Wann Wurde Die Vereinten Nationen Gegründet
Die Vereinten Nationen (VN), oft auch UNO (United Nations Organization) genannt, sind eine internationale Organisation, die sich die Wahrung des Weltfriedens, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit und den Schutz der Menschenrechte zum Ziel gesetzt hat. Für Neuankömmlinge in Deutschland oder Expats, die sich für internationale Politik interessieren, ist es wichtig zu wissen, wann diese bedeutende Organisation gegründet wurde.
Gründungsdatum und Kontext
Die Vereinten Nationen wurden offiziell am 24. Oktober 1945 gegründet. Dieser Tag wird jährlich als Tag der Vereinten Nationen gefeiert. Die Gründung erfolgte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als die Notwendigkeit einer globalen Organisation zur Verhinderung zukünftiger Konflikte und zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Nationen erkannt wurde.
Die unmittelbare Vorgeschichte der VN ist eng mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Die verheerenden Auswirkungen dieses Krieges, der Millionen von Menschenleben forderte und ganze Kontinente verwüstete, führten zu dem Wunsch, eine effektivere internationale Organisation als den Völkerbund zu schaffen, der sich als unfähig erwiesen hatte, den Ausbruch des Krieges zu verhindern. Der Völkerbund, gegründet nach dem Ersten Weltkrieg, scheiterte an seiner mangelnden Durchsetzungskraft und der Weigerung einiger wichtiger Nationen, ihm beizutreten oder sich an seine Beschlüsse zu halten.
Die Konferenzen der Alliierten
Die Idee einer neuen internationalen Organisation entstand im Laufe des Zweiten Weltkriegs in mehreren Konferenzen der Alliierten. Wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Gründung der VN waren:
- Atlantik-Charta (August 1941): US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill trafen sich auf einem Kriegsschiff im Atlantik und formulierten die Atlantik-Charta. Diese Charta enthielt Prinzipien für eine Nachkriegsordnung, darunter das Recht auf Selbstbestimmung, die Freiheit der Meere und die Förderung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Die Atlantik-Charta legte den Grundstein für die zukünftige Charta der Vereinten Nationen.
- Erklärung der Vereinten Nationen (Januar 1942): Vertreter von 26 Nationen, die gegen die Achsenmächte kämpften, unterzeichneten die "Erklärung der Vereinten Nationen". Sie verpflichteten sich, die Prinzipien der Atlantik-Charta zu unterstützen und keine separaten Friedensverhandlungen mit den Achsenmächten zu führen. Diese Erklärung gilt als die erste offizielle Verwendung des Begriffs "Vereinte Nationen".
- Konferenz von Dumbarton Oaks (August-Oktober 1944): In Dumbarton Oaks, einem Herrenhaus in Washington, D.C., trafen sich Vertreter der USA, Großbritanniens, der Sowjetunion und Chinas, um die Struktur einer neuen internationalen Organisation zu entwerfen. Sie einigten sich auf die wichtigsten Organe der VN, einschließlich des Sicherheitsrats, der Generalversammlung und des Sekretariats. Es gab jedoch noch einige ungelöste Fragen, insbesondere die Stimmrechte im Sicherheitsrat.
- Konferenz von Jalta (Februar 1945): Auf der Konferenz von Jalta trafen sich Roosevelt, Churchill und Stalin, um die Nachkriegsordnung in Europa und die Organisation der Vereinten Nationen zu besprechen. Sie einigten sich auf die Stimmrechte im Sicherheitsrat, wobei die fünf ständigen Mitglieder (USA, Großbritannien, Sowjetunion, China und Frankreich) ein Vetorecht erhielten. Diese Entscheidung war kontrovers, aber sie wurde als notwendig erachtet, um die Beteiligung der Großmächte an der VN zu gewährleisten.
- Konferenz von San Francisco (April-Juni 1945): Vom 25. April bis zum 26. Juni 1945 fand die Konferenz von San Francisco statt. Vertreter von 50 Nationen trafen sich, um die Charta der Vereinten Nationen zu verabschieden. Die Charta wurde am 26. Juni 1945 unterzeichnet und trat am 24. Oktober 1945 in Kraft, nachdem sie von den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats und der Mehrheit der anderen Unterzeichnerstaaten ratifiziert worden war.
Die Charta der Vereinten Nationen
Die Charta der Vereinten Nationen ist das Gründungsdokument der VN. Sie legt die Ziele, Prinzipien und Strukturen der Organisation fest. Die Charta betont die Souveränität der Staaten, das Verbot der Gewaltanwendung und die friedliche Beilegung von Streitigkeiten. Sie bekräftigt auch die Bedeutung der Menschenrechte und der internationalen Zusammenarbeit in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und humanitären Angelegenheiten.
