Wie Kalt Darf Es Im Büro Sein
Herzlich willkommen in Deutschland! Du planst einen Besuch, arbeitest hier vielleicht temporär oder bist gerade erst hierhergezogen? Dann hast du dich vielleicht schon gefragt: "Wie kalt darf es eigentlich im Büro sein?" Gerade für uns, die wir vielleicht mildere Temperaturen gewohnt sind, kann das Thema Büroklima in Deutschland eine Überraschung sein. Keine Sorge, dieser Guide erklärt dir alles, was du wissen musst, damit du dich im deutschen Büroalltag wohlfühlst.
Die gesetzlichen Grundlagen: Was sagt das Arbeitsschutzgesetz?
In Deutschland ist die Temperatur am Arbeitsplatz gesetzlich geregelt. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A3.5 legen fest, welche Anforderungen an die Raumtemperatur gestellt werden. Aber Achtung: Es gibt keine absolute, festgeschriebene Mindesttemperatur. Stattdessen wird auf die Art der Tätigkeit und die körperliche Belastung geachtet. Das heißt, jemand, der körperlich schwere Arbeit verrichtet, wird es wahrscheinlich wärmer haben als jemand, der den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt.
Konkret bedeutet das:
- Bei leichter körperlicher Arbeit im Sitzen: Die Raumtemperatur sollte idealerweise zwischen 20 und 26 Grad Celsius liegen.
- Bei mittelschwerer körperlicher Arbeit im Stehen oder Gehen: Die Raumtemperatur sollte zwischen 19 und 25 Grad Celsius liegen.
- Bei schwerer körperlicher Arbeit: Die Raumtemperatur sollte zwischen 12 und 22 Grad Celsius liegen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass dies Richtwerte sind. Bei Unterschreitung der Mindesttemperatur (die eben nicht absolut festgelegt ist, aber oft als 20 Grad für sitzende Tätigkeiten interpretiert wird) muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören beispielsweise:
- Bereitstellung von Heizgeräten
- Organisation von Warmluftpausen
- Ausgabe von wärmerer Arbeitskleidung
Bei Überschreitung der Maximaltemperatur (üblicherweise 26 Grad) sind ebenfalls Maßnahmen erforderlich. Dazu können gehören:
- Sonnenschutz (Jalousien, Rollos)
- Lüftungsmaßnahmen
- Bereitstellung von Getränken
- Anpassung der Arbeitszeiten
Wichtig: Bei extremer Hitze (über 30 Grad) sind die Anforderungen an den Arbeitgeber noch höher. Ab 35 Grad muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass die Arbeitnehmer keinen gesundheitlichen Schaden nehmen. Das kann bedeuten, dass die Arbeit unterbrochen oder an einen kühleren Ort verlegt werden muss.
Was tun, wenn es zu kalt oder zu warm ist?
Wenn du das Gefühl hast, dass die Temperatur in deinem Büro unangemessen ist, solltest du zunächst das Gespräch mit deinem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat suchen. In vielen Unternehmen gibt es Regelungen zum Thema Büroklima, die du einsehen kannst. Oftmals gibt es auch ein Beschwerdemanagement, über das du deine Bedenken äußern kannst.
Hier ein paar Tipps für das Gespräch:
- Sei konkret: Beschreibe genau, wie du dich fühlst und welche Auswirkungen die Temperatur auf deine Arbeit hat. "Mir ist kalt" ist weniger hilfreich als "Ich kann mich schlecht konzentrieren, weil meine Finger so kalt sind, dass ich Tippfehler mache."
- Dokumentiere: Notiere dir die Temperaturen (falls möglich) und die Uhrzeiten, zu denen du dich unwohl fühlst.
- Sprich mit Kollegen: Vielleicht empfinden andere die Situation ähnlich. Gemeinsam habt ihr mehr Gewicht.
- Schau in die Betriebsvereinbarung: Oftmals gibt es hier konkrete Regelungen zum Thema Raumtemperatur.
Wenn das Gespräch keine Besserung bringt, kannst du dich an die zuständige Aufsichtsbehörde (Gewerbeaufsicht) wenden. Diese kann den Arbeitgeber überprüfen und gegebenenfalls Maßnahmen anordnen.
