Wann Wurde Hitler Zum Reichskanzler Ernannt
Viele Menschen, die nach Deutschland ziehen oder sich für deutsche Geschichte interessieren, fragen sich: Wann wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt? Die Antwort ist: Am 30. Januar 1933.
Der Weg zur Macht: Eine Chronologie
Um die Bedeutung dieses Datums vollständig zu verstehen, ist es wichtig, den historischen Kontext zu betrachten, der zu Hitlers Ernennung führte. Die Weimarer Republik, die nach dem Ersten Weltkrieg gegründet wurde, war von Anfang an von politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten geplagt. Die Hyperinflation der 1920er Jahre, die Weltwirtschaftskrise von 1929 und die damit einhergehende Massenarbeitslosigkeit destabilisierten die politische Landschaft und schufen einen fruchtbaren Boden für radikale Ideologien.
Die Anfänge der NSDAP
Adolf Hitler trat 1919 der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) bei, die später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt wurde. Hitler stieg schnell in der Partei auf und wurde 1921 ihr Vorsitzender. Die NSDAP propagierte einen aggressiven Nationalismus, Antisemitismus und Antikommunismus. Sie versprach, die „Schmach“ des Versailler Vertrags zu beseitigen und Deutschland wieder zu alter Größe zu führen. Die Partei nutzte die wirtschaftliche Not und die politische Instabilität aus, um ihre Anhängerschaft zu vergrößern.
Der gescheiterte Putschversuch
Im November 1923 unternahm Hitler mit seinen Anhängern einen Putschversuch in München, den sogenannten Hitler-Ludendorff-Putsch. Dieser scheiterte jedoch und Hitler wurde zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis schrieb er sein Buch Mein Kampf, in dem er seine politischen Ziele und seine rassistische Ideologie darlegte.
Der Aufstieg der NSDAP in den 1930er Jahren
Nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1924 baute Hitler die NSDAP neu auf. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 führte zu einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit und verschärfte die politische Instabilität. Die NSDAP nutzte diese Situation geschickt aus und präsentierte sich als einzige Partei, die in der Lage sei, die Probleme Deutschlands zu lösen. Bei den Reichstagswahlen 1930 wurde die NSDAP zur zweitstärksten Kraft im Parlament. Bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 wurde sie sogar zur stärksten Partei, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Weitere Wahlen im November 1932 brachten keine klare Mehrheit.
Die politische Intrige und die Ernennung zum Reichskanzler
Die politische Situation in Deutschland war 1932/33 äußerst angespannt. Die Regierung war handlungsunfähig, und es gab ständig Neuwahlen. Reichspräsident Paul von Hindenburg, ein konservativer Militär, weigerte sich zunächst, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, da er ihm misstraute. Er ernannte stattdessen zunächst Franz von Papen und dann Kurt von Schleicher zu Reichskanzlern, aber beide konnten keine stabile Regierung bilden. Schließlich, unter dem Druck konservativer Kreise und in der Hoffnung, Hitler „zähmen“ zu können, willigte Hindenburg ein, Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler zu ernennen. Von Papen wurde Vizekanzler und sollte als Kontrollinstanz dienen, was sich jedoch schnell als Illusion herausstellte.
Der Tag der Machtergreifung: Der 30. Januar 1933
Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler markiert einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Sie wird oft als der Beginn der Machtergreifung der Nationalsozialisten bezeichnet. Obwohl Hitler zunächst nur eine Minderheitsregierung führte, nutzte er seine Position geschickt aus, um seine Machtbasis rasch auszubauen und seine politischen Gegner auszuschalten.
Die ersten Schritte zur Diktatur
Unmittelbar nach seiner Ernennung löste Hitler den Reichstag auf und ordnete Neuwahlen an. Kurz vor den Wahlen, am 27. Februar 1933, brannte der Reichstag. Die Nationalsozialisten gaben den Kommunisten die Schuld und nutzten den Reichstagsbrand als Vorwand, um mit der Reichstagsbrandverordnung grundlegende Bürgerrechte außer Kraft zu setzen und politische Gegner zu verhaften. Die Wahlen am 5. März 1933 brachten der NSDAP zwar einen Zugewinn, aber keine absolute Mehrheit. Mit Unterstützung der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) konnte Hitler jedoch eine Koalitionsregierung bilden.
Das Ermächtigungsgesetz
Am 23. März 1933 verabschiedete der Reichstag das sogenannte Ermächtigungsgesetz. Dieses Gesetz übertrug die legislative Gewalt auf die Regierung und ermöglichte es Hitler, Gesetze ohne Zustimmung des Reichstags zu erlassen. Damit war die parlamentarische Demokratie in Deutschland de facto abgeschafft. Die NSDAP nutzte das Ermächtigungsgesetz, um alle anderen politischen Parteien zu verbieten, Gewerkschaften aufzulösen und die Presse gleichzuschalten. Innerhalb weniger Monate hatte Hitler eine totalitäre Diktatur errichtet.
Die Bedeutung des 30. Januar 1933
Der 30. Januar 1933 ist ein entscheidendes Datum in der deutschen Geschichte. Er markiert den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft, die Deutschland und die Welt in den Zweiten Weltkrieg stürzte und zum Holocaust führte. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zeigt, wie politische Instabilität, wirtschaftliche Not und die Bereitschaft von Eliten, mit radikalen Kräften zu paktieren, zum Zusammenbruch einer Demokratie führen können. Es ist daher wichtig, die Ereignisse des Jahres 1933 zu verstehen, um aus der Geschichte zu lernen und zu verhindern, dass sich solche Ereignisse wiederholen.
Lehren aus der Geschichte
Die Geschichte von Hitlers Machtergreifung lehrt uns die Bedeutung von:
- Der Verteidigung der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit.
- Der Bekämpfung von Extremismus und Hassreden.
- Der Förderung von sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Stabilität.
- Der aktiven Teilnahme an der politischen Gestaltung der Gesellschaft.
Nur durch wachsames Engagement und eine starke Zivilgesellschaft können wir sicherstellen, dass sich die Schrecken des Nationalsozialismus niemals wiederholen.
Merke: Der 30. Januar 1933 ist nicht nur ein Datum, sondern eine Mahnung. Er erinnert uns daran, die Werte der Demokratie und der Menschenrechte zu schützen und uns gegen jede Form von Diskriminierung und Gewalt zu stellen.
