Wann Wurde Die Mauer Gebaut
Die Berliner Mauer, ein Symbol der Teilung Deutschlands und des Kalten Krieges, war ein komplexes Bauwerk mit einer vielschichtigen Geschichte. Um ihre Entstehung, ihren Zweck und ihren Fall vollständig zu verstehen, ist es wichtig, die Chronologie der Ereignisse und die politischen Hintergründe zu kennen. Die entscheidende Frage, wann die Mauer genau gebaut wurde, erfordert daher eine differenzierte Antwort.
Der Bau der Berliner Mauer: Ein genauerer Blick auf den Beginn
Der offizielle Baubeginn der Berliner Mauer war am 13. August 1961. Dieser Tag, oft als "Barbed Wire Sunday" bezeichnet, markierte den Beginn einer radikalen Veränderung des Lebens in Berlin und ganz Deutschland. Die DDR-Regierung, unter Führung von Walter Ulbricht, begann in den frühen Morgenstunden mit der Errichtung provisorischer Barrikaden und Zäune aus Stacheldraht, um die Grenze zwischen Ost- und Westberlin zu schließen.
Die Vorgeschichte: Warum wurde die Mauer gebaut?
Um zu verstehen, warum die Mauer gebaut wurde, muss man die Situation im Nachkriegsdeutschland und den Kalten Krieg betrachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt: eine britische, eine französische, eine amerikanische und eine sowjetische Zone. Berlin, obwohl inmitten der sowjetischen Zone gelegen, wurde ebenfalls in vier Sektoren aufgeteilt, was zu einer einzigartigen und spannungsreichen Situation führte.
Die unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systeme in den Westzonen (die sich später zur Bundesrepublik Deutschland zusammenschlossen) und der sowjetischen Zone (der späteren Deutschen Demokratischen Republik) führten zu wachsenden Spannungen. Die DDR, die sich als sozialistischer Staat verstand, sah sich mit einer zunehmenden Abwanderung ihrer Bevölkerung in den Westen konfrontiert. Westberlin wurde zu einem Schlupfloch, durch das Menschen die DDR verließen, um ein besseres Leben im Westen zu suchen. Diese "Flucht der Köpfe", wie sie oft genannt wurde, bedrohte die wirtschaftliche und politische Stabilität der DDR.
Die DDR-Regierung sah in der Schließung der Grenze den einzigen Weg, die Abwanderung zu stoppen und ihre Macht zu sichern. Die Entscheidung zum Bau der Mauer wurde in Moskau getroffen und von den DDR-Führern umgesetzt. Es war eine drastische Maßnahme, die das Leben von Millionen Menschen für die nächsten 28 Jahre grundlegend verändern sollte.
Die ersten Tage: Stacheldraht und provisorische Barrieren
Am 13. August 1961 waren es zunächst nicht massive Betonmauern, die die Grenze versperrten. Es waren vielmehr Stacheldrahtzäune, provisorische Holzbarrieren und Kettenfahrzeuge, die an strategischen Punkten positioniert wurden. Volkspolizisten und Soldaten der Nationalen Volksarmee bewachten die Übergänge und hinderten Ostberliner daran, nach Westberlin zu gelangen. Die S- und U-Bahn-Linien, die zwischen Ost- und Westberlin verkehrten, wurden unterbrochen oder stillgelegt. Nur wenige Übergangsstellen blieben unter strenger Kontrolle geöffnet.
Die Reaktion der Westmächte auf den Mauerbau war zunächst verhalten. Sie protestierten zwar gegen die Verletzung der Viermächtevereinbarungen, griffen aber nicht militärisch ein. Die USA, Großbritannien und Frankreich wollten eine Eskalation des Konflikts vermeiden und riskierten keinen Krieg mit der Sowjetunion.
Der Ausbau der Mauer: Eine Festung der Teilung
Die provisorischen Barrieren vom 13. August 1961 waren nur der Anfang. In den folgenden Jahren wurde die Berliner Mauer kontinuierlich ausgebaut und verstärkt. Aus Stacheldraht und Holz wurden massive Betonmauern, die immer höher und undurchlässiger wurden. Die Mauer wurde zu einem komplexen System von Sperranlagen, das aus mehreren Elementen bestand.
