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Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt


Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt

Stell dir vor, du bist auf einer Zeitreise. Ein kleiner Sprung zurück, sagen wir mal, ins Jahr 1985. Du stehst in Ost-Berlin, die Luft riecht nach Kohle und Trabi-Abgasen, und überall sind Plakate. Aber es sind nicht die Art von Plakaten, die du von modernen Wahlen kennst. Keine strahlenden Kandidaten, keine kontroversen Slogans. Stattdessen: Parolen, die Einigkeit und Fortschritt beschwören. Willkommen in der Deutschen Demokratischen Republik, kurz DDR, und ihrer ganz eigenen Art zu wählen.

Die Fassade der Demokratie: Wahlen in der DDR

Als Reisender, der sich für Geschichte interessiert, fand ich das Thema Wahlen in der DDR faszinierend und erschreckend zugleich. Es war wie ein Theaterstück, bei dem die Handlung und das Ende schon von Anfang an feststanden. Die DDR präsentierte sich nach außen hin als demokratischer Staat mit freien und geheimen Wahlen. Die Realität sah jedoch ganz anders aus. Es war eher eine Farce, eine Inszenierung, die dazu diente, die Macht der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zu legitimieren.

Die Einheitsliste: Die einzige "Wahl"

Das Herzstück dieses Wahlsystems war die sogenannte Einheitsliste. Stell dir vor, du gehst in ein Restaurant, aber es gibt nur ein Menü. Und auf diesem Menü steht nur ein Gericht. So ähnlich war es bei den Wahlen in der DDR. Auf dem Wahlzettel stand die Einheitsliste, eine Liste mit Kandidaten, die von der Nationalen Front aufgestellt wurde. Die Nationale Front war ein Zusammenschluss aller Parteien und Massenorganisationen unter der Führung der SED. Das bedeutete, dass alle Kandidaten der SED genehm waren und ihre Politik unterstützten. Eine echte Wahl zwischen verschiedenen Parteien oder Kandidaten gab es nicht. Es gab keine echte Alternative.

Natürlich konnte man formal "Nein" sagen. Aber das war nicht so einfach, wie es klingt. Das Wahlgeheimnis war zwar offiziell garantiert, aber in der Praxis gab es viele Möglichkeiten, die Wahlentscheidung der Bürger zu kontrollieren. Zum Beispiel wurden die Wahlurnen oft in Wahllokalen aufgestellt, die für jeden einsehbar waren. Wer "Nein" sagte, konnte sich sicher sein, dass das auffallen würde. Und das konnte Konsequenzen haben, vor allem im Beruf oder bei der Zulassung zum Studium. Es war ein subtiler, aber wirkungsvoller Druck.

Ich erinnere mich an eine Begegnung mit einer älteren Dame in Leipzig. Sie erzählte mir, dass sie immer "Ja" gewählt hatte, nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst. Sie wollte keine Probleme mit dem Staat bekommen, ihre Kinder sollten nicht benachteiligt werden. Ihr Geständnis hat mir sehr zu denken gegeben und mir die subtile Macht des Systems verdeutlicht. Es war eine alltägliche Form der Unterdrückung, die das Leben der Menschen prägte.

Die Inszenierung des "Volkswillens"

Die Wahlergebnisse in der DDR waren dementsprechend grotesk. Die Zustimmung zur Einheitsliste lag in der Regel bei über 99 Prozent. Ein unglaublicher Wert, der natürlich nichts mit der Realität zu tun hatte. Es war eine reine Inszenierung, die den "Volkswillen" demonstrieren sollte. Die SED wollte zeigen, dass das Volk hinter ihr steht und ihre Politik unterstützt. Die Wahlbeteiligung lag ebenfalls immer bei nahezu 100 Prozent. Wer nicht wählen ging, musste mit unangenehmen Fragen rechnen. Die Wahlen waren also nicht nur eine Farce, sondern auch ein Instrument der sozialen Kontrolle.

Es gab aber auch Menschen, die sich dem System widersetzten. Sie nutzten die Wahlen, um ihren Protest auszudrücken. Zum Beispiel, indem sie ihren Wahlzettel ungültig machten oder indem sie ihn mit kritischen Botschaften versahen. Das war natürlich riskant, aber es war ein Zeichen des Widerstands. Diese kleinen Akte des Ungehorsams zeigten, dass es in der DDR auch Menschen gab, die sich nicht unterkriegen ließen.

