Wie Ist Eine Erörterung Aufgebaut
Hallo meine Lieben, Reisende und Denker! Habt ihr euch jemals gefragt, wie man in Deutschland eine überzeugende Argumentation aufbaut – eine sogenannte "Erörterung"? Keine Sorge, ich nehme euch mit auf eine kleine, aber feine Reise durch die Welt des deutschen Aufsatzbaus. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Schulzeit, in der Erörterungen eher Fluch als Segen waren. Aber keine Angst, mit ein paar Tricks und Kniffen wird auch das zum Kinderspiel. Stellt euch vor, ihr seid ein Reiseführer, der eure Leser durch ein unbekanntes Land führt, und die Erörterung ist eure Karte.
Der erste Eindruck zählt: Die Einleitung (Einleitung)
Wie bei jeder guten Reise beginnt alles mit der Einleitung. Sie ist das Schaufenster eurer Argumentation, der erste Blick, der darüber entscheidet, ob der Leser weiterlesen möchte oder nicht. Stellt euch vor, ihr steht vor dem Brandenburger Tor. Was seht ihr? Was fühlt ihr? Genauso muss eure Einleitung sein: fesselnd, informativ und einladend.
Was gehört in eine gute Einleitung?
- Das Thema vorstellen: Beginnt mit einem allgemeinen Satz zum Thema. Keine Angst, ihr müsst nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Fangt sanft an, wie ein Spaziergang durch den Tiergarten.
- Zum Thema hinführen: Erklärt, warum das Thema relevant ist. Warum sollte sich der Leser überhaupt dafür interessieren? Ist es ein aktuelles Problem, eine kontroverse Debatte oder einfach nur eine interessante Fragestellung?
- Die Fragestellung formulieren: Was genau wollt ihr in eurer Erörterung untersuchen? Formuliert eure Fragestellung klar und präzise. Sie ist der Kompass, der euch durch eure Argumentation führt.
- Optional: Eigene Meinung andeuten: Ihr könnt, müsst aber nicht, eure eigene Meinung kurz andeuten. Das ist wie ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommt.
Beispiel: Nehmen wir an, das Thema ist "Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden?"
Eine mögliche Einleitung könnte so aussehen:
Die politische Partizipation junger Menschen ist ein viel diskutiertes Thema in unserer Gesellschaft. Immer wieder wird die Frage aufgeworfen, ob Jugendliche ausreichend in politische Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Eine mögliche Antwort auf diese Frage ist die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre. Doch welche Vor- und Nachteile birgt dieser Vorschlag? In dieser Erörterung soll untersucht werden, ob eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre sinnvoll und wünschenswert ist.
Das Herzstück: Der Hauptteil (Hauptteil)
Der Hauptteil ist das Herzstück eurer Erörterung, der Ort, an dem ihr eure Argumente präsentiert, diskutiert und belegt. Stellt euch vor, ihr wandert durch die malerischen Gassen von Heidelberg und entdeckt an jeder Ecke etwas Neues und Interessantes. Genauso sollte euer Hauptteil sein: abwechslungsreich, informativ und überzeugend.
Wie baut man einen überzeugenden Hauptteil auf?
- Argumente sammeln: Beginnt mit einer Brainstorming-Session. Sammelt alle Argumente, die euch zum Thema einfallen – sowohl dafür als auch dagegen. Schreibt sie auf, ordnet sie und wählt die stärksten aus.
- Argumente strukturieren: Ordnet eure Argumente nach ihrer Wichtigkeit. Beginnt mit dem schwächsten und steigert euch bis zum stärksten Argument. Das ist wie ein guter Spannungsbogen in einem Krimi.
- Argumente ausformulieren: Für jedes Argument benötigt ihr eine klare Aussage (These), eine ausführliche Begründung und einen überzeugenden Beleg (Beispiel, Statistik, Zitat). Stellt euch vor, ihr seid ein Anwalt, der seinen Fall vor Gericht präsentiert.
- Gegenargumente entkräften: Geht auf mögliche Gegenargumente ein und entkräftet sie. Zeigt, dass ihr euch mit dem Thema auseinandergesetzt habt und die verschiedenen Perspektiven kennt. Das ist wie ein Schachspiel, bei dem ihr jeden Zug des Gegners vorausahnt.
- Übergänge schaffen: Sorgt für fließende Übergänge zwischen den einzelnen Argumenten. Verwendet Konjunktionen wie "darüber hinaus", "hingegen", "trotzdem" oder "allerdings". Das ist wie ein roter Faden, der sich durch eure Argumentation zieht.
Beispiel: (Fortsetzung des Themas "Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden?")
