Wer War Lenin Einfach Erklärt
Wenn man sich mit der Geschichte Russlands oder des 20. Jahrhunderts beschäftigt, stößt man unweigerlich auf den Namen Wladimir Iljitsch Lenin. Doch wer war dieser Lenin eigentlich, und warum ist er so wichtig? Dieser Artikel soll eine verständliche Erklärung liefern, die besonders für Neuankömmlinge in Deutschland oder Interessierte ohne Vorwissen geeignet ist.
Lenins Leben: Eine kurze Zusammenfassung
Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt als Lenin, wurde am 22. April 1870 in Simbirsk (heute Uljanowsk) in Russland geboren und starb am 21. Januar 1924 in Gorki Leninskije in der Nähe von Moskau. Er war ein russischer Revolutionär, kommunistischer Politiker und politischer Theoretiker. Lenin gilt als Gründer der Bolschewiki-Partei, als treibende Kraft hinter der Oktoberrevolution 1917 und als erster Regierungschef Sowjetrusslands, dem Vorläufer der Sowjetunion.
Frühe Jahre und Politisierung
Lenin stammte aus einer gebildeten Familie. Sein Vater war Schulinspektor, seine Mutter Lehrerin. Ein prägendes Ereignis für den jungen Wladimir war die Hinrichtung seines älteren Bruders Alexander im Jahr 1887. Alexander war in eine Verschwörung gegen Zar Alexander III. verwickelt. Dieses Ereignis radikalisierte Lenin und führte ihn zu marxistischen Ideen.
Lenin studierte Jura an der Universität Kasan, wurde aber wegen seiner politischen Aktivitäten exmatrikuliert. Er schloss sein Studium später extern ab und arbeitete kurzzeitig als Anwalt. Doch sein Hauptinteresse galt der politischen Theorie und der Organisation revolutionärer Gruppen.
Die Bolschewiki-Partei
In den frühen 1900er Jahren schloss sich Lenin der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) an. Diese Partei spaltete sich 1903 in zwei Fraktionen: die Bolschewiki (Mehrheitler) unter Lenins Führung und die Menschewiki (Minderheitler). Der Hauptunterschied zwischen den beiden Gruppen lag in ihrer Vorstellung von der Revolution. Die Bolschewiki unter Lenin glaubten an eine straff organisierte, elitäre Partei von Berufsrevolutionären, die die Revolution anführen sollte. Die Menschewiki befürworteten eine breitere, offenere Partei, die sich auf die spontane Initiative der Arbeiterklasse verließ.
Lenin entwickelte den Marxismus weiter und passte ihn an die russischen Verhältnisse an. Seine Theorie, der sogenannte Leninismus, argumentierte, dass der Kapitalismus in Russland, obwohl noch relativ schwach entwickelt, durch eine Revolution gestürzt werden könne, angeführt von einer Avantgarde von Revolutionären. Dies stand im Gegensatz zu der orthodoxen marxistischen Auffassung, dass eine kapitalistische Entwicklung notwendig sei, bevor eine sozialistische Revolution möglich sei.
Die Oktoberrevolution 1917
Die Oktoberrevolution (eigentlich November nach dem heutigen Kalender) im Jahr 1917 war das zentrale Ereignis in Lenins Leben und Wirken. Russland befand sich zu dieser Zeit im Ersten Weltkrieg und litt unter wirtschaftlicher Not, politischer Instabilität und Kriegsmüdigkeit. Die Februarrevolution im selben Jahr hatte den Zaren gestürzt und eine provisorische Regierung eingesetzt, die jedoch die Probleme des Landes nicht lösen konnte.
Lenin, der sich zu diesem Zeitpunkt im Exil befand, kehrte im April 1917 nach Russland zurück. Mit seinen Aprilthesen forderte er den sofortigen Frieden, die Enteignung des Großgrundbesitzes und die Übertragung der Macht an die Sowjets (Arbeiter- und Soldatenräte). Seine Parole "Frieden, Land und Brot" fand großen Anklang in der Bevölkerung.
Am 7. November (25. Oktober nach dem julianischen Kalender, der damals in Russland galt) stürzten die Bolschewiki unter Lenins Führung die provisorische Regierung in einem nahezu unblutigen Putsch. Sie übernahmen die Kontrolle über die strategischen Punkte in Petrograd (heute St. Petersburg) und erklärten die Sowjetmacht.
Die Sowjetmacht
Nach der Revolution wurde Lenin zum Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, der Regierung Sowjetrusslands. Er leitete eine Reihe von radikalen Maßnahmen ein, darunter:
- Friedensvertrag von Brest-Litowsk: Russland schloss Frieden mit Deutschland und Österreich-Ungarn, wodurch es große Gebiete verlor. Dieser Schritt war zwar umstritten, ermöglichte es Lenin aber, sich auf die Konsolidierung der Macht im Inneren zu konzentrieren.
- Nationalisierung von Banken, Industrie und Land: Die Kontrolle über die Wirtschaft wurde in die Hände des Staates gelegt.
- Einführung des Kriegskommunismus: Während des Bürgerkriegs (1918-1922) wurde eine extreme Form der Zentralplanung und Zwangsbewirtschaftung eingeführt, um die Versorgung der Roten Armee sicherzustellen.
- Gründung der Tscheka: Die Geheimpolizei wurde gegründet, um politische Gegner zu verfolgen und die Macht der Bolschewiki zu sichern.
Der Bürgerkrieg forderte Millionen von Todesopfern und führte zu Hunger und wirtschaftlichem Chaos. Um die Lage zu stabilisieren, führte Lenin 1921 die Neue Ökonomische Politik (NÖP) ein. Die NÖP erlaubte eine begrenzte Rückkehr zu marktwirtschaftlichen Elementen, insbesondere in der Landwirtschaft und im Kleinhandel. Dies führte zu einer gewissen wirtschaftlichen Erholung.
Lenins Vermächtnis
Lenin starb 1924 an den Folgen mehrerer Schlaganfälle. Sein Leichnam wurde einbalsamiert und im Lenin-Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau aufgebahrt. Er wurde zum Kultobjekt stilisiert und sein Name wurde zur Ikone des Kommunismus.
Lenins Vermächtnis ist äußerst umstritten. Einerseits wird er von vielen als Revolutionär gefeiert, der die Unterdrückten befreite und einen neuen Gesellschaftsordnung schuf. Andererseits wird er für seine autoritäre Herrschaft, die Gewalt und den Terror während des Bürgerkriegs und die Unterdrückung politischer Gegner kritisiert. Seine Politik legte den Grundstein für den Stalinismus, eine noch brutalere Form des Kommunismus.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Lenin war eine Schlüsselfigur der russischen Geschichte und des 20. Jahrhunderts. Er war ein brillanter Taktiker und Stratege, der die Bolschewiki an die Macht brachte und den ersten sozialistischen Staat der Welt gründete. Seine Ideen und Taten haben die Welt nachhaltig verändert, sowohl im Guten als auch im Schlechten. Das Verständnis seiner Rolle und seines Einflusses ist entscheidend für das Verständnis der modernen Geschichte.
Das Studium von Lenins Leben und Werk ist auch heute noch relevant, um die Komplexität revolutionärer Prozesse, die Gefahren des Totalitarismus und die Herausforderungen des Aufbaus einer gerechten Gesellschaft zu verstehen.
"Die Geschichte ist eine Waffe. Wer sie kontrolliert, kontrolliert die Zukunft." - Oft Lenin zugeschrieben, auch wenn die genaue Quelle unklar ist, illustriert dieses Zitat doch die Bedeutung, die Lenin der ideologischen Auseinandersetzung beimaß.
