Was Ist Unter Formschlüssiger Sicherung Der Ladung Zu Verstehen
Die korrekte Ladungssicherung ist in Deutschland ein wichtiges Thema, sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen. Eine der zwei Hauptmethoden der Ladungssicherung ist die formschlüssige Ladungssicherung, die im Gegensatz zur kraftschlüssigen Ladungssicherung steht. Dieser Artikel erklärt, was unter formschlüssiger Ladungssicherung zu verstehen ist, welche Methoden es gibt und worauf man achten muss.
Was bedeutet formschlüssige Ladungssicherung?
Die formschlüssige Ladungssicherung, manchmal auch Formschluss genannt, ist eine Methode, um die Bewegung der Ladung während des Transports zu verhindern, indem die Ladung direkt an den Laderaumbegrenzungen anliegt. Im Wesentlichen wird die Ladung so positioniert und fixiert, dass sie sich aufgrund der Beschleunigungskräfte, die beim Bremsen, Beschleunigen oder Kurvenfahren auftreten, nicht bewegen kann. Anders ausgedrückt: Die Ladung wird "formschlüssig" am Verrutschen gehindert, indem sie an stabilen Begrenzungen anliegt oder in entsprechenden Vorrichtungen fixiert wird.
Der Unterschied zur kraftschlüssigen Ladungssicherung liegt darin, dass bei der kraftschlüssigen Sicherung die Ladung durch Erhöhung der Reibungskraft zwischen Ladung und Ladefläche gesichert wird, beispielsweise durch das Niederzurren mit Gurten. Bei der formschlüssigen Sicherung hingegen wird die Bewegung der Ladung *direkt* durch die Begrenzungen des Laderaums oder spezielle Hilfsmittel verhindert.
Methoden der formschlüssigen Ladungssicherung
Es gibt verschiedene Methoden, um die formschlüssige Ladungssicherung zu erreichen. Die Wahl der geeigneten Methode hängt von der Art der Ladung, den Abmessungen des Laderaums und den verfügbaren Hilfsmitteln ab. Hier sind einige gängige Beispiele:
Direkter Formschluss
Beim direkten Formschluss wird die Ladung unmittelbar an die Laderaumbegrenzungen (z.B. Bordwände, Stirnwände, Rungen) angelegt. Die Ladung muss dabei lückenlos anliegen, um jegliche Bewegung zu verhindern. Dieser Ansatz ist besonders effektiv, wenn die Ladung eine gleichmäßige Form hat und gut an die Ladefläche angepasst werden kann. Beispiele hierfür sind:
- Transport von Paletten, die bündig aneinander und an den Bordwänden stehen.
- Beförderung von Rohren oder Stangen in speziellen Mulden oder Rungenpaaren.
- Transport von Baustoffen, die direkt an der Stirnwand des Fahrzeugs gestapelt werden.
Indirekter Formschluss
Beim indirekten Formschluss werden Hilfsmittel eingesetzt, um den Formschluss herzustellen. Diese Hilfsmittel füllen die Lücken zwischen der Ladung und den Laderaumbegrenzungen aus und verhindern so die Bewegung. Einige Beispiele sind:
- Stauholz: Holzkeile oder -balken werden verwendet, um Lücken zwischen der Ladung und den Bordwänden oder der Stirnwand auszufüllen.
- Füllmaterial: Luftkissen, Styropor oder andere Füllmaterialien werden verwendet, um Hohlräume zu schließen und die Ladung zu stabilisieren.
- Formanpassungsfähige Verpackungen: Verpackungen, die sich der Form der Ladung anpassen und diese sicher umschließen, tragen ebenfalls zum Formschluss bei.
- Sperrbalken: Verstellbare Balken, die zwischen den Wänden des Laderaums verspannt werden, um die Ladung zu fixieren.
Kombination aus direktem und indirektem Formschluss
Oft ist eine Kombination aus direktem und indirektem Formschluss die effektivste Methode. Beispielsweise können Paletten direkt aneinander stehen, aber zusätzlich mit Stauholz gesichert werden, um eventuelle Lücken auszugleichen und zusätzlichen Halt zu gewährleisten.
Spezielle Ladehilfsmittel
Für bestimmte Arten von Ladung gibt es spezielle Ladehilfsmittel, die den Formschluss unterstützen. Dazu gehören:
- Rungen: Senkrechte Stützen, die an den Seiten der Ladefläche befestigt werden und verhindern, dass die Ladung seitlich verrutscht.
