Welche Länder Gehörten Zur Sowjetunion
Die Sowjetunion, offiziell die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), existierte von 1922 bis 1991. Es war ein riesiger, multinationaler Staat, der über ein Jahrhundert lang eine bedeutende Rolle in der Weltpolitik spielte. Für Neuankömmlinge in der Region oder für diejenigen, die sich für die Geschichte interessieren, ist es wichtig zu verstehen, welche Länder Teil dieser Union waren und wie sich ihre Zugehörigkeit gestaltete.
Die Gründungsmitglieder
Die Sowjetunion wurde im Dezember 1922 formell gegründet. Die ursprünglichen Gründungsmitglieder waren vier Sowjetrepubliken:
- Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR): Die größte und bevölkerungsreichste Republik, die den Kern des ehemaligen Russischen Reiches bildete. Moskau war ihre Hauptstadt und der Sitz der zentralen Regierung der UdSSR.
- Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (Ukrainische SSR): Die Ukraine hatte eine lange Geschichte und war von großer wirtschaftlicher Bedeutung, insbesondere durch ihre fruchtbaren Ackerböden. Kiew war ihre Hauptstadt.
- Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik (Belarussische SSR): Belarus, auch Weißrussland genannt, war eine Republik mit einer stark landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft. Minsk war ihre Hauptstadt.
- Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (TSFSR): Diese Republik umfasste die heutigen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien. Tiflis (heute Tbilissi) war die Hauptstadt der TSFSR. Diese Republik wurde 1936 aufgelöst, und die drei Einzelrepubliken wurden direkt in die UdSSR aufgenommen.
Die Beitrittsrepubliken
Im Laufe der Zeit traten weitere Republiken der Sowjetunion bei. Durch Annexion, politische Manöver und interne Veränderungen wuchs die UdSSR auf insgesamt 15 Republiken an. Es ist wichtig zu beachten, dass der Beitritt dieser Republiken oft unter Zwang erfolgte und die Souveränität der betroffenen Staaten eingeschränkt wurde.
Die Republiken, die bis 1940 beitraten:
- Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik (Turkmenische SSR): Gegründet 1924 aus Gebieten der Turkestanischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik. Hauptstadt war Aschgabat.
- Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik (Usbekische SSR): Ebenfalls 1924 gegründet aus Gebieten der Turkestanischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik und der Bucharischen Volksrepublik. Hauptstadt war Taschkent.
- Tadschikische Sozialistische Sowjetrepublik (Tadschikische SSR): Zunächst als Autonome Sowjetrepublik innerhalb der Usbekischen SSR gegründet, wurde sie 1929 zur eigenständigen Unionsrepublik. Hauptstadt war Duschanbe.
- Kasachische Sozialistische Sowjetrepublik (Kasachische SSR): Zunächst als Autonome Sowjetrepublik innerhalb der RSFSR gegründet, wurde sie 1936 zur Unionsrepublik. Hauptstadt war Alma-Ata (heute Almaty).
- Kirgisische Sozialistische Sowjetrepublik (Kirgisische SSR): Zunächst als Autonome Sowjetrepublik innerhalb der RSFSR gegründet, wurde sie 1936 zur Unionsrepublik. Hauptstadt war Frunse (heute Bischkek).
Die baltischen Staaten und Moldawien:
Die folgenden Republiken traten der UdSSR im Jahr 1940 bei, infolge des Hitler-Stalin-Pakts und der nachfolgenden sowjetischen Besetzung:
- Estnische Sozialistische Sowjetrepublik (Estnische SSR): Estland wurde im Juni 1940 besetzt und annektiert. Die Sowjetunion errichtete eine Marionettenregierung, die den Beitritt zur UdSSR "beantragte". Hauptstadt war Tallinn. Die Annexion wurde von vielen westlichen Staaten nie offiziell anerkannt.
- Lettische Sozialistische Sowjetrepublik (Lettische SSR): Ähnlich wie Estland wurde auch Lettland im Juni 1940 besetzt und annektiert. Eine pro-sowjetische Regierung wurde installiert, die den Beitritt zur UdSSR durchsetzte. Hauptstadt war Riga. Auch hier wurde die Annexion von vielen westlichen Staaten nicht anerkannt.
- Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (Litauische SSR): Litauen erlitt das gleiche Schicksal wie Estland und Lettland und wurde im Juni 1940 besetzt und annektiert. Vilnius war die Hauptstadt. Die Annexion Litauens wurde ebenfalls von vielen westlichen Staaten nicht anerkannt.
- Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik (Moldauische SSR): Die Moldauische SSR wurde durch die Annexion des Großteils Bessarabiens (das zuvor zu Rumänien gehörte) und eines Teils der Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (innerhalb der Ukrainischen SSR) gebildet. Hauptstadt war Kischinau (heute Chișinău).
Die Bedeutung der Unionsrepubliken
Die Unionsrepubliken waren formal gleichberechtigt und hatten das Recht, aus der UdSSR auszutreten, wie in der Sowjetischen Verfassung festgelegt. In der Praxis wurde dieses Recht jedoch stark eingeschränkt und kontrolliert. Die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) übte die tatsächliche Macht aus und die zentralen Institutionen in Moskau kontrollierten die Politik und Wirtschaft der Republiken.
Jede Republik hatte ihre eigene Verfassung, ihre eigene Regierung und ihre eigenen Symbole (Flagge, Wappen, Hymne). Die Republiken dienten auch als Verwaltungseinheiten für die Planung und Umsetzung der zentral gesteuerten Wirtschaft und Sozialpolitik.
Die Auflösung der Sowjetunion
In den späten 1980er Jahren führten politische und wirtschaftliche Reformen unter Michail Gorbatschow (Glasnost und Perestroika) zu wachsenden nationalistischen Bewegungen in den Unionsrepubliken. Die baltischen Staaten erklärten als erste ihre Unabhängigkeit im Jahr 1990. Im August 1991 scheiterte ein Putschversuch konservativer Kräfte innerhalb der KPdSU, der die Situation weiter destabilisierte. In den folgenden Monaten erklärten alle verbleibenden Republiken ihre Unabhängigkeit. Am 26. Dezember 1991 wurde die Sowjetunion offiziell aufgelöst.
Die Folgen der Auflösung
Die Auflösung der Sowjetunion führte zur Entstehung von 15 unabhängigen Staaten, die sich seitdem in unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Einige, wie die baltischen Staaten, haben sich erfolgreich in die Europäische Union und die NATO integriert. Andere, wie Russland, Belarus und die zentralasiatischen Staaten, haben engere Beziehungen untereinander beibehalten. Die Auflösung der UdSSR war ein tiefgreifender geopolitischer Wandel, der bis heute Auswirkungen auf die Weltpolitik hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sowjetunion aus folgenden 15 Republiken bestand:
- Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR)
- Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik (Ukrainische SSR)
- Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik (Belarussische SSR)
- Estnische Sozialistische Sowjetrepublik (Estnische SSR)
- Lettische Sozialistische Sowjetrepublik (Lettische SSR)
- Litauische Sozialistische Sowjetrepublik (Litauische SSR)
- Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik (Moldauische SSR)
- Georgische Sozialistische Sowjetrepublik (Georgische SSR)
- Armenische Sozialistische Sowjetrepublik (Armenische SSR)
- Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik (Aserbaidschanische SSR)
- Kasachische Sozialistische Sowjetrepublik (Kasachische SSR)
- Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik (Usbekische SSR)
- Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik (Turkmenische SSR)
- Kirgisische Sozialistische Sowjetrepublik (Kirgisische SSR)
- Tadschikische Sozialistische Sowjetrepublik (Tadschikische SSR)
Das Verständnis der Zusammensetzung der Sowjetunion ist entscheidend für das Verständnis der geopolitischen Landschaft Osteuropas und Zentralasiens. Die Geschichte, die Beziehungen und die Konflikte der Region sind eng mit der Vergangenheit der UdSSR verbunden.
Es ist wichtig zu bedenken, dass die Geschichte der Sowjetunion komplex und oft kontrovers ist. Es gibt unterschiedliche Perspektiven auf die Ereignisse und die Auswirkungen der sowjetischen Herrschaft. Dieser Artikel soll eine neutrale und informative Einführung in das Thema bieten.
