Wann Wurden Die Linken Gegründet
Die Frage nach der Gründung der Partei Die Linke ist weit mehr als nur ein Datum. Sie ist eine Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte, mit Ideologien und mit dem komplizierten Erbe des Sozialismus. Um das Phänomen Die Linke zu verstehen, muss man sich auf eine Reise begeben, die weit in das 20. Jahrhundert zurückreicht, und die Brüche, Kontinuitäten und Transformationen dieser Partei beleuchten.
Die Vorläufer: Von der KPD zur PDS
Der direkte Vorläufer der Partei Die Linke ist zweifellos die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Um die Wurzeln der PDS zu verstehen, müssen wir jedoch noch weiter zurückgehen, bis zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), der Staatspartei der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Die SED selbst entstand 1946 durch die Zwangsvereinigung von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone. Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), gegründet 1918/1919, spielte eine Schlüsselrolle in der Weimarer Republik und im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Ihre Ideologie war geprägt vom Marxismus-Leninismus, der jedoch im Laufe der Zeit in der DDR zu einem dogmatischen Staatssozialismus erstarrte.
Nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung stand die SED vor dem Aus. Sie benannte sich in PDS um und versuchte, sich von der Vergangenheit zu distanzieren. Dieser Prozess war jedoch alles andere als einfach und wurde von heftigen Debatten begleitet. Die PDS musste sich mit dem Erbe der SED auseinandersetzen, mit den Verbrechen des DDR-Regimes und mit der Frage, wie ein moderner, demokratischer Sozialismus aussehen könnte. Diese Auseinandersetzung prägte die PDS über Jahre hinweg und beeinflusste ihre programmatische Ausrichtung maßgeblich.
Die PDS: Ein schwieriger Neuanfang
Die PDS unter Lothar Bisky und später Gabi Zimmer versuchte, eine Brücke zwischen den alten Strukturen und neuen Ideen zu schlagen. Sie positionierte sich als Partei des sozialen Gewissens, die sich für die Belange der Ostdeutschen und der sozial Benachteiligten einsetzte. Die PDS profitierte von der Unzufriedenheit vieler Menschen mit den Folgen der Wiedervereinigung, insbesondere in den neuen Bundesländern, wo Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit weit verbreitet waren. Sie erreichte Wahlerfolge in Ostdeutschland, hatte aber Schwierigkeiten, in Westdeutschland Fuß zu fassen.
Ein zentrales Anliegen der PDS war die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Sozialismus. War der Sozialismus gescheitert? Oder gab es eine Zukunft für sozialistische Ideen im 21. Jahrhundert? Die PDS entwickelte ein Konzept des demokratischen Sozialismus, das auf den Werten der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Solidarität basierte. Sie betonte die Bedeutung von sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Nachhaltigkeit und einer friedlichen Außenpolitik.
Der Zusammenschluss: WASG und PDS werden Die Linke
Der eigentliche Gründungsprozess der Partei Die Linke ist eng mit dem Namen Oskar Lafontaine verbunden. Lafontaine, ein ehemaliger SPD-Ministerpräsident des Saarlandes und Bundesfinanzminister, trat 2005 aus der SPD aus und schloss sich der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) an. Die WASG war eine westdeutsche Partei, die sich vor allem aus Gewerkschaftern und enttäuschten SPD-Mitgliedern zusammensetzte. Sie kritisierte die neoliberalen Reformen der rot-grünen Bundesregierung unter Gerhard Schröder und forderte eine soziale Alternative.
Die WASG und die PDS erkannten, dass sie ähnliche Ziele verfolgten und dass ein Zusammenschluss ihre politische Schlagkraft erhöhen könnte. Sie beschlossen, bei der Bundestagswahl 2005 gemeinsam anzutreten. Dieses Bündnis, das unter dem Namen Die Linke.PDS firmierte, war ein großer Erfolg. Die Partei erreichte 8,7 Prozent der Stimmen und zog mit 54 Abgeordneten in den Bundestag ein.
