Was Ist Gestern Für Eine Wortart
Die Frage nach der Wortart von "gestern" mag auf den ersten Blick trivial erscheinen. Doch wie so oft in der Linguistik, offenbart eine genauere Betrachtung eine faszinierende Komplexität und führt uns zu einem tieferen Verständnis der Funktion und Flexibilität der deutschen Sprache. Eine Ausstellung, die sich dieser kleinen, aber feinen Frage widmet, würde nicht nur grammatische Grundlagen vermitteln, sondern auch zu einem spielerischen Umgang mit Sprache anregen.
Ausstellungskonzept: "Gestern" – Eine Zeitreise durch die Wortarten
Eine solche Ausstellung könnte den Titel tragen: "Gestern – Eine Zeitreise durch die Wortarten". Der Name deutet bereits an, dass die Reise durch die verschiedenen grammatischen Kategorien im Zentrum steht. Dabei wird "gestern" als exhibit zero betrachtet, als Ausgangspunkt, von dem aus sich die verschiedenen Facetten der deutschen Grammatik erschließen lassen.
Exhibit 1: "Gestern" als Adverb
Der erste Ausstellungsbereich widmet sich der häufigsten Verwendung von "gestern": als Adverb der Zeit. Hier werden zahlreiche Beispielsätze präsentiert, die die adverbiale Funktion von "gestern" illustrieren: "Gestern war ich im Museum.", "Wir haben gestern den Dom besichtigt." Interaktive Elemente ermöglichen es den Besuchern, eigene Sätze zu bilden und die syntaktische Rolle von "gestern" zu erkennen. Eine animierte Zeitleiste visualisiert den Bezug von "gestern" zur Gegenwart und Zukunft, wodurch die Bedeutung als temporale Angabe verdeutlicht wird.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf den verschiedenen Arten von Adverbien: Temporaladverbien, Lokaladverbien, Modaladverbien und Kausaladverbien. Durch den Vergleich mit anderen Temporaladverbien wie "heute", "morgen" und "vorgestern" wird das spezifische Bedeutungsspektrum von "gestern" hervorgehoben.
Exhibit 2: "Gestern" im Kontext: Temporaladverbiale Bestimmungen
Dieser Bereich vertieft das Verständnis für die adverbiale Funktion von "gestern" durch die Betrachtung der Temporaladverbiale. Hier wird erklärt, wie "gestern" als Teil einer größeren temporalen Bestimmung fungieren kann, beispielsweise in Wendungen wie "gestern Abend" oder "gestern Nachmittag". Es wird gezeigt, wie diese Wendungen die zeitliche Präzision der Aussage erhöhen und welche stilistischen Unterschiede zwischen der Verwendung von "gestern" allein und in Kombination mit anderen temporalen Elementen bestehen. Interaktive Übungen laden die Besucher ein, komplexe Sätze zu analysieren und die Temporaladverbiale zu identifizieren.
"Die Sprache ist der Schlüssel zur Welt, und Grammatik ist der Schlüssel zur Sprache."
Exhibit 3: "Gestern" als Teil anderer Wortarten
Dieser Ausstellungsbereich ist der überraschendste und vielleicht lehrreichste. Er zeigt, dass "gestern" in seltenen Fällen auch als Teil anderer Wortarten auftreten kann. Zum Beispiel: "Das Gestern ist vorbei". Hier fungiert "gestern" als Substantivierung eines Adverbs. Die Ausstellung beleuchtet, wie durch die Substantivierung eine abstrakte Zeitangabe zu einem konkreten Gegenstand oder Konzept wird. Die grammatischen Regeln, die für Substantive gelten, wie z.B. die Deklination und die Verwendung von Artikeln, werden anschaulich erklärt.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Verwendung von "gestern" in Komposita. Wörter wie "Gesternabend" oder "Gesternausgabe" zeigen, wie "gestern" als Bestandteil eines neuen Wortes fungieren kann. Die Ausstellung erklärt die Regeln der Kompositabildung im Deutschen und zeigt, wie die Bedeutung des Kompositums sich aus den Bedeutungen seiner Bestandteile zusammensetzt.
