Was Ist Eine Quatemberwoche
Habt ihr euch jemals gefragt, warum Oma immer so aufgeregt war, wenn der Frühling kam und sie plötzlich anfing, über "Quatember" zu reden? Kichernd erzählte sie dann von Fasten, Beten und ganz besonderen Messen, die in dieser Zeit stattfanden. Und ganz ehrlich, als Kind dachte ich immer, sie hätte sich einen neuen, komplizierten Namen für eine ihrer vielen Kuchenrezepte ausgedacht!
Die Wahrheit ist aber viel faszinierender – und ein bisschen überraschend. Die Quatemberwoche, oder auch Quatembertage, sind nämlich eine alte kirchliche Tradition, die sich wie ein bunter Faden durch das Kirchenjahr zieht. Sie sind nicht nur eine Woche im Jahr, sondern gleich vier! Und sie markieren jeweils den Beginn einer neuen Jahreszeit: Frühling, Sommer, Herbst und Winter.
Jetzt kommt der lustige Teil: Die genauen Termine sind nicht immer auf Anhieb zu finden. Es ist ein bisschen wie Schatzsuche! Aber im Grunde genommen fallen die Quatembertage auf den Mittwoch, Freitag und Samstag nach einem bestimmten Fest im Kirchenjahr. Merkt euch: Immer nach einem Fest! Das macht die ganze Sache irgendwie festlicher, oder?
Also, wann genau sind diese Quatemberwochen?
Hier eine kleine Spickzettel, damit ihr nicht so ratlos dasteht wie ich als Kind:
Frühling:
Nach Aschermittwoch. Genau, mitten in der Fastenzeit. Vielleicht hat Oma deshalb so viel über Verzicht geredet?
Sommer:
Nach Pfingsten. Die Zeit, in der die Natur in voller Blüte steht und man am liebsten draußen wäre. Beten im Liegestuhl? Vielleicht ein Kompromiss?
Herbst:
Nach Kreuzerhöhung (14. September). Wenn die Blätter fallen und die Luft klarer wird. Die perfekte Zeit für Besinnung, bevor der Winter kommt.
Winter:
Nach dem Fest der heiligen Lucia (13. Dezember). Kurz vor Weihnachten, wenn die Vorfreude steigt und überall Lichter leuchten. Eine stille Zeit, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Aber was passierte denn nun in diesen Quatemberwochen? Nun, es war eine Zeit der inneren Einkehr, des Gebets und des Fastens. Man sollte sich auf das Wesentliche besinnen und sich auf die kommende Jahreszeit vorbereiten. Und natürlich wurde in den Gottesdiensten besonders intensiv für die Anliegen der Kirche gebetet.
Mehr als nur Beten und Fasten
Die Quatemberwoche war aber auch eine Zeit der ***Berufung***. Früher wurden in dieser Zeit oft Priester geweiht. Es war also eine Zeit der Entscheidung und des Neubeginns, sowohl für die Einzelnen als auch für die Gemeinschaft. Man kann sich das wie eine spirituelle Inventur vorstellen: Was ist wichtig? Wo will ich hin? Was muss ich loslassen?
Und jetzt kommt der Clou: In vielen Gegenden war es auch üblich, die Quatemberwochen für bestimmte Arbeiten zu nutzen. Die Bauern richteten sich nach den Jahreszeiten und wussten genau, wann sie was säen und ernten mussten. Die Handwerker nutzten die Zeit, um ihre Werkzeuge zu warten und sich auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten.
Man kann sagen, die Quatemberwochen waren eine Art natürlicher Rhythmusgeber für das Leben der Menschen. Sie halfen ihnen, im Einklang mit der Natur und mit ihrem Glauben zu leben.
"Die Quatembertage sind eine Einladung, innezuhalten und sich auf das Wesentliche zu besinnen."
Heutzutage sind die Quatemberwochen vielleicht nicht mehr so präsent wie früher. Aber die Idee dahinter ist immer noch aktuell. In unserer schnelllebigen Zeit tut es gut, sich bewusst Zeit zu nehmen, um zur Ruhe zu kommen, über das Leben nachzudenken und neue Kraft zu schöpfen.
Also, das nächste Mal, wenn Oma anfängt, über Quatember zu reden, lächelt ihr und wisst, dass sie nicht nur über ein kompliziertes Kuchenrezept spricht, sondern über eine alte Tradition, die uns daran erinnert, wie wichtig es ist, im Einklang mit der Natur, dem Glauben und uns selbst zu leben. Und wer weiß, vielleicht entdeckt ihr ja sogar euren eigenen, modernen Weg, die Quatemberwochen für euch zu nutzen.
Vielleicht ein bisschen bewusster essen, mehr Zeit in der Natur verbringen, oder einfach mal wieder ein gutes Gespräch mit einem lieben Menschen führen. Lasst euch inspirieren und macht das Beste daraus! Und wer weiß, vielleicht backt ihr ja sogar einen Kuchen – ganz im Geiste von Oma.
