Wie Lange Dauerte Der Hundertjährige Krieg
Willkommen in Europa, Reisende! Vielleicht plant ihr gerade einen Trip nach Frankreich oder England und seid über den Begriff "Hundertjähriger Krieg" gestolpert. Keine Sorge, wir tauchen ein in dieses faszinierende und etwas irreführende Kapitel der Geschichte. Bereitet euch darauf vor, mehr zu erfahren als nur die simple Jahreszahl! Es ist ein komplexes Geflecht aus Königen, Kriegen, Bündnissen und vielem mehr.
Der "Hundertjährige Krieg" ist einer der bekanntesten Konflikte des Mittelalters, aber die Bezeichnung ist irreführend. Er dauerte nämlich nicht exakt 100 Jahre. Tatsächlich zog er sich über 116 Jahre hin, von 1337 bis 1453. Das ist mehr als ein Jahrhundert, also ist die Namensgebung zumindest verständlich. Aber warum dieser lange Krieg? Und was waren die Hauptursachen?
Die Ursachen des Konflikts: Mehr als nur Thronansprüche
Der Hundertjährige Krieg war ein komplexes Phänomen mit vielfältigen Ursachen. Es ging nicht nur um die Frage, wer König von Frankreich sein sollte, auch wenn das ein zentraler Punkt war. Lasst uns die wichtigsten Gründe genauer betrachten:
Der Anspruch auf den französischen Thron
Das war sozusagen der Zündfunke. Als der französische König Karl IV. 1328 ohne männliche Erben starb, entstand ein Machtvakuum. Eduard III., der König von England, war der Enkel von Philipp IV. von Frankreich über seine Mutter Isabella. Er beanspruchte den französischen Thron für sich, gestützt auf das Erbrecht. Die Franzosen, die eine ausländische Herrschaft ablehnten, wählten jedoch Philipp VI. aus dem Hause Valois zum König. Eduard III. akzeptierte dies zunächst, schwelgte aber weiterhin im Hinterkopf mit seinem Anspruch.
Die Kontrolle über die Guyenne
England besaß bereits Gebiete in Frankreich, insbesondere die Guyenne (heute Aquitanien). Diese Region war wirtschaftlich wichtig und strategisch wertvoll. Die französischen Könige versuchten jedoch, die englische Macht in Frankreich zu schmälern und die Guyenne unter ihre Kontrolle zu bringen. Konflikte um die Gerichtsbarkeit und die Verwaltung der Guyenne eskalierten immer wieder.
Wirtschaftliche Rivalität
England und Frankreich waren wirtschaftlich miteinander verflochten, aber auch Rivalen. Der Handel mit Wolle war für England von großer Bedeutung, und ein Großteil der Wolle wurde nach Flandern exportiert, das unter französischem Einfluss stand. Englische Könige versuchten, die Kontrolle über Flandern zu erlangen, um ihre wirtschaftliche Position zu stärken. Dies führte zu Konflikten mit Frankreich.
Bündnissysteme
Die Könige von England und Frankreich waren in komplexe Bündnissysteme eingebunden. Sie suchten sich Verbündete unter den europäischen Fürsten und Städten, um ihre Macht zu sichern. Diese Bündnisse führten dazu, dass lokale Konflikte schnell zu größeren Kriegen eskalierten.
Die Phasen des Krieges: Ein Auf und Ab der Macht
Der Hundertjährige Krieg lässt sich in mehrere Phasen einteilen, die durch Waffenstillstände und Friedensverträge unterbrochen wurden. Hier ein Überblick über die wichtigsten Abschnitte:
Der Eduardische Krieg (1337-1360)
Diese Phase war von englischen Siegen geprägt. Die Schlachten von Crécy (1346) und Poitiers (1356) waren vernichtende Niederlagen für Frankreich. Der Frieden von Brétigny (1360) bestätigte die englische Kontrolle über weite Teile Frankreichs.
Der Karolinische Krieg (1369-1389)
Frankreich erholte sich unter König Karl V. und seinem fähigen Feldherrn Bertrand du Guesclin. Die Franzosen eroberten viele der von England gehaltenen Gebiete zurück. Die englische Macht in Frankreich schwand.
Die Zeit des Waffenstillstands und der inneren Konflikte (1389-1415)
In dieser Zeit herrschte formell Frieden, aber es gab weiterhin Spannungen und Konflikte. In Frankreich tobten Bürgerkriege zwischen den Armagnacs und den Burgundern, die jeweils unterschiedliche Thronansprüche unterstützten. In England gab es ebenfalls politische Unruhen.
