Wer War Otto Von Bismarck
Herzlich willkommen in Deutschland! Vielleicht bist du gerade erst angekommen, planst einen Besuch oder bist schon mittendrin in deinem Abenteuer. Wenn du dich für deutsche Geschichte interessierst, wirst du unweigerlich auf einen Namen stoßen: Otto von Bismarck. Aber wer war dieser Mann eigentlich und warum ist er so wichtig?
Keine Sorge, du brauchst kein Geschichtsstudium, um Bismarck zu verstehen. Stell dir vor, du bist in einem Computerspiel und Bismarck ist derjenige, der die Strategie für ein ganzes Königreich entwirft. Er war ein schlauer Taktiker, ein brillanter Diplomat und ja, auch ein bisschen ein Hardliner. Kurz gesagt: Er war einer der wichtigsten Köpfe des 19. Jahrhunderts, der die Landkarte Europas nachhaltig verändert hat.
Ein Leben für Preußen und Deutschland
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen wurde 1815 in Schönhausen geboren, einem kleinen Ort westlich von Berlin. Er entstammte einer alten Adelsfamilie, den sogenannten Junkern. Diese Junkern waren Großgrundbesitzer und prägten lange Zeit die preußische Gesellschaft. Bismarck war also von Anfang an in einer privilegierten Position.
Nach einem eher unmotivierten Jurastudium und einigen Jahren im Staatsdienst, merkte Bismarck, dass die Bürokratie nicht seine Welt war. Er übernahm die Bewirtschaftung des elterlichen Guts und heiratete 1847 Johanna von Puttkamer. Die Ehe soll sehr glücklich gewesen sein, und Johanna war für Bismarck eine wichtige Stütze in seinem turbulenten Leben.
Der Weg in die Politik
Bismarcks politische Karriere begann im Jahr 1847 mit seiner Wahl in den preußischen Landtag. Schnell machte er sich einen Namen als konservativer Redner, der die Monarchie verteidigte und gegen liberale Reformen wetterte. Er glaubte fest an die Stärke Preußens und sah in einem geeinten Deutschland unter preußischer Führung die Zukunft.
Seine Karriere nahm rasant Fahrt auf: 1859 wurde er preußischer Gesandter in Sankt Petersburg, später in Paris. Diese Jahre im Ausland prägten ihn und gaben ihm wichtige Einblicke in die europäische Politik. Er knüpfte Kontakte und lernte die Spielregeln des internationalen Parketts.
Der Eiserne Kanzler
1862 wurde Bismarck zum preußischen Ministerpräsidenten ernannt. Dies war der Beginn seiner 28-jährigen Amtszeit, die die deutsche Geschichte entscheidend prägen sollte. Er regierte oft am Parlament vorbei und setzte seine Politik auch gegen Widerstände durch. Sein Ziel war klar: die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung, notfalls auch mit Gewalt.
Bekannt wurde sein Ausspruch: "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen – sondern durch Eisen und Blut." Diese Aussage, die er 1862 im preußischen Landtag tätigte, brachte ihm den Beinamen "Eiserner Kanzler" ein.
Kriege und Diplomatie
Bismarck verfolgte eine Politik der Realpolitik, d.h. er orientierte sich an den realen Machtverhältnissen und setzte seine Ziele pragmatisch um, ohne sich von moralischen Bedenken leiten zu lassen. Um sein Ziel der deutschen Einigung zu erreichen, scheute er auch Kriege nicht.
In den 1860er Jahren führte Preußen unter Bismarcks Führung drei Kriege:
- 1864: Deutsch-Dänischer Krieg um Schleswig-Holstein
- 1866: Preußisch-Österreichischer Krieg (auch Deutscher Krieg genannt)
- 1870/71: Deutsch-Französischer Krieg
Diese Kriege endeten jeweils mit preußischen Siegen und führten schließlich zur Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871. Bismarck wurde zum Reichskanzler ernannt und war somit der mächtigste Mann im neuen Deutschen Reich.
