Was Bedeutet Gendern Einfach Erklärt
Herzlich willkommen in Deutschland! Vielleicht planst du gerade deinen Urlaub, eine Auswanderung oder einen kurzen Aufenthalt. Du freust dich darauf, Land und Leute kennenzulernen. Aber dann stolperst du über dieses Wort: "Gendern". Was bedeutet das eigentlich, und warum wird so viel darüber diskutiert? Keine Sorge, wir erklären es dir ganz einfach und ohne komplizierte Fachausdrücke.
Was ist "Gendern" überhaupt?
Gendern, oder geschlechtergerechte Sprache, ist der Versuch, in der deutschen Sprache alle Geschlechter sprachlich sichtbar zu machen. Das Ziel ist, niemanden auszuschließen oder zu benachteiligen, sondern eine inklusive und wertschätzende Kommunikation zu fördern. Im Deutschen ist es oft so, dass man mit einer männlichen Form ("Lehrer") automatisch alle meint, also Männer und Frauen. Kritiker sagen, dass das nicht wirklich inklusiv ist, weil Frauen sprachlich unsichtbar gemacht werden. Gendern soll das ändern.
Warum ist das wichtig?
Die Idee hinter dem Gendern ist, dass Sprache unsere Wahrnehmung beeinflusst. Wenn wir immer nur die männliche Form hören, könnten wir unbewusst denken, dass bestimmte Berufe oder Rollen eher von Männern ausgeübt werden. Geschlechtergerechte Sprache soll dazu beitragen, Stereotypen aufzubrechen und die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Es geht darum, alle Menschen anzusprechen und wertzuschätzen, unabhängig von ihrem Geschlecht.
Wie funktioniert das Gendern in der Praxis?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man im Deutschen gendern kann. Hier sind die häufigsten:
- Doppelnennung: Das ist die einfachste und verständlichste Methode. Man nennt einfach beide Geschlechter. Beispiel: "Lehrer und Lehrerinnen". Das ist klar und eindeutig, kann aber in längeren Texten etwas umständlich werden.
- Gendersternchen (*): Hier wird ein Sternchen in das Wort eingefügt. Beispiel: "Lehrer*innen". Das Sternchen soll Platzhalter für alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten sein, also nicht nur für Männer und Frauen, sondern auch für non-binäre Personen.
- Gender-Gap (_): Ähnlich wie beim Sternchen wird hier ein Unterstrich verwendet. Beispiel: "Lehrer_innen". Die Bedeutung ist dieselbe wie beim Sternchen.
- Gender-Doppelpunkt (:): Auch hier wird ein Zeichen verwendet, um alle Geschlechter einzubeziehen. Beispiel: "Lehrer:innen".
- Neutralere Formulierungen: Man kann versuchen, geschlechtsneutrale Formulierungen zu verwenden, die niemanden ausschließen. Beispiel: Statt "der Lehrer" sagt man "die Lehrkraft" oder "die Person, die unterrichtet".
Es gibt keine "richtige" oder "falsche" Art zu gendern. Wichtig ist, dass man sich bewusst mit dem Thema auseinandersetzt und eine Form wählt, die für einen selbst und für die jeweilige Situation passend ist.
Beispiele für gegenderte Sprache
Hier ein paar Beispiele, wie sich Sätze durch das Gendern verändern können:
- Ursprünglich: "Jeder Student muss sich anmelden." Gegendert: "Alle Studierenden müssen sich anmelden." (Neutralere Formulierung) oder "Jeder Student und jede Studentin muss sich anmelden." (Doppelnennung) oder "Jede*r Student*in muss sich anmelden." (Gendersternchen)
- Ursprünglich: "Die Ärzte empfehlen..." Gegendert: "Die Ärztinnen und Ärzte empfehlen..." (Doppelnennung) oder "Die Ärzt*innen empfehlen..." (Gendersternchen) oder "Das Ärzteteam empfiehlt..." (Neutralere Formulierung)
- Ursprünglich: "Der Kunde ist König." Gegendert: "Die Kundschaft ist König." (Neutralere Formulierung) oder "Die Kundin und der Kunde sind König." (Doppelnennung)
Wo begegnet man gegenderter Sprache?
