Welches Tier Gräbt Nachts Im Garten
Viele Gartenbesitzer wachen morgens auf und finden ihren geliebten Rasen oder ihre akribisch gepflegten Beete durchwühlt. Die Übeltäter sind oft nachtaktive Tiere, die auf der Suche nach Nahrung ihren Garten heimsuchen. Um effektiv gegen diese ungebetenen Gäste vorzugehen, ist es wichtig, sie zu identifizieren. Dieser Artikel soll Ihnen dabei helfen, die häufigsten nachtaktiven Gartenwühler in Deutschland zu erkennen und Ihnen praktische Tipps zur Abwehr geben.
Häufige Verdächtige: Die Liste der Gartenwühler
Die Liste der Tiere, die nachts im Garten graben, ist vielfältig. Die Art des Schadens und die geografische Lage können jedoch helfen, die Suche einzugrenzen.
Der Igel: Nützlicher Helfer mit kleinen Schwächen
Der Igel ist ein gern gesehener Gast im Garten, da er sich von Insekten, Schnecken und Würmern ernährt. Allerdings kann er bei der Suche nach Nahrung auch kleinere Löcher graben, besonders in weichem Boden oder unter Büschen. Die Löcher sind meist klein und unregelmäßig. Igel sind nachtaktiv und verbringen den Tag versteckt in Laubhaufen oder unter Sträuchern.
Erkennungsmerkmale: Kleine, unregelmäßige Löcher; Kot in Form kleiner, dunkler Würstchen; Rascheln im Laub.
Abwehrmaßnahmen: Igel sind geschützt und dürfen nicht vertrieben oder verletzt werden. Stattdessen können Sie ihm helfen, indem Sie ihm eine sichere Umgebung bieten (Laubhaufen, Reisighaufen) und ihn füttern (Katzenfutter, Igelfutter) – allerdings nur, wenn er geschwächt wirkt. Vermeiden Sie den Einsatz von Schneckenkorn, da dies auch Igel gefährden kann. Schützen Sie empfindliche Bereiche mit Drahtgeflecht.
Der Dachs: Der Kraftprotz unter den Gräbern
Der Dachs ist ein kräftiges Tier, das größere Schäden im Garten verursachen kann. Er gräbt nach Würmern, Insektenlarven und Mäusen. Seine Baue sind oft komplex und können mehrere Eingänge haben. Dachse sind scheu und meiden in der Regel den Kontakt zum Menschen.
Erkennungsmerkmale: Große Löcher (bis zu 20 cm Durchmesser); tiefe Gänge; aufgewühlte Erde; Fußabdrücke mit fünf Zehen.
Abwehrmaßnahmen: Es ist schwierig, Dachse vollständig aus dem Garten zu vertreiben, da sie sehr standorttreu sind. Lärm und intensive Gerüche (z.B. Hundehaare) können sie jedoch abschrecken. In der Nähe von Dachsbauen sollte man keine giftigen Substanzen einsetzen. Eine fachkundige Beratung durch einen Schädlingsbekämpfer oder das Forstamt ist ratsam.
Der Fuchs: Der clevere Jäger
Der Fuchs ist ein opportunistischer Jäger, der sich von Mäusen, Ratten, Vögeln und Insekten ernährt. Er kann auch im Garten nach Fressbarem suchen und dabei Löcher graben, besonders wenn er Beute vergraben hat oder nach Mäusen jagt. Füchse sind zunehmend in städtischen Gebieten anzutreffen.
Erkennungsmerkmale: Unregelmäßige Löcher; Kot mit Knochenresten und Haaren; geruchsintensive Markierungen; gesichtete Füchse.
Abwehrmaßnahmen: Vermeiden Sie offene Nahrungsquellen (Komposthaufen, Tierfutter). Verschließen Sie Mülltonnen gut. Ultraschallgeräte und Bewegungsmelder mit Licht können Füchse abschrecken. Das Anbringen von Hühnerdraht um gefährdete Bereiche (z.B. Geflügelstall) ist empfehlenswert. Füttern Sie Füchse niemals, da sie sonst die Scheu verlieren und den Garten regelmäßig aufsuchen.
Wühlmäuse und Feldmäuse: Kleine Nager, großer Schaden
Wühlmäuse und Feldmäuse sind kleine Nager, die sich von Wurzeln, Knollen und Zwiebeln ernähren. Sie graben unterirdische Gänge und können erhebliche Schäden an Pflanzen verursachen. Besonders in Gemüsebeeten und Ziergärten können sie zur Plage werden. Sie sind vorwiegend nachts aktiv.
Erkennungsmerkmale: Kleine Löcher mit einem Durchmesser von ca. 5-8 cm; flache Gänge unter der Erdoberfläche; angefressene Wurzeln und Knollen; welke Pflanzen.
