Hilfsverbs (haben oder sein) zu verwenden.
- Präteritum -> Perfekt:
Ich spielte Fußball. -> Ich habe Fußball gespielt.
Sie ging nach Hause. -> Sie ist nach Hause gegangen.
Wir aßen Pizza. -> Wir haben Pizza gegessen. - Perfekt -> Präteritum:
Ich habe das Buch gelesen. -> Ich las das Buch.
Er ist gelaufen. -> Er lief.
Sie hat gesungen. -> Sie sang.
3. Entscheidungs-Übungen
Entscheiden Sie, ob der folgende Satz besser im Präteritum oder Perfekt klingt. Begründen Sie Ihre Wahl.
- (a) Ich habe das Fenster geöffnet. (b) Ich öffnete das Fenster.
Antwort: (a) klingt natürlicher, besonders im gesprochenen Deutsch. (b) wäre in einem schriftlichen Bericht passender. - (a) Er hat das Problem gelöst. (b) Er löste das Problem.
Antwort: (a) klingt im Alltag üblicher. (b) würde man eher in einem formellen Kontext finden. - (a) Wir sind gestern ins Kino gegangen. (b) Wir gingen gestern ins Kino.
Antwort: (a) ist die übliche Formulierung im gesprochenen Deutsch.
4. Eigene Sätze bilden
Bilden Sie eigene Sätze im Präteritum und Perfekt zu verschiedenen Themen. Versuchen Sie, den Unterschied in der Bedeutung und Verwendung zu berücksichtigen. Nutzen Sie dabei eine Liste unregelmäßiger Verben zur Unterstützung.
Tipp: Konzentrieren Sie sich zunächst auf häufig verwendete Verben und üben Sie deren Formen im Präteritum und Perfekt intensiv. Mit der Zeit werden Sie ein Gefühl für die richtige Anwendung entwickeln.
Zusammenfassung
Das Präteritum ist die einfache Vergangenheit, die vor allem in der Schriftsprache verwendet wird. Das Perfekt ist die zusammengesetzte Vergangenheit, die im gesprochenen Deutsch üblicher ist. Die Wahl zwischen den beiden Zeitformen hängt vom Kontext und der Bedeutung ab. Durch regelmäßiges Üben und Anwenden der hier vorgestellten Übungen können Sie Ihre Kenntnisse festigen und die korrekte Verwendung von Präteritum und Perfekt meistern. Viel Erfolg beim Deutschlernen!