Kulturelle Unterschiede und persönliche Empfindungen
Auch wenn es Gesetze und Richtlinien gibt, ist das Temperaturempfinden sehr subjektiv. Was für den einen angenehm ist, kann für den anderen zu kalt oder zu warm sein. Außerdem gibt es kulturelle Unterschiede. In manchen Ländern sind beispielsweise Klimaanlagen viel verbreiteter und die Temperaturen in Innenräumen daher oft kühler als in Deutschland.
Deshalb ist es wichtig, sich selbst zu helfen:
- Kleide dich dem Wetter entsprechend: Zwiebellook ist in Deutschland oft eine gute Idee, besonders in Übergangszeiten.
- Nutze Heizdecken oder Wärmepads: Wenn es dir oft kalt ist, kann eine kleine Heizdecke oder ein Wärmepad unter den Füßen Wunder wirken.
- Trinke warme Getränke: Tee oder Kaffee wärmen von innen.
- Beweg dich: Regelmäßige kurze Bewegungspausen kurbeln die Durchblutung an und wärmen dich auf.
- Sprich mit deinen Kollegen: Vielleicht könnt ihr gemeinsam eine Lösung finden, beispielsweise die Position des Schreibtisches zu verändern.
Tipps für das Arbeiten von Zuhause (Homeoffice)
Wenn du im Homeoffice arbeitest, hast du natürlich mehr Kontrolle über die Raumtemperatur. Dennoch solltest du auch hier auf ein angenehmes und gesundes Arbeitsumfeld achten.
Hier ein paar Tipps:
- Heize richtig: Achte darauf, dass die Raumtemperatur im Arbeitszimmer nicht zu niedrig ist. 20-22 Grad Celsius sind ideal.
- Lüfte regelmäßig: Frische Luft ist wichtig für die Konzentration und das Wohlbefinden.
- Vermeide Zugluft: Zugluft kann schnell zu Erkältungen führen.
- Sorge für ausreichend Licht: Helles Licht macht wach und produktiv.
Zusammenfassend: Das Wichtigste auf einen Blick
In Deutschland gibt es keine absolute Mindesttemperatur für Büros, aber das Arbeitsschutzgesetz und die Arbeitsstättenrichtlinie A3.5 legen fest, dass der Arbeitgeber für ein gesundes und angenehmes Arbeitsumfeld sorgen muss. Bei Unterschreitung oder Überschreitung bestimmter Richtwerte (üblicherweise 20-26 Grad für sitzende Tätigkeiten) muss der Arbeitgeber Maßnahmen ergreifen.
Wenn du das Gefühl hast, dass die Temperatur in deinem Büro unangemessen ist, solltest du das Gespräch mit deinem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat suchen. Sprich konkret über deine Beschwerden und dokumentiere die Temperaturen.
Denke daran, dass das Temperaturempfinden sehr subjektiv ist. Hilf dir selbst, indem du dich dem Wetter entsprechend kleidest, warme Getränke trinkst und dich regelmäßig bewegst.
Mit diesen Tipps bist du bestens gerüstet für den deutschen Büroalltag! Wir wünschen dir eine angenehme und produktive Zeit in Deutschland!
Wichtige Vokabeln zum Thema
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): Gesetz, das den Schutz der Arbeitnehmer regelt.
Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A3.5: Richtlinie, die Anforderungen an Arbeitsstätten festlegt, einschließlich der Raumtemperatur.
Betriebsrat: Vertretung der Arbeitnehmer in einem Unternehmen.
Gewerbeaufsicht: Behörde, die die Einhaltung des Arbeitsschutzgesetzes überwacht.
Warmluftpause: Kurze Pause, in der sich die Arbeitnehmer in einem wärmeren Raum aufhalten können.
Zwiebellook: Tragen mehrerer Schichten Kleidung, die man je nach Bedarf an- oder ausziehen kann.
Wir hoffen, dieser Guide hat dir geholfen, dich im deutschen Büroalltag zurechtzufinden. Viel Erfolg und eine angenehme Zeit!
