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Was Ist Ein Bürgerliches Trauerspiel


Was Ist Ein Bürgerliches Trauerspiel

Das bürgerliche Trauerspiel ist ein bedeutendes Genre der deutschsprachigen Literaturgeschichte, das sich im 18. Jahrhundert entwickelte. Es markiert eine Abkehr von den traditionellen Formen der Tragödie, die sich vornehmlich mit Schicksalen von Adeligen und Herrschern befassten. Stattdessen rückt das bürgerliche Trauerspiel die Probleme und Konflikte des Bürgertums in den Mittelpunkt. Um dieses Genre und seine Bedeutung vollständig zu verstehen, ist es notwendig, seine historischen Wurzeln, seine charakteristischen Merkmale und seine einflussreichen Vertreter zu betrachten.

Historischer Kontext und Entstehung

Das 18. Jahrhundert war eine Zeit des Umbruchs in Europa. Die Aufklärung brachte neue Ideen über Vernunft, Individualismus und die Rechte des Menschen hervor. Das Bürgertum, das durch Handel und Gewerbe zu wirtschaftlicher Stärke gelangt war, forderte zunehmend politische und soziale Teilhabe. Die traditionellen gesellschaftlichen Strukturen, die von Adel und Klerus dominiert wurden, gerieten ins Wanken. In dieser Atmosphäre entstand der Wunsch nach einer neuen Art von Drama, das die Lebenswirklichkeit des Bürgertums widerspiegelte und seine Werte und Ideale feierte.

Die klassische Tragödie, die sich an den Vorbildern der griechischen und römischen Antike orientierte, erschien dem aufstrebenden Bürgertum als irrelevant. Sie thematisierte in der Regel die Schicksale von Königen und Helden, deren Probleme und Konflikte für das bürgerliche Publikum kaum nachvollziehbar waren. Das bürgerliche Trauerspiel hingegen wollte eine realistischere Darstellung der menschlichen Natur bieten und die alltäglichen Sorgen und Nöte des Bürgertums auf die Bühne bringen.

Ein wichtiger Vorläufer des bürgerlichen Trauerspiels war das englische domestic tragedy, das bereits im 17. Jahrhundert entstanden war. Dramen wie "Arden of Faversham" behandelten Verbrechen und Konflikte innerhalb bürgerlicher Familien und übten einen großen Einfluss auf die Entwicklung des deutschen bürgerlichen Trauerspiels aus.

Charakteristische Merkmale

Das bürgerliche Trauerspiel weist eine Reihe von charakteristischen Merkmalen auf, die es von der klassischen Tragödie unterscheiden:

Protagonisten aus dem Bürgertum

Die Hauptfiguren sind keine Könige oder Helden, sondern Bürgerliche, oft Kaufleute, Handwerker, Gelehrte oder Familienväter. Ihre Konflikte entstehen aus den Bedingungen ihres bürgerlichen Lebens, wie etwa finanzielle Schwierigkeiten, familiäre Zwiste oder gesellschaftliche Ungerechtigkeit.

Alltägliche Sprache und Milieu

Die Sprache ist weniger pathetisch und rhetorisch als in der klassischen Tragödie. Sie ist an die Umgangssprache des Bürgertums angelehnt und soll die Realität möglichst authentisch widerspiegeln. Auch das Bühnenbild und die Inszenierung sind darauf ausgerichtet, ein realistisches Bild des bürgerlichen Lebens zu vermitteln.

Moralische Konflikte

Im Zentrum des bürgerlichen Trauerspiels stehen oft moralische Konflikte, die aus dem Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Ordnung entstehen. Die Figuren müssen sich zwischen ihren persönlichen Wünschen und Pflichten entscheiden, was häufig zu tragischen Konsequenzen führt.

Kritik an gesellschaftlichen Missständen

Viele bürgerliche Trauerspiele üben Kritik an den gesellschaftlichen Missständen ihrer Zeit. Sie prangern die Ungleichheit zwischen Adel und Bürgertum, die Willkür der Herrschenden und die Doppelmoral der Gesellschaft an.

Affekt und Rührung

Das bürgerliche Trauerspiel setzt stark auf die Erzeugung von Affekt und Rührung beim Publikum. Es will die Zuschauer emotional berühren und sie dazu anregen, über die dargestellten Probleme und Konflikte nachzudenken. Dabei werden oft Mittel wie das Mitleid mit den Leidenden und die Empörung über die Ungerechtigkeit eingesetzt.

