Unterschied Zwischen Passiv Und Aktiv
Das Deutsche unterscheidet, wie viele andere Sprachen auch, zwischen Aktiv und Passiv. Diese Unterscheidung betrifft die Art und Weise, wie ein Satz aufgebaut ist und wie die Beziehung zwischen dem Subjekt (handelnde Person oder Sache) und dem Verb (Tätigkeit) dargestellt wird. Das Verständnis des Unterschieds zwischen Aktiv und Passiv ist essenziell für eine korrekte und nuancierte Kommunikation auf Deutsch. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede detailliert und gibt Beispiele, um das Verständnis zu erleichtern.
Aktiv: Die handelnde Person im Fokus
Im Aktivsatz steht die handelnde Person oder Sache, das Subjekt, im Vordergrund. Das Subjekt führt die Handlung aus, die durch das Verb beschrieben wird. Die Struktur ist meist einfach und klar:
Subjekt + Verb + (Objekt)
Hier sind einige Beispiele:
- Der Mann liest die Zeitung. (Subjekt: Der Mann, Verb: liest, Objekt: die Zeitung)
- Die Kinder spielen im Garten. (Subjekt: Die Kinder, Verb: spielen, Ort: im Garten)
- Ich schreibe einen Brief. (Subjekt: Ich, Verb: schreibe, Objekt: einen Brief)
In diesen Sätzen ist klar, wer die Handlung ausführt. Der Fokus liegt auf der Aktivität des Subjekts. Das Aktiv ist die gebräuchlichste Form im Deutschen und wird in den meisten Fällen verwendet.
Merkmale des Aktivs:
- Das Subjekt ist aktiv und führt die Handlung aus.
- Die Satzstruktur ist in der Regel Subjekt-Verb-Objekt (SVO) oder Subjekt-Verb.
- Der Fokus liegt auf dem Handelnden.
- Wird verwendet, wenn der Handelnde bekannt oder wichtig ist.
Passiv: Die Handlung im Fokus
Im Passivsatz steht die Handlung selbst, bzw. das Objekt, das von der Handlung betroffen ist, im Vordergrund. Das Subjekt ist nicht der Handelnde, sondern derjenige oder dasjenige, dem etwas widerfährt. Die Struktur ist komplexer als im Aktiv:
Subjekt + Hilfsverb ("werden") + Partizip II + (von + Dativ)
Hier sind die Passiv-Versionen der obigen Aktivsätze:
- Die Zeitung wird von dem Mann gelesen. (Subjekt: Die Zeitung, Hilfsverb: wird, Partizip II: gelesen, Agens: von dem Mann)
- Im Garten wird von den Kindern gespielt. (Diese Konstruktion ist unüblich, da "im Garten" kein echtes Subjekt ist. Man würde eher sagen: Es wird im Garten von den Kindern gespielt. oder Im Garten wird gespielt., um das Passiv hervorzuheben.)
- Ein Brief wird von mir geschrieben. (Subjekt: Ein Brief, Hilfsverb: wird, Partizip II: geschrieben, Agens: von mir)
Beachten Sie, dass das Subjekt im Passivsatz das Objekt des Aktivsatzes war. Die Person oder Sache, die die Handlung ausführt (im Aktiv der Handelnde), wird im Passivsatz oft durch die Präposition "von" + Dativ (Agens) angegeben. Wenn der Handelnde unwichtig oder unbekannt ist, kann die Angabe des Agens auch ganz weggelassen werden.
Merkmale des Passivs:
- Das Subjekt ist passiv und wird von der Handlung betroffen.
- Die Satzstruktur ist Subjekt-Hilfsverb-Partizip II-(Agens).
- Der Fokus liegt auf der Handlung oder dem Ergebnis der Handlung.
- Wird verwendet, wenn der Handelnde unbekannt, unwichtig oder offensichtlich ist.
- Wird häufig in formellen Texten, wissenschaftlichen Arbeiten und Nachrichten verwendet.
Formen des Passivs
Es gibt verschiedene Formen des Passivs im Deutschen:
- Vorgangspassiv (Werden-Passiv): Beschreibt einen Vorgang oder eine Handlung. Beispiel: Das Haus wird gebaut. (Der Bau des Hauses ist im Gange.)
- Zustandspassiv (Sein-Passiv): Beschreibt einen Zustand, der aus einer vorherigen Handlung resultiert. Beispiel: Das Haus ist gebaut. (Das Haus ist fertig gebaut und befindet sich in diesem Zustand.)
Vorgangspassiv
Das Vorgangspassiv wird mit dem Hilfsverb werden gebildet. Es betont den Prozess oder die Handlung selbst. Die Zeitformen werden durch Konjugation von "werden" gebildet:
- Präsens: Das Fenster wird geöffnet.
- Präteritum: Das Fenster wurde geöffnet.
- Perfekt: Das Fenster ist geöffnet worden.
- Plusquamperfekt: Das Fenster war geöffnet worden.
- Futur I: Das Fenster wird geöffnet werden.
- Futur II: Das Fenster wird geöffnet worden sein.
Zustandspassiv
Das Zustandspassiv wird mit dem Hilfsverb sein und dem Partizip II gebildet. Es beschreibt den Zustand, der nach Abschluss der Handlung erreicht wurde. Auch hier werden die Zeitformen durch Konjugation von "sein" gebildet:
- Präsens: Das Fenster ist geöffnet.
- Präteritum: Das Fenster war geöffnet.
- Perfekt: (Wird selten verwendet, da es redundant ist. Man würde eher das Präteritum verwenden.)
- Plusquamperfekt: Das Fenster war geöffnet gewesen. (Selten verwendet)
- Futur I: Das Fenster wird geöffnet sein. (Selten verwendet)
- Futur II: (Nicht gebräuchlich)
Wann verwendet man Passiv?
Das Passiv wird verwendet, wenn:
- Der Handelnde unbekannt oder unwichtig ist: Das Auto wurde gestohlen. (Es ist nicht wichtig, wer das Auto gestohlen hat, sondern dass es gestohlen wurde.)
- Der Fokus auf der Handlung oder dem Ergebnis der Handlung liegt: Das Problem wurde gelöst. (Es ist wichtiger, dass das Problem gelöst wurde, als wer es gelöst hat.)
- Ein formeller oder objektiver Ton gewünscht ist: Wissenschaftliche Arbeiten, Nachrichten oder offizielle Dokumente verwenden oft das Passiv, um eine gewisse Distanz zu wahren.
- Der Handelnde offensichtlich ist: Der Täter wurde verhaftet. (Es ist klar, dass die Polizei den Täter verhaftet hat.)
Passiv vermeiden
Obwohl das Passiv seine Berechtigung hat, sollte es nicht übermäßig verwendet werden. Zu viele Passivsätze können einen Text schwerfällig und unpersönlich machen. In vielen Fällen ist es besser, das Aktiv zu verwenden, um den Text lebendiger und direkter zu gestalten. Oft lassen sich Passivkonstruktionen elegant durch Alternativen im Aktiv umformulieren, beispielsweise durch Verwendung von "man":
- Passiv: Das Buch wird gelesen.
- Aktiv mit "man": Man liest das Buch.
- Aktiv (klarere Formulierung): Die Leute lesen das Buch.
Eine bewusste Wahl zwischen Aktiv und Passiv ermöglicht es, die gewünschte Botschaft präzise und effektiv zu vermitteln. Das Verständnis der Nuancen zwischen diesen beiden Konstruktionen ist ein wichtiger Schritt zur Beherrschung der deutschen Sprache.