Die Charta gliedert sich in eine Präambel und 19 Kapitel. Die Präambel drückt die Entschlossenheit der Völker der Vereinten Nationen aus, zukünftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die grundlegenden Menschenrechte zu bekräftigen und die soziale und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Zu den wichtigsten Prinzipien der Charta gehören:
- Souveräne Gleichheit aller Mitglieder: Alle Mitgliedstaaten sind gleichberechtigt und haben die gleichen Rechte und Pflichten.
- Friedliche Beilegung von Streitigkeiten: Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre Streitigkeiten friedlich beizulegen, ohne auf Gewalt zurückzugreifen.
- Verbot der Gewaltanwendung: Die Mitgliedstaaten verzichten auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder politische Unabhängigkeit eines anderen Staates.
- Nichteinmischung in innere Angelegenheiten: Die VN mischen sich grundsätzlich nicht in Angelegenheiten ein, die im Wesentlichen zur inneren Zuständigkeit eines Staates gehören.
- Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen: Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, mit den VN bei der Verwirklichung ihrer Ziele zusammenzuarbeiten.
Die Hauptorgane der Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen bestehen aus mehreren Hauptorganen, die jeweils spezifische Aufgaben und Verantwortlichkeiten haben:
- Generalversammlung: Die Generalversammlung ist das Hauptorgan der VN, in dem alle Mitgliedstaaten vertreten sind. Sie dient als Forum für Diskussionen über internationale Fragen und kann Empfehlungen an den Sicherheitsrat und andere Organe abgeben. Die Beschlüsse der Generalversammlung sind in der Regel nicht bindend, haben aber eine wichtige politische Bedeutung.
- Sicherheitsrat: Der Sicherheitsrat trägt die Hauptverantwortung für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Er besteht aus 15 Mitgliedern, darunter fünf ständige Mitglieder (China, Frankreich, Russland, Großbritannien und die USA), die ein Vetorecht haben. Der Sicherheitsrat kann Zwangsmaßnahmen ergreifen, wie z. B. Sanktionen oder militärische Interventionen, um den Frieden zu wahren oder wiederherzustellen.
- Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC): Der ECOSOC koordiniert die Arbeit der VN in wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und humanitären Angelegenheiten. Er arbeitet mit einer Vielzahl von Spezialorganisationen, wie z. B. der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), zusammen.
- Internationaler Gerichtshof (IGH): Der IGH ist das wichtigste Rechtsprechungsorgan der VN. Er entscheidet über Streitigkeiten zwischen Staaten und gibt Gutachten zu Rechtsfragen ab. Die Urteile des IGH sind bindend für die beteiligten Staaten.
- Sekretariat: Das Sekretariat ist das administrative Organ der VN. Es wird vom Generalsekretär geleitet, der vom Sicherheitsrat auf Empfehlung der Generalversammlung ernannt wird. Der Generalsekretär ist der höchste Verwaltungsbeamte der Organisation und spielt eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Konflikten und der Förderung der internationalen Zusammenarbeit.
Die Bedeutung der Vereinten Nationen heute
Die Vereinten Nationen spielen auch heute, mehr als sieben Jahrzehnte nach ihrer Gründung, eine unverzichtbare Rolle in der Weltpolitik. Sie sind ein wichtiges Forum für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Die VN tragen zur Bewältigung einer Vielzahl von globalen Herausforderungen bei, darunter:
- Friedenssicherung und Konfliktprävention: Die VN entsenden Friedenstruppen in Konfliktgebiete, vermitteln in Streitigkeiten und fördern die friedliche Beilegung von Konflikten.
- Humanitäre Hilfe: Die VN leisten humanitäre Hilfe für Menschen in Not, z. B. nach Naturkatastrophen oder in Kriegsgebieten.
- Entwicklungszusammenarbeit: Die VN unterstützen Entwicklungsländer bei der Armutsbekämpfung, der Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Förderung der Bildung.
- Menschenrechte: Die VN setzen sich für die Einhaltung der Menschenrechte weltweit ein und bekämpfen Diskriminierung und Ungleichheit.
- Klimaschutz: Die VN koordinieren die internationalen Bemühungen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung.
Obwohl die Vereinten Nationen oft kritisiert werden und ihre Wirksamkeit manchmal in Frage gestellt wird, bleiben sie eine unverzichtbare Institution für die Bewältigung globaler Herausforderungen und die Förderung einer friedlicheren und gerechteren Welt. Für Expats und Neuankömmlinge in Deutschland ist das Verständnis der Gründungsgeschichte und der Funktionsweise der VN von Bedeutung, um die Komplexität der internationalen Beziehungen und die Rolle Deutschlands in der Welt besser zu verstehen. Die VN bieten auch Chancen zur Beteiligung und zum Engagement in globalen Angelegenheiten.
