Wie Lange Dauerte Der Mauerbau
Viele Menschen, die nach Deutschland kommen oder sich für deutsche Geschichte interessieren, stoßen unweigerlich auf die Frage: Wie lange dauerte der Mauerbau? Die Antwort ist komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint, da der Bau der Berliner Mauer ein schrittweiser Prozess war, der sich über mehrere Jahre erstreckte. Es ist wichtig, die verschiedenen Phasen des Mauerbaus zu verstehen, um ein vollständiges Bild zu erhalten.
Die Anfänge: Vom 13. August 1961 bis zum ersten Mauerbau
Oftmals wird der 13. August 1961 als der Tag des Mauerbaus bezeichnet. Dies ist jedoch nur bedingt richtig. An diesem Tag begann die Deutsche Demokratische Republik (DDR) unter Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) mit der Abriegelung der Sektorengrenze zwischen Ost- und West-Berlin. Diese Abriegelung erfolgte nicht durch eine massive Mauer, wie wir sie später kannten, sondern durch:
- Stacheldrahtverhaue: Entlang der Grenze wurden zunächst Stacheldrahtrollen ausgerollt.
- Panzersperren: An strategischen Punkten wurden Panzersperren errichtet, um ein Durchbrechen der Grenze mit Fahrzeugen zu verhindern.
- Posten der Volkspolizei und der Nationalen Volksarmee (NVA): Bewaffnete Kräfte der DDR kontrollierten die Grenze und verhinderten das Überschreiten.
Diese Maßnahmen erfolgten über Nacht und überraschten die Bevölkerung sowohl in Ost- als auch in West-Berlin. Der Verkehr zwischen den Sektoren wurde abrupt unterbrochen, und viele Menschen konnten ihre Arbeitsplätze oder Familienangehörigen im anderen Teil der Stadt nicht mehr erreichen. Diese erste Phase der Abriegelung war also ein unmittelbarer Akt, der mit dem Ausrollen von Stacheldraht und dem Aufstellen von Bewachungseinheiten begann. Sie dauerte jedoch nicht lange in dieser Form.
Der Ausbau zur "richtigen" Mauer: 1961 bis 1975
Nach dem anfänglichen Stacheldraht wurde schnell mit dem Bau einer stabileren Grenzbefestigung begonnen. Dieser Prozess erstreckte sich über mehrere Jahre und umfasste verschiedene Phasen des Ausbaus:
Erste Generation (1961-1965):
Die Stacheldrahtverhaue wurden durch eine provisorische Mauer aus Betonsteinen und Ziegeln ersetzt. Diese Mauer war jedoch noch relativ niedrig und leicht zu überwinden. Es handelte sich eher um eine erste, behelfsmäßige Barriere, die im Laufe der Zeit verstärkt werden sollte.
Zweite Generation (1965-1975):
Diese Phase brachte eine deutlich stabilere Version der Mauer hervor. Sie bestand nun aus Betonfertigteilen und wurde höher und schwerer zu überwinden. Zusätzlich wurden Sperranlagen wie Minenfelder (die später durch andere Sicherheitseinrichtungen ersetzt wurden), Signalzäune und Hundelaufanlagen errichtet. Diese Zeit war von ständigen Verbesserungen und Verstärkungen der Grenzanlagen geprägt.
Dritte Generation (ab 1975):
Ab 1975 wurde die vierte und letzte Generation der Berliner Mauer gebaut. Sie bestand aus vorgefertigten Betonsegmenten mit einer Höhe von 3,6 Metern. Diese Segmente waren relativ einfach zu montieren und ermöglichten eine schnelle Reparatur beschädigter Abschnitte. Die Mauer dieser Generation war das, was die meisten Menschen heute als die "typische" Berliner Mauer in Erinnerung haben. Sie war ein Symbol der Teilung und des Kalten Krieges.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Grenzanlagen nicht nur aus der Mauer selbst bestanden. Zur Grenzsicherung gehörten:
- Hinterlandmauer: Eine zweite Mauer, die weiter im Osten lag und ein unbefugtes Eindringen in den Grenzstreifen verhindern sollte.
- Kontrollstreifen: Ein breiter Streifen zwischen den Mauern, der von Soldaten patrouilliert wurde.
- Wachtürme: Hoch gelegene Türme, von denen aus die Grenztruppen den gesamten Bereich überwachen konnten.