Argument für die Senkung des Wahlalters:
Ein Argument für die Senkung des Wahlalters ist die Förderung der politischen Bildung und des Interesses an politischen Themen bei Jugendlichen. These: Je früher Jugendliche mit politischen Prozessen in Berührung kommen, desto aktiver und informierter werden sie sich beteiligen. Begründung: Wenn Jugendliche bereits mit 16 Jahren wählen dürfen, werden sie sich intensiver mit politischen Themen auseinandersetzen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. Dies führt zu einem besseren Verständnis politischer Zusammenhänge und fördert das Interesse an Politik. Beleg: Studien haben gezeigt, dass Länder mit einem niedrigeren Wahlalter eine höhere Wahlbeteiligung junger Menschen verzeichnen. Entkräftung eines Gegenarguments: Kritiker argumentieren, dass 16-Jährige noch nicht reif genug sind, um politische Entscheidungen zu treffen. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Jugendliche sind heutzutage durch das Internet und die sozialen Medien sehr gut informiert und können sich schnell ein eigenes Bild von politischen Sachverhalten machen.
Argument gegen die Senkung des Wahlalters:
Ein Argument gegen die Senkung des Wahlalters ist die mangelnde Lebenserfahrung und Reife der Jugendlichen. These: 16-Jährige verfügen noch nicht über die nötige Lebenserfahrung, um komplexe politische Entscheidungen zu treffen. Begründung: Jugendliche befinden sich noch in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit und haben oft noch keine klaren politischen Überzeugungen. Sie sind daher anfälliger für Manipulation und können leicht von anderen beeinflusst werden. Beleg: Psychologische Studien zeigen, dass das Gehirn erst mit etwa 25 Jahren vollständig ausgereift ist. Entkräftung eines Gegenarguments: Befürworter argumentieren, dass Jugendliche durch die Wahlbeteiligung lernen und reifen können. Dies ist zwar richtig, jedoch ist es fraglich, ob man politische Entscheidungen auf dem Rücken unerfahrener Wähler treffen sollte.
Der krönende Abschluss: Das Fazit (Schluss)
Das Fazit ist der krönende Abschluss eurer Erörterung, der Moment, in dem ihr eure Reise zusammenfasst und eure wichtigsten Erkenntnisse präsentiert. Stellt euch vor, ihr steht auf dem Gipfel der Zugspitze und genießt den atemberaubenden Ausblick. Genauso sollte euer Fazit sein: beeindruckend, zusammenfassend und überzeugend.
Was gehört in ein gutes Fazit?
- Zusammenfassung der wichtigsten Argumente: Fasst eure wichtigsten Argumente noch einmal kurz zusammen. Vermeidet es jedoch, einfach nur zu wiederholen, was ihr bereits gesagt habt. Formuliert eure Erkenntnisse neu und prägnant.
- Beantwortung der Fragestellung: Beantwortet eure Fragestellung auf der Grundlage eurer Argumentation. Nehmt klar Stellung und begründet eure Entscheidung.
- Eigene Meinung (optional): Ihr könnt eure eigene Meinung noch einmal deutlicher zum Ausdruck bringen, solange sie auf eurer Argumentation basiert.
- Ausblick (optional): Gebt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen oder offene Fragen. Das ist wie ein kleiner Cliffhanger, der den Leser zum Nachdenken anregt.
Beispiel: (Fortsetzung des Themas "Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden?")
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre sowohl Vor- als auch Nachteile birgt. Während eine frühe politische Beteiligung die politische Bildung fördern und das Interesse an Politik steigern kann, besteht die Gefahr, dass Jugendliche aufgrund mangelnder Lebenserfahrung und Reife beeinflussbar sind. Meiner Meinung nach überwiegen jedoch die Vorteile. Eine Senkung des Wahlalters könnte dazu beitragen, dass die Stimme junger Menschen in politischen Entscheidungsprozessen stärker berücksichtigt wird und die Politik sich stärker an den Bedürfnissen der jüngeren Generation orientiert. Allerdings sollte die Senkung des Wahlalters mit Maßnahmen zur politischen Bildung und Förderung der Medienkompetenz einhergehen, um sicherzustellen, dass Jugendliche fundierte Entscheidungen treffen können. Die Diskussion um das Wahlalter ist jedoch noch lange nicht abgeschlossen und es bleibt abzuwarten, wie sich die politische Landschaft in Zukunft entwickeln wird.
So, meine lieben Reisenden, das war unsere kleine Reise durch die Welt der deutschen Erörterung. Ich hoffe, ihr habt einiges gelernt und fühlt euch nun besser gerüstet, um eure eigenen Argumente überzeugend zu präsentieren. Denkt daran: Übung macht den Meister! Und vergesst nicht, die Erörterung ist nicht nur eine Pflichtübung in der Schule, sondern auch eine wertvolle Fähigkeit, um eure Meinung zu äußern und die Welt um euch herum zu gestalten.
Viel Erfolg und bis zum nächsten Abenteuer!