Abwehrmaßnahmen: Das Einsetzen von Raubvogelstangen kann helfen, natürliche Fressfeinde anzulocken. Lebendfallen, die mit Ködern (z.B. Karottenstücke) bestückt werden, sind eine humane Methode, um die Nager zu fangen und an einem anderen Ort freizulassen. Das Ausbringen von Wühlmaus-Schutzdraht beim Pflanzen von Bäumen und Sträuchern schützt die Wurzeln. Auch das Pflanzen von Knoblauch und Kaiserkronen soll Wühlmäuse vertreiben.
Der Waschbär: Der Allesfresser
Der Waschbär ist ein anpassungsfähiger Allesfresser, der in städtischen Gebieten immer häufiger vorkommt. Er durchsucht Mülltonnen, Komposthaufen und Gärten nach Nahrung. Er kann auch Löcher graben, um an Insektenlarven oder Würmer zu gelangen. Waschbären sind sehr geschickt und können Zäune überwinden.
Erkennungsmerkmale: Aufgerissene Mülltonnen; umgestoßene Blumentöpfe; durchwühlte Komposthaufen; Fußabdrücke mit fünf Zehen (ähnlich menschlichen Händen).
Abwehrmaßnahmen: Sichern Sie Mülltonnen und Komposthaufen. Entfernen Sie Nahrungsquellen (z.B. heruntergefallenes Obst). Stachelige Pflanzen unter Fenstern und auf Mauern können das Klettern erschweren. Elektrische Zäune können ebenfalls wirksam sein, sind aber mit Vorsicht zu installieren. Füttern Sie Waschbären niemals.
Weitere mögliche Kandidaten
Neben den oben genannten Tieren können auch andere Arten für Grabaktivitäten im Garten verantwortlich sein:
- Maulwürfe: Obwohl sie sich hauptsächlich von Insekten ernähren, können ihre Hügel im Garten stören. Sie sind jedoch geschützt und dürfen nicht getötet werden.
- Ratten: Bei Rattenbefall ist es wichtig, schnell zu handeln und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Marder: Marder sind vor allem auf der Suche nach Unterschlupf, können aber auch im Garten nach Nahrung suchen.
- Wildschweine: In ländlichen Gebieten können Wildschweine erhebliche Schäden anrichten, indem sie den Boden aufwühlen.
Spurensicherung im Garten: So identifizieren Sie den Täter
Um den Verursacher der Grabaktivitäten zu identifizieren, ist eine sorgfältige Spurensicherung im Garten hilfreich:
- Größe und Form der Löcher: Kleine, unregelmäßige Löcher deuten eher auf Igel oder Mäuse hin, während große Löcher auf Dachse oder Füchse hindeuten können.
- Art der Grabung: Flache Gänge unter der Erdoberfläche sind typisch für Wühlmäuse. Tiefe Gänge und Erdhaufen deuten auf Dachse oder Maulwürfe hin.
- Fußabdrücke: Vergleichen Sie die gefundenen Fußabdrücke mit Bildern und Beschreibungen verschiedener Tierarten.
- Kot: Die Beschaffenheit und der Inhalt des Kots können Hinweise auf die Ernährung des Tieres geben.
- Geruch: Einige Tiere (z.B. Füchse) hinterlassen einen charakteristischen Geruch.
Prävention ist besser als Nachsorge: Tipps zur Vorbeugung
Um zu verhindern, dass Tiere Ihren Garten heimsuchen, können Sie folgende vorbeugende Maßnahmen ergreifen:
- Zäune: Ein stabiler Zaun kann viele Tiere davon abhalten, in den Garten einzudringen.
- Netze: Schützen Sie Beete und empfindliche Pflanzen mit Netzen.
- Regelmäßige Reinigung: Entfernen Sie heruntergefallenes Obst und Gemüse, um keine Tiere anzulocken.
- Kompostierung: Verwenden Sie geschlossene Komposter, um zu verhindern, dass Tiere an die organischen Abfälle gelangen.
- Natürliche Feinde fördern: Schaffen Sie Lebensräume für natürliche Feinde der Schädlinge (z.B. Vögel, Igel).
- Ultraschallgeräte: Ultraschallgeräte können einige Tiere abschrecken, sind aber nicht immer wirksam.
Wichtiger Hinweis: Rechtliche Aspekte beachten
Beachten Sie, dass viele Wildtiere in Deutschland unter Schutz stehen. Es ist verboten, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Informieren Sie sich über die geltenden Gesetze und Vorschriften in Ihrer Region, bevor Sie Maßnahmen zur Abwehr ergreifen. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an das zuständige Forstamt oder einen Schädlingsbekämpfer.
Indem Sie die oben genannten Informationen berücksichtigen und die Spuren im Garten richtig deuten, können Sie den Übeltäter identifizieren und geeignete Maßnahmen ergreifen, um Ihren Garten vor weiteren Schäden zu schützen. Denken Sie daran, dass ein tierfreundlicher Ansatz oft der effektivste ist und dazu beiträgt, das ökologische Gleichgewicht im Garten zu erhalten.
Wichtig: Bei Verdacht auf einen Rattenbefall oder bei erheblichen Schäden durch Wildschweine sollten Sie umgehend professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