- Zurrschienen: Schienen, die in den Boden oder die Wände des Laderaums eingelassen sind und zur Befestigung von Zurrgurten dienen. Diese können in Kombination mit formschlüssiger Verladung verwendet werden, um die Ladung zusätzlich zu sichern.
- Palettenboxen: Boxen, die auf Paletten gestellt werden und die Ladung umschließen und schützen.
- Container: Standardisierte Behälter, die eine formschlüssige Ladungssicherung ermöglichen, da die Ladung innerhalb des Containers fixiert wird und der Container selbst formschlüssig auf dem Transportfahrzeug befestigt wird.
Worauf ist bei der formschlüssigen Ladungssicherung zu achten?
Eine korrekte formschlüssige Ladungssicherung erfordert sorgfältige Planung und Ausführung. Folgende Punkte sollten beachtet werden:
- Lückenlosigkeit: Die Ladung muss möglichst lückenlos an den Laderaumbegrenzungen oder den Hilfsmitteln anliegen. Auch kleine Bewegungsspielräume können dazu führen, dass sich die Ladung während der Fahrt verschiebt.
- Stabilität: Die Laderaumbegrenzungen (Bordwände, Stirnwand, Rungen) müssen ausreichend stabil sein, um den auftretenden Kräften standzuhalten. Beschädigte oder instabile Begrenzungen sind ungeeignet.
- Geeignete Hilfsmittel: Die verwendeten Hilfsmittel (Stauholz, Füllmaterial, etc.) müssen für die Art und das Gewicht der Ladung geeignet sein. Sie dürfen sich nicht verformen oder verrutschen.
- Sachgemäße Ausführung: Die Ladung muss sorgfältig gestapelt und gesichert werden. Das Personal, das die Ladungssicherung durchführt, muss ausreichend geschult sein.
- Überprüfung: Die Ladungssicherung muss vor Fahrtantritt und in regelmäßigen Abständen während der Fahrt überprüft werden. Eventuelle Mängel müssen sofort behoben werden.
- Berücksichtigung der Fahrzeugbeschaffenheit: Die Beschaffenheit des Fahrzeugs spielt eine Rolle. Sind beispielsweise die Bordwände ausreichend hoch? Sind ausreichend Zurrpunkte vorhanden?
Rechtliche Grundlagen
Die Ladungssicherung ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Die wichtigsten Gesetze und Verordnungen sind:
- Straßenverkehrsordnung (StVO): § 22 StVO schreibt vor, dass die Ladung so zu sichern ist, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann.
- Handelsgesetzbuch (HGB): § 412 HGB regelt die Verantwortlichkeit des Frachtführers für die ordnungsgemäße Ladungssicherung.
- Berufsgenossenschaftliche Vorschriften (BGV): Die BGV regeln die Sicherheit und den Gesundheitsschutz bei der Arbeit, einschließlich der Ladungssicherung.
- VDI 2700ff: Die VDI Richtlinienreihe 2700 beschreibt die Grundlagen und Methoden der Ladungssicherung.
Bei Verstößen gegen die Vorschriften zur Ladungssicherung drohen Bußgelder und Punkte in Flensburg. Im Falle eines Unfalls kann die mangelhafte Ladungssicherung auch strafrechtliche Konsequenzen haben.
Fazit
Die formschlüssige Ladungssicherung ist eine effektive Methode, um die Sicherheit von Ladung und Verkehrsteilnehmern zu gewährleisten. Sie beruht darauf, die Bewegung der Ladung durch direkten Kontakt mit den Laderaumbegrenzungen oder durch den Einsatz von Hilfsmitteln zu verhindern. Eine sorgfältige Planung, sachgemäße Ausführung und regelmäßige Überprüfung sind entscheidend für den Erfolg. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften ist obligatorisch, um Bußgelder und Unfälle zu vermeiden. Eine Kombination aus form- und kraftschlüssiger Ladungssicherung bietet oft die beste Lösung, um die Ladung optimal zu sichern. Es ist immer ratsam, sich vorab über die spezifischen Anforderungen und besten Praktiken für die jeweilige Art der Ladung zu informieren.
Sicherheit geht vor!
