Wer Schrieb Romeo Und Julia
Wenn man über Romeo und Julia spricht, kommt man unweigerlich zu der Frage: Wer hat dieses weltberühmte Stück geschrieben? Die Antwort ist ebenso klar wie unumstößlich: William Shakespeare.
Allerdings ist die Geschichte hinter dem Werk komplexer als man zunächst vermuten mag. Shakespeare hat die Geschichte von Romeo und Julia nicht komplett erfunden. Stattdessen bediente er sich existierender Quellen und bearbeitete diese auf seine unnachahmliche Weise.
Die Quellen von Romeo und Julia
Um Shakespeares Werk wirklich zu verstehen, ist es wichtig, seine Quellen zu kennen. Die wichtigsten Vorlagen für Romeo und Julia waren:
Pyramus und Thisbe von Ovid
Die wohl älteste und einflussreichste Quelle ist die Geschichte von Pyramus und Thisbe, die im vierten Buch von Ovid's Metamorphosen erzählt wird. Diese Geschichte handelt von zwei Liebenden, die durch die Feindschaft ihrer Familien getrennt sind und heimlich miteinander kommunizieren. Durch ein tragisches Missverständnis begehen beide Selbstmord. Obwohl die Handlungselemente nicht identisch sind, finden sich deutliche Parallelen zur Geschichte von Romeo und Julia: die verbotene Liebe, die geheime Kommunikation und der tragische Ausgang durch Selbstmord.
Mariotto und Gianozza von Masuccio Salernitano
Im Jahr 1476 veröffentlichte der italienische Schriftsteller Masuccio Salernitano seine Sammlung von Novellen, Il Novellino. Darin enthalten ist die Geschichte von Mariotto und Gianozza, die bereits viele Elemente der späteren Romeo und Julia-Geschichte vorwegnimmt. Die Handlung spielt in Siena und handelt von zwei Liebenden, deren Liebe durch familiäre Rivalitäten erschwert wird. Mariotto wird verbannt und Gianozza täuscht ihren Tod vor, um ihrem Geliebten zu folgen. Auch hier kommt es zu einem Missverständnis, das zum Tod beider Liebenden führt. Diese Erzählung gilt als einer der wichtigsten Vorläufer von Romeo und Julia.
The Tragical History of Romeus and Juliet von Arthur Brooke
Die wahrscheinlich direkteste Quelle für Shakespeare war das Versepos The Tragical History of Romeus and Juliet von Arthur Brooke, veröffentlicht im Jahr 1562. Brooke übersetzte und bearbeitete eine französische Version von Salernitanos Geschichte. Brookes Version etablierte viele der heute bekannten Handlungselemente und Charaktere, darunter die Familienfehde der Montagues und Capulets, die Namen der Hauptfiguren und den Großteil der tragischen Ereignisse. Es ist wichtig zu betonen, dass Brooke sein Werk als eine moralische Warnung gegen Ungehorsam und heimliche Ehen konzipierte.
Palace of Pleasure von William Painter
Eine weitere wichtige Quelle war William Painters Sammlung von Geschichten, Palace of Pleasure, veröffentlicht zwischen 1566 und 1567. Painter nahm Brookes Versepos auf und präsentierte es als eine wahre Geschichte. Shakespeares Kenntnis von Painters Version trug vermutlich zur Gestaltung bestimmter Details und zur Betonung der Tragik bei.
Shakespeares Beitrag
Obwohl Shakespeare auf bestehenden Geschichten aufbaute, ist sein Beitrag zur Geschichte von Romeo und Julia immens. Er hat die Vorlagen nicht einfach nur kopiert, sondern sie dramatisch verbessert und mit seiner einzigartigen sprachlichen Brillanz und psychologischen Tiefe versehen. Shakespeares Romeo und Julia ist mehr als nur eine Nacherzählung einer alten Geschichte; es ist ein Meisterwerk der dramatischen Kunst.
Shakespeares Verbesserungen umfassen:
- Charakterentwicklung: Shakespeare verlieh den Charakteren Tiefe und Komplexität. Romeo und Julia sind nicht einfach nur Liebende, sondern vielschichtige Persönlichkeiten mit Stärken, Schwächen und inneren Konflikten. Auch die Nebenfiguren, wie Mercutio, Tybalt und die Amme, werden lebendig und tragen zur dramatischen Spannung bei.
- Sprache und Poesie: Shakespeares Sprache ist unübertroffen. Er verwendete Metaphern, Allegorien und rhetorische Figuren, um die Emotionen der Charaktere und die Tragik der Situation auszudrücken. Die berühmten Sonette und Dialoge sind ein Beweis für seine sprachliche Meisterschaft.
- Dramatische Struktur: Shakespeare straffte die Handlung und erhöhte die dramatische Spannung. Er konzentrierte sich auf die zentralen Konflikte und schuf eine fesselnde und mitreißende Geschichte.
- Themen: Shakespeare erweiterte die thematische Tiefe der Geschichte. Romeo und Julia behandelt nicht nur die Liebe, sondern auch Themen wie Hass, Gewalt, Schicksal, Freiheit und die Konflikte zwischen Generationen.
Shakespeare schuf aus einer bereits existierenden Geschichte ein zeitloses Werk, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt berührt. Er verstand es, die menschliche Natur in all ihren Facetten darzustellen und die universellen Themen von Liebe und Verlust auf eine Weise zu behandeln, die auch nach Jahrhunderten noch relevant ist.
Warum Shakespeare?
Die Frage, warum gerade Shakespeare Romeo und Julia schrieb, lässt sich nicht abschließend beantworten, aber es gibt einige plausible Gründe:
- Populäre Themen: Die Geschichte von verbotener Liebe und familiärer Feindschaft war im England des 16. Jahrhunderts ein beliebtes Thema. Shakespeare erkannte das Potenzial der Geschichte und wusste, wie er sie für sein Publikum attraktiv gestalten konnte.
- Dramatisches Talent: Shakespeare war ein Meister der Dramatik. Er verstand es, Geschichten zu erzählen, Charaktere zu entwickeln und Emotionen zu wecken. Romeo und Julia bot ihm die perfekte Gelegenheit, sein Talent unter Beweis zu stellen.
- Kommerzieller Erfolg: Shakespeare war auch ein Geschäftsmann. Er schrieb Stücke, um Geld zu verdienen. Romeo und Julia war ein großer Erfolg und trug wesentlich zu seinem Ruhm und Reichtum bei.
Romeo und Julia ist mehr als nur eine Liebesgeschichte. Es ist ein Meisterwerk der Weltliteratur, das von William Shakespeare geschrieben und durch seine Quellen inspiriert wurde. Seine einzigartige Fähigkeit, Charaktere zu entwickeln, Sprache zu verwenden und dramatische Spannung zu erzeugen, machte die Geschichte zu dem, was sie heute ist: ein zeitloser Klassiker.
Abschließend lässt sich sagen, dass während frühere Versionen die Grundlage für die Handlung legten, es Shakespeares Genie war, das Romeo und Julia in das unvergessliche und tiefgründige Werk verwandelte, das wir heute kennen und lieben. Es ist seine Version, die Bühnen der Welt erobert und die Herzen des Publikums seit Jahrhunderten bewegt.
"Doch still! Welch holder Strahl bricht dort herauf? Sie ist die Sonne! – Steig empor, du Sonne! Ermorde den neidischen Mond, der bleich und krank Vor Gram ist, dass du weit schöner bist als er." William Shakespeare, Romeo und Julia, Zweiter Aufzug, Zweite Szene
