Walk Away From Omelas
Stell dir vor, du lebst im Paradies. Wirklich! Omelas, eine Stadt, in der immer Sommer ist, die Leute sind glücklich und feiern ständig irgendwelche kunterbunten Feste. Musik erklingt überall, und selbst die Pferde scheinen zu tanzen. Klingt kitschig? Vielleicht. Aber auch ziemlich verlockend, oder?
Das kleine, dunkle Geheimnis
Und jetzt kommt der Haken, der so groß ist, dass er den ganzen Spaß trüben könnte. In Omelas gibt es nämlich ein dunkles Geheimnis. All das Glück, all der Wohlstand, all die Freude... sie basieren auf dem Leid eines einzigen Kindes. Dieses Kind, ein Mädchen oder Junge, wird in einem dunklen, feuchten Kellerraum gefangen gehalten. Es ist vernachlässigt, hungrig, schmutzig und leidet unsäglich.
Jetzt kommt der Clou: JEDER in Omelas weiß das. Wenn sie volljährig werden, werden sie zu diesem Keller geführt, damit sie das Kind sehen und verstehen, warum ihr Leben so gut ist. Sie müssen sich entscheiden: Akzeptieren sie das Leid des Kindes, um ihr Glück zu bewahren? Oder...?
Die Entscheidung des Lebens (und Sterbens?)
Die meisten Leute schlucken ihren Ekel und ihre moralischen Bedenken herunter und leben weiter. Sie rationalisieren es. Sie sagen sich, dass das Kind sowieso unglücklich wäre, egal was passiert. Dass das Leid dieses Einen das Glück der Vielen rechtfertigt. Klassischer Utilitarismus im Urlaub, sozusagen.
Aber dann gibt es da diese anderen. Die, die nach dem Besuch des Kellers einfach nur noch wortlos die Stadt verlassen. Sie gehen weg. Sie "gehen weg von Omelas." Wohin sie gehen, weiß niemand. Die Geschichte verrät es nicht. Vielleicht in eine andere Stadt, in der es keine so düstere Kehrseite gibt. Vielleicht auch in die Wildnis, um ein Leben in Einsamkeit und Gewissensfreiheit zu führen.
Was wäre, wenn Omelas...
Stell dir vor, Omelas wäre dein Lieblingsschokoladenkuchen. So richtig schön saftig und schokoladig. Aber um diesen Kuchen zu bekommen, müsstest du jedes Mal einer armen Ameise die Beine ausreißen. Würdest du den Kuchen essen? Wahrscheinlich nicht, oder? (Die meisten zumindest nicht. Ameisen sind ja auch Lebewesen mit...). Aber was, wenn es um etwas Größeres ginge? Was, wenn es um das Wohlergehen deiner Familie ginge, deiner Freunde, deiner ganzen Stadt? Wäre der Schokoladenkuchen, äh, das Leid des Kindes dann akzeptabler?
Und was, wenn du das Kind befreien könntest? Aber die Geschichte sagt, dass Omelas dann untergehen würde. Alles Glück, aller Wohlstand, alles würde verschwinden. Wärst du bereit, diesen Preis zu zahlen?
Der Witz an der Sache
Das Witzige ist ja, dass Ursula K. Le Guin, die Autorin, uns keine Antwort gibt. Sie zwingt uns, uns selbst zu fragen: Was ist Glück wert? Und zu welchem Preis sind wir bereit, es zu erkaufen?
"Diejenigen, die weggehen von Omelas, sind vielleicht nicht glücklicher. Aber sie haben sich entschieden."
Das ist der Knackpunkt. Es geht nicht darum, ob es die "richtige" Entscheidung gibt. Es geht darum, dass sie eine Entscheidung treffen. Sie nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand, anstatt einfach nur zuzusehen und zu akzeptieren. Und das, meine Freunde, ist ziemlich mutig.
Mehr als nur eine Geschichte
"Walk Away From Omelas" ist mehr als nur eine kurze Geschichte. Es ist ein Gedankenexperiment, das uns dazu anregt, über unsere eigenen Werte nachzudenken. Über unsere Verantwortung gegenüber anderen. Und über die Frage, ob das Glück der Vielen jemals das Leid des Einzelnen rechtfertigen kann.
Also, was denkst du? Wärst du einer derjenigen, die in Omelas bleiben? Oder wärst du einer, der einfach... weggeht?
Vielleicht ist es Zeit, über unsere eigenen "Kellerkinder" nachzudenken. Wo in unserer Gesellschaft gibt es Leid, das wir ignorieren, um unser eigenes Glück zu bewahren? Und was können wir dagegen tun?