- Hundelaufanlagen: Strecken, auf denen Hunde zur Bewachung eingesetzt wurden.
- Beleuchtungsanlagen: Flutlichter, die den Grenzstreifen nachts taghell erleuchteten.
All diese Elemente trugen dazu bei, die Grenze unüberwindbar zu machen und Fluchtversuche zu verhindern.
Die Gesamtdauer des Mauerbaus: Ein kontinuierlicher Prozess
Wenn man die Frage nach der Dauer des Mauerbaus beantworten will, muss man also berücksichtigen, dass es sich um einen kontinuierlichen Prozess handelte. Der Bau begann mit der Abriegelung am 13. August 1961 und endete im Grunde nie wirklich, da die Grenzanlagen bis zum Fall der Mauer im November 1989 ständig verbessert und verstärkt wurden. Man kann also sagen, dass der Mauerbau über einen Zeitraum von mehr als 28 Jahren andauerte.
Es ist jedoch sinnvoll, zwischen dem eigentlichen Aufbau der Mauer und dem Betrieb der Grenzanlagen zu unterscheiden. Der kontinuierliche Bau und Ausbau der Mauer dauerte von 1961 bis 1975. Danach wurden hauptsächlich Reparaturen und kleinere Anpassungen vorgenommen, aber die Grundstruktur der Mauer blieb bis 1989 bestehen. Der "Betrieb" der Mauer, also die Überwachung, Bewachung und Verhinderung von Fluchtversuchen, dauerte jedoch von 1961 bis zum 9. November 1989.
Warum wurde die Mauer gebaut?
Die DDR-Führung begründete den Mauerbau offiziell mit dem Schutz vor "faschistischen Elementen" aus dem Westen. In Wirklichkeit war der Hauptgrund für den Bau der Mauer die Eindämmung der Flüchtlingswelle aus der DDR. Vor dem Mauerbau verließen viele Menschen, vor allem junge und gut ausgebildete Fachkräfte, die DDR über West-Berlin. Dies führte zu einem erheblichen wirtschaftlichen Schaden für die DDR.
Die Mauer sollte also die Bevölkerung daran hindern, in den Westen zu fliehen und somit die wirtschaftliche und politische Stabilität der DDR zu sichern. Sie war ein Symbol der Teilung Deutschlands und Europas und ein Ausdruck der ideologischen Gegensätze zwischen Ost und West im Kalten Krieg.
Der Fall der Mauer: Das Ende einer Ära
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer überraschend. Nach wochenlangen Protesten und Demonstrationen in der DDR verkündete Günter Schabowski, ein Mitglied des SED-Politbüros, auf einer Pressekonferenz eine neue Reiseregelung, die es DDR-Bürgern erlaubte, in den Westen zu reisen. Aufgrund einer missverständlichen Formulierung und der sofortigen Veröffentlichung der Nachricht in den Medien strömten noch am selben Abend Tausende von Menschen zu den Grenzübergängen und forderten deren Öffnung. Die überforderten Grenztruppen gaben schließlich nach, und die Mauer wurde geöffnet.
Der Fall der Berliner Mauer war ein historischer Moment, der das Ende der Teilung Deutschlands und den Beginn der Wiedervereinigung einleitete. Er markierte auch das Ende des Kalten Krieges und den Zusammenbruch des Ostblocks.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Die Frage "Wie lange dauerte der Mauerbau?" lässt sich am besten wie folgt beantworten:
- Beginn der Abriegelung: 13. August 1961
- Kontinuierlicher Ausbau der Mauer (verschiedene Generationen): 1961 bis 1975
- Betrieb der Grenzanlagen (Überwachung, Bewachung, Verhinderung von Fluchtversuchen): 1961 bis 9. November 1989
- Gesamtdauer des Bestehens der Mauer: Mehr als 28 Jahre
Das Verständnis der verschiedenen Phasen und Aspekte des Mauerbaus ist entscheidend, um die Bedeutung dieses Ereignisses in der deutschen und europäischen Geschichte zu erfassen. Die Berliner Mauer war nicht nur eine physische Barriere, sondern auch ein Symbol der Unterdrückung und der Teilung. Ihr Fall war ein Triumph der Freiheit und ein Zeichen der Hoffnung für die Zukunft.
