Wie Gebe Ich Einen Netten Korb
Ach du liebe Zeit, da steht er, oder sie, mit strahlenden Augen vor dir. Ein Rosenstrauß in der Hand (oder schlimmer noch, ein selbstgestrickter Schal – Respekt für die Mühe, aber...). Und du weißt: Das wird nix. Überhaupt gar nix. Panik? Bloß nicht! Wir kriegen das hin. Wir geben einen Korb! Und zwar einen, der nicht weh tut… naja, zumindest nicht allzu weh.
Die Kunst des freundlichen Ablehnens – eine Einführung
Erstens: Sei ehrlich. Aber ehrlich *mit Herz*. Das bedeutet nicht, die Person vor versammelter Mannschaft zu demütigen mit einer Rede über ihre schrecklichen T-Shirt-Wahl oder ihre nervige Lache. Nein! Denk lieber an ein Pflaster, das man schnell abreißt. Kurz, schmerzlos und danach kann man sich wieder schöneren Dingen zuwenden (wie zum Beispiel Netflix und Eiscreme).
Zweitens: Der berühmte „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir“-Spruch. Ja, ist ausgelutscht. Aber in gewissen Variationen immer noch Gold wert! Zum Beispiel: „Du bist ein fantastischer Mensch, wirklich! Aber im Moment bin ich so mit meiner Karriere/meinem Hamster/meiner Briefmarkensammlung beschäftigt, dass ich einfach keine Zeit für eine Beziehung habe.“ Wichtig: Übertreib es nicht mit der Ausrede. Sonst wirkt es unglaubwürdig. Der Hamster sollte schon einen plausiblen Namen haben und vielleicht sogar eine kleine traurige Geschichte.
Die Dos and Don'ts der Korb-Vergabe
DON'T:
- Ghosten! Einfach abtauchen ist feige und hinterlässt tiefe Wunden. Stell dich der Situation.
- Den Korb aufschieben. Je länger du wartest, desto schlimmer wird es.
- Falsche Hoffnungen machen. Sätze wie "Vielleicht irgendwann mal…" sind Gift.
- Über andere lästern. Das zeugt nur von schlechtem Charakter.
- Den Korb per SMS oder WhatsApp senden. Ernsthaft? Das ist unterste Schublade.
DO:
- Sei ehrlich und direkt, aber freundlich.
- Biete eine plausible Erklärung an (auch wenn sie etwas geschönt ist).
- Zeige Verständnis für die Gefühle des anderen.
- Bedanke dich für das Interesse und die Zeit.
- Wünsche der Person alles Gute für die Zukunft.
Drittens: Körpersprache ist alles! Verschrenke nicht die Arme, vermeide Augenkontakt und murmele nicht in deinen Bart. Öffne dich, schau die Person an (aber nicht zu intensiv, sonst glaubt sie noch, du bist heimlich verliebt) und sprich klar und deutlich.
Viertens: Der "Freundschaft"-Joker. Dieser Joker ist riskant. Er kann entweder als Trostpflaster funktionieren oder die Situation noch schlimmer machen. Sei ehrlich zu dir selbst: Willst du wirklich mit dieser Person befreundet sein? Wenn ja, dann nur, wenn du es ernst meinst. Ansonsten lass es lieber. Sonst heißt es bald: "Ich dachte, wir wären Freunde?! Warum gehst du dann nicht mit mir ins Kino?!" Uff. Schwierig.
Fünftens: Sei auf Reaktionen vorbereitet. Tränen, Wut, Verzweiflung – alles ist möglich. Bleib ruhig und geduldig. Lass die Person ihre Gefühle zeigen (aber pass auf, dass es nicht ausartet). Ein Taschentuch und ein verständnisvolles Nicken können Wunder wirken.
Beispiele aus dem echten Leben (leicht übertrieben)
„Du bist wirklich ein toller Typ, Hans! Aber ich bin gerade auf dem Weg, eine Eisdiele auf dem Mars zu eröffnen. Da bleibt leider keine Zeit für die Liebe.“
„Ich finde dich total sympathisch, Gudrun. Aber meine Großmutter hat mir prophezeit, dass ich meinen Seelenverwandten erst treffe, wenn ich einen Dreibeinigen Kraken in der Ostsee fange. Ich bin zuversichtlich, dass das bald passiert.“
„Du bist so liebenswert, Klaus. Aber ich habe gerade eine Schwäche für sprechende Papageien entwickelt. Sorry!“
Sechstens: Nach dem Korb ist vor dem Korb… äh… dem Leben! Lass der Person Zeit, das Ganze zu verarbeiten. Melde dich nicht gleich am nächsten Tag und frag, ob alles okay ist. Gib ihr Raum und Zeit, um sich zu erholen. Und vergiss nicht: Du hast nichts falsch gemacht. Du hast ehrlich gehandelt und das ist das Wichtigste.
Also, Kopf hoch, Brust raus und ran an den Speck… äh… an die nächste Herausforderung! Du schaffst das! Und wer weiß, vielleicht triffst du ja bald deinen wahren Seelenverwandten… oder zumindest jemanden, der deine Briefmarkensammlung bewundert.