Exhibit 4: "Gestern" in der Literatur und im Alltag
Dieser Bereich widmet sich dem ästhetischen Wert von "gestern". Zitate aus der Literatur, Gedichte und Liedtexte illustrieren, wie "gestern" in der Kunst verwendet wird, um Nostalgie, Erinnerung und Vergänglichkeit auszudrücken. Ein interaktives Terminal ermöglicht es den Besuchern, eigene kreative Texte zu verfassen, in denen "gestern" eine zentrale Rolle spielt. Es wird auch gezeigt, wie "gestern" in idiomatischen Wendungen und Redewendungen verwendet wird, beispielsweise in Ausdrücken wie "von gestern sein" oder "das ist Schnee von gestern".
Der Bereich beleuchtet auch, wie sich die Verwendung von "gestern" im Laufe der Zeit verändert hat. Historische Texte und Sprachaufnahmen zeigen, wie sich die Bedeutung und die stilistische Verwendung von "gestern" im Laufe der Jahrhunderte entwickelt haben.
Exhibit 5: "Gestern" im Vergleich: Sprachübergreifende Perspektiven
Um das Verständnis für die spezifische Funktion von "gestern" im Deutschen zu vertiefen, vergleicht dieser Bereich die Verwendung von "gestern" mit ähnlichen Wörtern in anderen Sprachen. Beispiele aus dem Englischen ("yesterday"), Französischen ("hier"), Spanischen ("ayer") und Italienischen ("ieri") zeigen, wie unterschiedliche Sprachen das Konzept der vergangenen Zeit ausdrücken. Es werden auch die grammatischen Unterschiede zwischen den Sprachen analysiert, beispielsweise die unterschiedliche Verwendung von Präpositionen und Artikeln in temporalen Wendungen.
Didaktischer Ansatz und Besucherfreundlichkeit
Die Ausstellung soll nicht nur informativ, sondern auch interaktiv und unterhaltsam sein. Ein wichtiger didaktischer Ansatz ist das entdeckende Lernen. Die Besucher sollen durch spielerische Übungen, interaktive Terminals und Quizfragen selbstständig die grammatischen Regeln und die Bedeutung von "gestern" erkunden können. Die Ausstellung richtet sich an ein breites Publikum, von Schülern und Studenten bis hin zu Sprachinteressierten jeden Alters. Die Sprache ist einfach und verständlich, und die komplexeren grammatischen Konzepte werden durch anschauliche Beispiele und Visualisierungen erklärt.
Ein wichtiger Aspekt der Besucherfreundlichkeit ist die Barrierefreiheit. Die Ausstellung soll für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zugänglich sein. Es werden Führungen in Gebärdensprache angeboten, und die Texte und Grafiken sind auch für Menschen mit Sehbehinderung geeignet. Die interaktiven Terminals sind höhenverstellbar und für Rollstuhlfahrer zugänglich.
Fazit
Eine Ausstellung über die Wortart von "gestern" mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Doch sie bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Komplexität und Flexibilität der deutschen Sprache zu erkunden. Durch die spielerische Auseinandersetzung mit einem scheinbar einfachen Wort können die Besucher ein tieferes Verständnis für die grammatischen Grundlagen und die ästhetischen Möglichkeiten der Sprache entwickeln. Die Ausstellung ist nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltsam und regt zum Nachdenken über die Bedeutung von Sprache in unserem Alltag an. Sie ist ein Plädoyer für eine bewusste und kreative Auseinandersetzung mit den Wörtern, die uns umgeben – auch mit den vermeintlich kleinen und unscheinbaren wie "gestern". Denn im scheinbar Einfachen liegt oft die größte Tiefe.