Die verschiedenen Mauergenerationen
Die Berliner Mauer durchlief im Laufe ihrer Existenz mehrere Bauphasen, die oft als "Mauergenerationen" bezeichnet werden. Jede Generation war eine Weiterentwicklung der vorherigen und zielte darauf ab, die Mauer noch sicherer und undurchdringlicher zu machen. Zu den wichtigsten Elementen der Mauer gehörten:
- Die Vorderlandmauer: Diese Mauer, die sich auf dem Gebiet der DDR befand, diente dazu, Fluchtversuche zu verhindern.
- Der Todesstreifen: Ein breiter Streifen zwischen der Vorderlandmauer und der eigentlichen Grenzmauer, der mit Minen, Stolperdrähten und Selbstschussanlagen versehen war.
- Die Grenzmauer: Die eigentliche Mauer, die die Grenze zwischen Ost- und Westberlin markierte. Sie bestand aus Betonsegmenten und war oft mehrere Meter hoch.
- Wachtürme: Entlang der Mauer wurden Wachtürme errichtet, von denen aus Grenzsoldaten das Gebiet überwachen konnten.
- Hundelaufanlagen: Hunde wurden eingesetzt, um Fluchtversuche zu vereiteln.
Die letzte und am weitesten entwickelte Version der Mauer, die sogenannte "Mauer 75", wurde ab 1975 errichtet. Sie bestand aus vorgefertigten Betonsegmenten, die etwa 3,60 Meter hoch waren. Die Mauer war ein Symbol der Unmenschlichkeit und der Teilung.
Das Ende der Mauer: Der Fall am 9. November 1989
Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 war ein historisches Ereignis, das das Ende des Kalten Krieges und die Wiedervereinigung Deutschlands einleitete. Die Umstände, die zu diesem Ereignis führten, waren komplex und von einer Reihe von Faktoren beeinflusst.
Die politischen Veränderungen in Osteuropa
In den Jahren vor dem Fall der Mauer hatte sich die politische Situation in Osteuropa grundlegend verändert. Die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow verfolgte eine Politik der Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau), die den osteuropäischen Staaten mehr Spielraum für Reformen einräumte. In Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei kam es zu friedlichen Revolutionen, die die kommunistischen Regierungen stürzten. Diese Entwicklungen schwächten auch die DDR und erhöhten den Druck auf die Regierung, Reformen durchzuführen.
Der Druck der Bevölkerung
Die Bevölkerung der DDR war zunehmend unzufrieden mit den Lebensbedingungen und der politischen Repression. Viele Menschen stellten Ausreiseanträge, die jedoch in der Regel abgelehnt wurden. Es kam zu Massenprotesten und Demonstrationen, die die Regierung unter Druck setzten. Die Montagsdemonstrationen in Leipzig wurden zu einem Symbol des Widerstands.
Die verhängnisvolle Pressekonferenz
Am 9. November 1989 fand eine Pressekonferenz mit Günter Schabowski, einem Mitglied des Politbüros der SED, statt. Auf die Frage, wann die neuen Reiseregelungen in Kraft treten würden, antwortete Schabowski spontan: "Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich." Diese Aussage führte zu einem Missverständnis, das sich wie ein Lauffeuer verbreitete. Tausende von Menschen strömten zu den Grenzübergängen und forderten die Öffnung der Mauer. Die überforderten Grenzsoldaten gaben schließlich nach und öffneten die Übergänge. Die Berliner Mauer war gefallen.
Der Fall der Mauer war ein Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands und Europas. Er markierte das Ende der Teilung und den Beginn eines neuen Kapitels der Freiheit und Einheit. Der 9. November ist ein Tag, der für immer in Erinnerung bleiben wird.
Zusammenfassung: Wann genau wurde die Mauer gebaut?
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Berliner Mauer nicht an einem einzigen Tag gebaut wurde, sondern in einem schrittweisen Prozess. Der 13. August 1961 markiert den Beginn der Errichtung von provisorischen Barrieren und Zäunen. In den folgenden Jahren wurde die Mauer kontinuierlich ausgebaut und verstärkt, bis sie zu einem komplexen System von Sperranlagen wurde. Die verschiedenen "Mauergenerationen" zeugen von den ständigen Bemühungen der DDR-Regierung, die Grenze undurchdringlicher zu machen. Der Fall der Mauer am 9. November 1989 beendete diesen Prozess und besiegelte das Ende der Teilung Deutschlands.