Der Lancaster-Krieg (1415-1429)
Unter König Heinrich V. erlangte England erneut die Oberhand. Die Schlacht von Azincourt (1415) war ein überwältigender englischer Sieg. Heinrich V. eroberte große Teile Nordfrankreichs und zwang den französischen König Karl VI., ihn als seinen Erben anzuerkennen.
Die Jeanne d'Arc-Phase (1429-1453)
Der Wendepunkt kam mit Jeanne d'Arc (Johanna von Orléans), einer jungen Bäuerin, die behauptete, göttliche Visionen zu haben. Sie führte die französischen Truppen an und befreite die Stadt Orléans von der englischen Belagerung. Ihre Erfolge beflügelten den französischen Widerstand. Obwohl sie 1431 gefangen genommen und verbrannt wurde, war ihr Einfluss enorm.
Das Ende des Krieges
Nach dem Tod von Jeanne d'Arc setzten die Franzosen ihren Erfolg fort. Sie eroberten nach und nach die von England gehaltenen Gebiete zurück. Die Schlacht von Castillon (1453) markierte das Ende des Krieges. England verlor fast alle seine Besitzungen in Frankreich, bis auf Calais, das sie bis 1558 behielten.
Die Auswirkungen des Krieges: Mehr als nur verlorene Schlachten
Der Hundertjährige Krieg hatte tiefgreifende Auswirkungen auf England und Frankreich:
Entwicklung nationaler Identitäten
Der Krieg trug zur Entwicklung nationaler Identitäten in England und Frankreich bei. Die Menschen begannen, sich stärker mit ihrem jeweiligen Königreich zu identifizieren und eine gemeinsame Sprache und Kultur zu entwickeln. Das Gefühl, "Englisch" oder "Französisch" zu sein, wurde stärker ausgeprägt. Jeanne d'Arc wurde in Frankreich zu einer Nationalheldin und Symbol des französischen Widerstands.
Politische Veränderungen
In England stärkte der Krieg das Parlament, da die Könige auf dessen Unterstützung angewiesen waren, um Gelder für den Krieg zu beschaffen. In Frankreich stärkte der Krieg die königliche Macht, da die Könige die Notwendigkeit einer starken Zentralregierung betonten, um das Land zu verteidigen.
Wirtschaftliche Folgen
Der Krieg verursachte erhebliche wirtschaftliche Schäden in beiden Ländern. Die Landwirtschaft wurde verwüstet, der Handel gestört und die Bevölkerung dezimiert. Die hohen Kriegskosten führten zu Steuererhöhungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Militärische Innovationen
Der Hundertjährige Krieg führte zu militärischen Innovationen. Die Engländer setzten erfolgreich den Langbogen ein, der sich als verheerend gegen die französischen Ritter erwies. Die Franzosen entwickelten neue Taktiken und setzten Artillerie ein.
Spuren des Krieges: Was kann man heute noch sehen?
Auch heute noch gibt es zahlreiche Orte, die an den Hundertjährigen Krieg erinnern und die ihr bei euren Reisen erkunden könnt:
- Crécy-en-Ponthieu, Frankreich: Besucht das Schlachtfeld von Crécy, wo die englische Armee 1346 einen entscheidenden Sieg errang.
- Poitiers, Frankreich: Erkundet die Stadt Poitiers, wo 1356 eine weitere bedeutende Schlacht stattfand.
- Azincourt, Frankreich: Besichtigt das Schlachtfeld von Azincourt, wo Heinrich V. 1415 einen überwältigenden Sieg errang.
- Orléans, Frankreich: Besucht die Stadt Orléans, die Jeanne d'Arc 1429 von der englischen Belagerung befreite.
- Schlösser und Burgen: Viele Schlösser und Burgen in England und Frankreich wurden im Laufe des Krieges belagert und befestigt. Beispiele sind das Château de Chinon in Frankreich, wo Jeanne d'Arc Karl VII. traf, oder Warwick Castle in England.
Der Hundertjährige Krieg ist ein faszinierendes Kapitel der europäischen Geschichte, das weit mehr zu bieten hat als nur eine lange Dauer. Er hat die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung von England und Frankreich nachhaltig geprägt. Wenn ihr also das nächste Mal durch diese Länder reist, haltet die Augen offen und entdeckt die Spuren dieses epischen Konflikts! Es ist ein Stück Geschichte, das bis heute nachwirkt. Und wer weiß, vielleicht inspiriert euch dieser Einblick ja auch dazu, noch tiefer in die Materie einzutauchen. Viel Spaß beim Erkunden!
"Geschichte ist mehr als nur eine Ansammlung von Fakten und Daten. Sie ist eine lebendige Erzählung, die uns hilft, die Welt um uns herum zu verstehen."