Gegenderte Sprache begegnet dir in Deutschland immer häufiger. Vor allem in:
- Behörden und öffentlichen Einrichtungen: Viele Behörden und Universitäten haben Richtlinien für geschlechtergerechte Sprache.
- Medien: Einige Zeitungen, Fernsehsender und Radiostationen verwenden gegenderte Sprache.
- Unternehmen: Immer mehr Unternehmen legen Wert auf inklusive Kommunikation und gendern in ihren Stellenausschreibungen und internen Dokumenten.
- Universitäten: In vielen Vorlesungen und Seminaren wird gegendert gesprochen.
- Alltag: Auch im privaten Bereich nutzen immer mehr Menschen gegenderte Sprache.
Kontroversen und Kritik am Gendern
Das Gendern ist in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Es gibt viele Befürworter, aber auch Kritiker. Die Kritikpunkte sind vielfältig:
- Verständlichkeit: Viele Menschen finden gegenderte Sprache kompliziert und schwer verständlich. Vor allem das Gendersternchen oder der Gender-Gap können den Lesefluss stören.
- Grammatik: Einige Kritiker argumentieren, dass das Gendern gegen die Regeln der deutschen Grammatik verstößt.
- Ästhetik: Manche Menschen finden gegenderte Sprache einfach unschön und künstlich.
- Notwendigkeit: Es gibt auch die Meinung, dass das Gendern nicht notwendig ist, weil die männliche Form im Deutschen traditionell als generisches Maskulinum gilt, das alle Geschlechter einschließt.
- Ablenkung von wichtigeren Themen: Kritiker argumentieren, dass die Diskussion um das Gendern von wichtigeren Themen der Gleichstellung ablenkt, wie beispielsweise gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder die Bekämpfung von Diskriminierung.
Es ist wichtig zu wissen, dass es bei diesem Thema kein richtig oder falsch gibt. Es geht darum, seine eigene Haltung zu finden und respektvoll mit anderen Meinungen umzugehen.
Was bedeutet das für dich als Tourist oder Expat?
Als Tourist oder Expat musst du nicht unbedingt selbst gendern. Es ist aber gut zu wissen, was es bedeutet, wenn du es irgendwo liest oder hörst. Wenn du dich unsicher fühlst, kannst du einfach die Doppelnennung verwenden ("Lehrer und Lehrerinnen"). Das ist meistens verständlich und wird in der Regel akzeptiert.
Wichtig: Vermeide es, dich über gegenderte Sprache lustig zu machen oder sie abwertend zu kommentieren. Das kann in Deutschland als respektlos wahrgenommen werden. Sei einfach offen und neugierig, dann wirst du dich schnell zurechtfinden.
Tipps für den Umgang mit gegenderter Sprache
- Sei offen und neugierig: Versuche, dich mit dem Thema auseinanderzusetzen und verschiedene Meinungen kennenzulernen.
- Frag nach: Wenn du etwas nicht verstehst, scheue dich nicht, nachzufragen. Die meisten Menschen sind gerne bereit, es dir zu erklären.
- Respektiere andere Meinungen: Auch wenn du selbst nicht genderst, solltest du die Entscheidung anderer Menschen respektieren, dies zu tun.
- Achte auf den Kontext: In manchen Situationen ist gegenderte Sprache üblicher als in anderen.
- Sei authentisch: Wähle eine Form der Sprache, mit der du dich wohlfühlst.
Wir hoffen, dieser kleine Einblick in die Welt des Genderns hat dir geholfen. Genieße deinen Aufenthalt in Deutschland und lass dich von der Vielfalt der Sprache und Kultur inspirieren! Und denk daran: Sprache ist immer im Wandel. Viel Spaß beim Entdecken!