Bedeutende Vertreter und Werke

Es gibt eine Reihe von bedeutenden Vertretern und Werken des bürgerlichen Trauerspiels, die bis heute einen festen Platz in der deutschen Literaturgeschichte haben:

Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) gilt als einer der wichtigsten Begründer des bürgerlichen Trauerspiels in Deutschland. Sein Drama "Miss Sara Sampson" (1755) wird oft als das erste genuine bürgerliche Trauerspiel angesehen. Es erzählt die Geschichte einer bürgerlichen Frau, die von einem Adeligen verführt und verlassen wird. Lessings "Emilia Galotti" (1772) ist ein weiteres bedeutendes Werk, das die Willkürherrschaft eines Fürsten und die Ohnmacht des Bürgertums thematisiert. Lessings Stücke zeichnen sich durch ihre psychologische Tiefe und ihre moralische Reflexion aus.

"Geh! und sage deinem Fürsten, dass er das Rechte tun soll; ehe er es tut, soll er nichts von meinen Tugenden hören." - Emilia Galotti, Gotthold Ephraim Lessing

Friedrich Schiller

Friedrich Schiller (1759-1805) trug ebenfalls zur Entwicklung des bürgerlichen Trauerspiels bei. Sein Drama "Kabale und Liebe" (1784) ist ein eindringliches Beispiel für die Kritik an der Ständegesellschaft und die unüberwindlichen Hindernisse, die einer Liebe zwischen einer Bürgerlichen und einem Adeligen im Wege stehen. Das Stück thematisiert die Intrigen am Hofe eines Fürsten und die Korruption der herrschenden Klasse.

"Ein ganzes Jahrhundert der Geisteskultur ist nichts wert, wenn es nicht das Herz des Menschen hebt." - Friedrich Schiller

Jakob Michael Reinhold Lenz

Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) war ein Vertreter des Sturm und Drang, einer literarischen Bewegung, die sich gegen die Aufklärung und den Rationalismus wandte. Sein Drama "Der Hofmeister" (1774) ist eine satirische Darstellung der Zustände an den Höfen und in den bürgerlichen Familien seiner Zeit. Lenz' Stücke sind oft fragmentarisch und experimentell, aber sie zeugen von einer großen Originalität und einem scharfen Blick für die menschlichen Schwächen.

Heinrich Leopold Wagner

Heinrich Leopold Wagner (1747-1779) schrieb mit "Die Kindermörderin" (1776) ein weiteres wichtiges Werk des Sturm und Drang. Das Stück thematisiert die soziale Not und die moralische Verzweiflung eines jungen Mädchens, das unehelich schwanger wird und ihr Kind tötet. Wagners Drama ist ein erschütterndes Zeugnis für die schwierigen Lebensbedingungen der unteren Schichten im 18. Jahrhundert.

Bedeutung und Nachwirkung

Das bürgerliche Trauerspiel hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Literatur und des Theaters. Es trug dazu bei, das Bürgertum als eine eigenständige soziale und kulturelle Kraft zu etablieren und seine Werte und Ideale zu verbreiten. Es bereitete den Boden für die Entwicklung des Realismus im 19. Jahrhundert, der sich ebenfalls mit den Problemen und Konflikten des bürgerlichen Lebens auseinandersetzte.

Darüber hinaus hat das bürgerliche Trauerspiel die deutsche Sprachentwicklung beeinflusst. Durch die Verwendung einer alltagsnahen und verständlichen Sprache trug es zur Popularisierung der deutschen Sprache und zur Entstehung einer bürgerlichen Literatursprache bei.

Auch heute noch werden bürgerliche Trauerspiele auf den Bühnen gespielt und im Unterricht behandelt. Sie sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Kulturerbes und bieten uns einen Einblick in die Lebenswelt und die Wertvorstellungen des Bürgertums im 18. Jahrhundert. Sie regen uns dazu an, über die moralischen Fragen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit nachzudenken und uns für eine gerechtere und humanere Welt einzusetzen.

Das Verständnis des bürgerlichen Trauerspiels ermöglicht es, die Entwicklung des modernen Dramas und die Entstehung einer bürgerlichen Öffentlichkeit besser zu verstehen. Es ist ein Spiegelbild einer Zeit des Umbruchs und der Veränderung, in der das Bürgertum begann, seine Stimme zu erheben und seine Rechte einzufordern.

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