Wann Ist Der Koran Entstanden
Hallo liebe Reisefreunde! Lasst mich euch heute mitnehmen auf eine gedankliche Reise, die uns nicht zu sonnenverwöhnten Stränden oder pulsierenden Metropolen führt, sondern tief in die Geschichte und Kultur des Islam, genauer gesagt, zur Entstehung des Korans. Stellt euch vor, ihr sitzt mit mir in einem gemütlichen marokkanischen Café, der Duft von Minztee in der Luft, während wir uns fragen: Wann genau ist eigentlich der Koran entstanden?
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Reise in die Türkei. Ich war überwältigt von der Schönheit der Moscheen, dem Klang des Gebetsrufs und der tiefen Spiritualität, die das Land durchdringt. Natürlich kam mir da auch die Frage, wie dieses heilige Buch, der Koran, entstanden ist, der das Leben so vieler Menschen auf der Welt prägt. Die Antwort ist keine einfache Jahreszahl, sondern eher ein faszinierender Prozess, der sich über Jahre erstreckte.
Der Prophet Muhammad und die Offenbarungen
Um die Frage nach dem "Wann" zu beantworten, müssen wir zuerst auf den Propheten Muhammad blicken. Er wurde um das Jahr 570 n. Chr. in Mekka geboren, einer Stadt, die damals ein wichtiges Handelszentrum auf der arabischen Halbinsel war. Muhammad wuchs in einer Gesellschaft auf, die von Stammesstrukturen, Polytheismus und einem gewissen moralischen Verfall geprägt war. Im Alter von etwa 40 Jahren, also um 610 n. Chr., begann er, in der Einsamkeit einer Höhle auf dem Berg Hira, in der Nähe von Mekka, Offenbarungen zu empfangen, die er als Botschaften von Gott (Allah) verstand.
Diese Offenbarungen, die über einen Zeitraum von etwa 23 Jahren, bis zu Muhammads Tod im Jahr 632 n. Chr., andauerten, bildeten das Fundament des Korans. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Koran aus der Perspektive der Muslime nicht von Muhammad selbst geschrieben wurde, sondern dass er die wörtliche Rede Gottes ist, die ihm durch den Engel Gabriel (Jibril) offenbart wurde. Stellt euch vor, wie beeindruckend und überwältigend das für ihn gewesen sein muss!
Die mündliche Überlieferung
In den ersten Jahren nach den Offenbarungen wurden diese nicht sofort niedergeschrieben, sondern hauptsächlich mündlich weitergegeben. Muhammads Anhänger, die Sahaba (Gefährten), lernten die Verse auswendig und rezitierten sie. Dies war in der arabischen Kultur der damaligen Zeit, in der die Dichtung eine große Bedeutung hatte, eine gängige Praxis. Man kann sich vorstellen, wie die ersten Muslime, voller Ehrfurcht vor den göttlichen Worten, sie immer und immer wieder rezitierten und so sicherstellten, dass sie nicht vergessen wurden. Die mündliche Überlieferung spielte eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung der frühen Botschaft des Korans.
Die Bedeutung der Rezitation
Die Kunst der Rezitation, das Tajwid, ist bis heute ein wichtiger Bestandteil der islamischen Tradition. Es geht darum, den Koran mit der richtigen Aussprache, Melodie und Intonation zu rezitieren. Wenn ihr eine Moschee besucht, werdet ihr vielleicht Zeuge dieser wunderschönen Kunst. Die Rezitation ist nicht nur eine Möglichkeit, den Koran zu bewahren, sondern auch ein Ausdruck der Hingabe und Liebe zu Gott.
Die schriftliche Fixierung
Obwohl die mündliche Überlieferung von großer Bedeutung war, gab es auch schon zu Lebzeiten Muhammads Bemühungen, die Offenbarungen schriftlich festzuhalten. Es wird berichtet, dass Muhammad Schreiber hatte, die die Verse auf verschiedene Materialien wie Palmblätter, Lederstücke und Knochen schrieben. Diese frühen Aufzeichnungen waren jedoch fragmentarisch und dienten hauptsächlich als Gedächtnisstütze für die Rezitatoren.
Die eigentliche Zusammenstellung und Standardisierung des Korans erfolgte erst nach dem Tod Muhammads. Dies geschah unter der Herrschaft des dritten Kalifen, Uthman ibn Affan, etwa 15 bis 20 Jahre nach Muhammads Tod, also um das Jahr 650 n. Chr. herum. Die Motivation dahinter war, die Einheit der muslimischen Gemeinschaft zu bewahren, da es zu dieser Zeit zu unterschiedlichen Lesarten und Interpretationen des Korans kam.
Uthman beauftragte eine Kommission, die unter der Leitung von Zaid ibn Thabit, einem der Schreiber Muhammads, stand, mit der Erstellung einer autorisierten Version des Korans. Diese Kommission sammelte alle verfügbaren schriftlichen Aufzeichnungen und verglich sie mit den Erinnerungen der Sahaba, die den Koran auswendig kannten. Das Ergebnis war der sogenannte Uthmanische Kodex, der als die endgültige und maßgebliche Version des Korans gilt.
Der Uthmanische Kodex: Die Standardversion
Der Uthmanische Kodex wurde dann in mehrere Exemplare angefertigt und in die wichtigsten muslimischen Zentren geschickt, um sicherzustellen, dass es eine einheitliche Version des Korans gab. Alle anderen Versionen wurden daraufhin vernichtet. Dies war ein entscheidender Schritt, um die Einheit der muslimischen Gemeinschaft zu wahren und sicherzustellen, dass der Koran in seiner ursprünglichen Form erhalten blieb.
Es ist wichtig zu betonen, dass der Uthmanische Kodex bis heute die Grundlage für alle gedruckten Ausgaben des Korans weltweit bildet. Das bedeutet, dass die Verse, die ihr heute in einem Koran lest, im Wesentlichen die gleichen sind wie die, die vor über 1400 Jahren von den ersten Muslimen rezitiert und niedergeschrieben wurden.
Also, wann genau entstand der Koran?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entstehung des Korans ein Prozess war, der sich über mehrere Jahrzehnte erstreckte. Er begann mit den ersten Offenbarungen an den Propheten Muhammad um das Jahr 610 n. Chr. und gipfelte in der Standardisierung des Uthmanischen Kodex um das Jahr 650 n. Chr. Es ist also keine einzelne Jahreszahl, sondern ein Zeitraum, der die Offenbarungen, die mündliche Überlieferung und die schriftliche Fixierung umfasst.
Und so, liebe Reisefreunde, hoffe ich, dass euch diese kleine Reise in die Geschichte des Korans gefallen hat. Wenn ihr das nächste Mal eine Moschee besucht oder den Klang des Gebetsrufs hört, denkt vielleicht daran, wie dieses heilige Buch entstanden ist, und an die Menschen, die ihr Leben der Bewahrung seiner Botschaft gewidmet haben. Es ist eine Geschichte von Glaube, Hingabe und dem Wunsch, die göttliche Botschaft für kommende Generationen zu bewahren.
Vielleicht habt ihr ja auch Lust bekommen, euch selbst auf die Spuren der islamischen Geschichte zu begeben. Es gibt so viele wunderschöne Orte und Kulturen zu entdecken! Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns ja eines Tages in einem anderen gemütlichen Café, um über noch mehr spannende Themen zu plaudern. Bis dahin: Gute Reise!