Nach der Bundestagswahl 2005 beschlossen die WASG und die PDS, sich zu einer neuen Partei zu vereinigen. Der Gründungsparteitag der Partei Die Linke fand am 16. Juni 2007 in Berlin statt. Oskar Lafontaine und Lothar Bisky wurden zu gleichberechtigten Vorsitzenden gewählt. Die neue Partei vereinte die Stärken beider Vorgängerorganisationen: die PDS mit ihrer Verankerung in Ostdeutschland und die WASG mit ihrer westdeutschen Basis und ihrer gewerkschaftlichen Orientierung.
Die Gründungsdokumente und ihre Bedeutung
Die Gründungsdokumente der Partei Die Linke, insbesondere das Programm und die Satzung, spiegeln die Kompromisse und Auseinandersetzungen wider, die im Vorfeld des Zusammenschlusses geführt wurden. Das Programm betont die Bedeutung von sozialer Gerechtigkeit, Frieden und Demokratie. Es fordert eine Umverteilung des Reichtums, eine Stärkung der Gewerkschaften und eine friedliche Außenpolitik. Die Satzung regelt die interne Organisation der Partei und legt die Rechte und Pflichten der Mitglieder fest.
Die Gründungsdokumente sind nicht nur rechtliche Grundlagen der Partei, sondern auch Ausdruck ihrer politischen Identität. Sie definieren die Werte und Ziele, für die Die Linke steht. Sie sind ein wichtiger Bezugspunkt für die politische Arbeit der Partei und dienen als Grundlage für die Auseinandersetzung mit anderen politischen Kräften.
Die Linke heute: Herausforderungen und Perspektiven
Seit ihrer Gründung hat Die Linke eine wechselvolle Geschichte erlebt. Sie war Teil von Landesregierungen in verschiedenen Bundesländern und hat sich in der Bundespolitik als Oppositionspartei etabliert. Die Partei hat jedoch auch mit internen Konflikten und Wahlniederlagen zu kämpfen gehabt. Die Frage nach dem richtigen Kurs, nach der richtigen Balance zwischen sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Realität, bleibt eine ständige Herausforderung.
Die Linke steht vor großen Herausforderungen. Die soziale Ungleichheit in Deutschland nimmt zu, der Klimawandel bedroht die Lebensgrundlagen der Menschen und die Welt wird von Kriegen und Krisen erschüttert. Die Partei muss Antworten auf diese Fragen finden und überzeugende politische Lösungen anbieten. Sie muss ihre Anhängerschaft erweitern und neue Wählergruppen gewinnen. Sie muss zeigen, dass sie eine relevante politische Kraft ist, die die Zukunft Deutschlands mitgestalten kann.
Ein wesentlicher Aspekt der zukünftigen Entwicklung der Partei wird die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sein. Die kritische Reflexion der Vergangenheit, insbesondere der DDR-Vergangenheit, ist unerlässlich, um Glaubwürdigkeit zu gewinnen und Vertrauen aufzubauen. Die Linke muss sich klar von autoritären Tendenzen distanzieren und sich uneingeschränkt zu den Werten der Demokratie bekennen. Nur so kann sie eine Zukunftsperspektive für einen demokratischen Sozialismus entwickeln, der den Bedürfnissen der Menschen im 21. Jahrhundert gerecht wird.
Die Frage, wann Die Linke gegründet wurde, führt uns also zu einer umfassenden Analyse politischer Bewegungen, historischer Kontexte und ideologischer Auseinandersetzungen. Sie ist mehr als nur ein Datum; sie ist der Schlüssel zum Verständnis einer Partei, die sich selbst als Stimme der sozial Benachteiligten und als Verfechterin einer gerechteren Welt versteht. Das Erbe der Vergangenheit, die Herausforderungen der Gegenwart und die Visionen für die Zukunft prägen das Profil der Partei Die Linke und machen sie zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Parteienlandschaft.