Das Deutsche Reich und Bismarcks Innenpolitik
Nach der Reichsgründung konzentrierte sich Bismarck auf die Sicherung des Friedens und die Stärkung des Deutschen Reiches. Er schloss Bündnisse mit anderen europäischen Mächten, um Deutschland zu isolieren und ein Bündnis gegen das Reich zu verhindern. Sein Bündnissystem war komplex und darauf ausgelegt, ein Gleichgewicht der Kräfte in Europa zu erhalten.
Auch innenpolitisch war Bismarck aktiv. Er führte zahlreiche Reformen durch, u.a. im Bereich der Sozialversicherung. Diese Sozialgesetze, wie die Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung, waren damals revolutionär und legten den Grundstein für den modernen Sozialstaat in Deutschland. Bismarck wollte damit die Arbeiter an den Staat binden und die sozialistische Bewegung schwächen.
Allerdings verfolgte Bismarck auch eine Politik der Repression gegen politische Gegner. So bekämpfte er die Sozialdemokraten mit den sogenannten Sozialistengesetzen und versuchte, ihren Einfluss einzudämmen. Auch gegen die katholische Kirche ging er vor (Kulturkampf).
Bismarcks Erbe und sein Sturz
Bismarcks Politik war umstritten, aber unbestreitbar erfolgreich. Er schuf das Deutsche Reich, sicherte den Frieden in Europa für lange Zeit und legte den Grundstein für den modernen Sozialstaat. Seine Leistungen wurden zu Lebzeiten hoch geehrt, und er wurde mit zahlreichen Orden und Titeln ausgezeichnet. Viele Denkmäler und Straßen in Deutschland erinnern noch heute an ihn.
Allerdings gab es auch Kritik an Bismarck. Seine autoritäre Regierungsweise und seine repressive Politik stießen auf Widerstand. Auch seine Bündnispolitik wurde nach seinem Rücktritt in Frage gestellt. Im Jahr 1890 wurde Bismarck von Kaiser Wilhelm II. entlassen. Die Meinungen zwischen dem alten Kanzler und dem jungen Kaiser gingen in vielen Punkten auseinander.
Otto von Bismarck starb 1898 auf seinem Gut Friedrichsruh. Er hinterließ ein gespaltenes Erbe. Einerseits wurde er als Nationalheld verehrt, andererseits wurde seine Politik kritisiert. Fest steht jedoch, dass Bismarck einer der wichtigsten und einflussreichsten Politiker der deutschen Geschichte war. Seine Politik hat das 19. Jahrhundert und das 20. Jahrhundert entscheidend geprägt.
Warum ist Bismarck für dich als Reisenden interessant?
Wenn du durch Deutschland reist, wirst du immer wieder auf Spuren Bismarcks stoßen:
- Denkmäler: Viele Städte haben Bismarckdenkmäler, oft imposante Statuen auf zentralen Plätzen.
- Straßen und Plätze: Zahlreiche Straßen und Plätze sind nach ihm benannt.
- Museen: Museen in ganz Deutschland widmen Bismarck Ausstellungen.
- Orte seines Lebens: Besuche Schönhausen, seinen Geburtsort, oder Friedrichsruh, wo er starb.
Ein Besuch dieser Orte hilft dir, die deutsche Geschichte besser zu verstehen und die Bedeutung Bismarcks für Deutschland einzuordnen.
Zusammenfassend: Warum war Bismarck so wichtig?
Hier noch einmal die wichtigsten Punkte, warum Bismarck in der deutschen Geschichte so herausragend ist:
- Gründung des Deutschen Reiches: Er war die treibende Kraft hinter der Einigung Deutschlands im Jahr 1871.
- Friedenssicherung: Nach der Reichsgründung setzte er alles daran, den Frieden in Europa zu sichern.
- Sozialgesetzgebung: Er führte wichtige Sozialgesetze ein, die den Grundstein für den modernen Sozialstaat legten.
- Diplomatie: Er war ein Meister der Diplomatie und schuf ein komplexes Bündnissystem, um Deutschland zu schützen.
Also, wenn du das nächste Mal durch Deutschland reist und auf den Namen Otto von Bismarck stößt, weißt du, wer dieser Mann war und warum er so wichtig ist. Er war mehr als nur ein Politiker – er war ein Architekt des modernen Deutschlands. Viel Spaß bei deiner Entdeckungstour!
Auf Wiedersehen und eine gute Reise!