Die Kommunalwahlen 1989: Ein Zeichen des Wandels

Ein Wendepunkt waren die Kommunalwahlen im Mai 1989. Zum ersten Mal gab es in der DDR organisierte Wahlbeobachtergruppen, die Unregelmäßigkeiten aufdeckten. Sie dokumentierten, dass die Wahlergebnisse gefälscht wurden und dass die Wahlbeteiligung deutlich niedriger war als offiziell angegeben. Diese Enthüllungen trugen maßgeblich dazu bei, das Vertrauen in die SED zu untergraben und die friedliche Revolution im Herbst 1989 auszulösen.

Diese Wahlen waren ein Schlüsselmoment. Sie zeigten, dass die Fassade der Einheit zu bröckeln begann. Die Menschen hatten genug von den Lügen und der Manipulation. Sie wollten eine echte Demokratie mit freien und geheimen Wahlen. Und sie waren bereit, dafür zu kämpfen.

Was wir aus der Geschichte lernen können

Als Reisender, der die Geschichte der DDR erforscht hat, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Wahlen in der DDR eine wichtige Lektion für uns alle sind. Sie zeigen uns, wie schnell eine Demokratie zu einer Farce verkommen kann, wenn die Bürgerrechte eingeschränkt werden und die Meinungsfreiheit unterdrückt wird. Sie erinnern uns daran, wie wichtig es ist, unsere demokratischen Werte zu verteidigen und uns für freie und faire Wahlen einzusetzen.

Wenn du dich für die Geschichte der DDR interessierst, empfehle ich dir, das Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zu besuchen. Dort findest du viele Informationen und Materialien zu diesem Thema. Auch das DDR Museum in Berlin ist einen Besuch wert. Dort kannst du dir ein Bild davon machen, wie das Leben in der DDR wirklich war.

Und vergiss nicht: Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie muss immer wieder neu verteidigt werden. Die Geschichte der DDR zeigt uns, was passieren kann, wenn wir unsere Freiheit und unsere Rechte nicht wertschätzen.

Dein Besuch in den Archiven

Für den besonders interessierten Reisenden: Einige Archive, wie das Bundesarchiv Stasi-Unterlagen-Archiv (BStU), bieten Einblicke in die Überwachung der Wahlprozesse und die Dokumentation von Protesten. Hier kann man die Mechanismen der Kontrolle und den Mut der Opposition nachvollziehen.

Ich hoffe, dieser Einblick in die Wahlen in der DDR war für dich informativ und inspirierend. Denk daran, auf deinen Reisen offen zu sein und die Geschichte der Orte, die du besuchst, zu erkunden. Denn nur so können wir aus der Vergangenheit lernen und eine bessere Zukunft gestalten.

Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Über die erste und letzte freie Parlamentswahl in der DDR
www.berliner-zeitung.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Wahlen in der DDR - Bundesarchiv
www.bundesarchiv.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Wahlzettel der DDR (Wahlen, Stimme)
www.gutefrage.net
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Auf dem Weg zur ersten freien Wahl - Deutsche Einheit 1990
www.deutsche-einheit-1990.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Wahlen in der DDR - Bundesarchiv
www.bundesarchiv.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Wahlen in der DDR: Und danach wieder Alltag - DER SPIEGEL
www.spiegel.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Landtag Sachsen-Anhalt: Rückblick: Erste freie Volkskammerwahl
www.landtag.sachsen-anhalt.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Nach der Vertrauensfrage - Parteien stellen Wahlprogramme vor
www.deutschlandfunk.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Erste und letzte freie Volkskammerwahl in der DDR | NDR.de - Geschichte
www.ndr.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Zeitzeugin über DDR-Kommunalwahl 1989 - Wie Bürgerrechtler den
www.deutschlandfunkkultur.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Einzelpublikationen - Berlin.de
www.berlin.de
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Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Kommunalwahl 7. Mai 1989: Wie DDR-Bürgerrechtler die SED der
www.berliner-zeitung.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Wahlbetrug im Mai 1989
gesellschaft-zeitgeschichte.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Die ersten freien Wahlen in der DDR - Revolution und Mauerfall
revolution89.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Die ersten freien Wahlen in der DDR - Revolution und Mauerfall
revolution89.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Sternstunde der Demokratie: Die Wahlen zur ersten demokratischen
www.ddr-museum.de
Wahlen In Der Ddr Einfach Erklärt Wahlen in der DDR: Und danach wieder Alltag - DER SPIEGEL
www.spiegel.de

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