Wie Lange Hase In Rotwein Einlegen
Ah, die Jagd! Ein Erlebnis, das so tief in die deutsche Kultur verwurzelt ist wie das Reinheitsgebot im Bier. Und was gibt es Schöneres, als nach einem langen Tag in der Natur, mit der Beute zurückzukehren und sie in ein köstliches Mahl zu verwandeln? Bei mir, und ich bin mir sicher auch bei vielen anderen, steht da Hase in Rotwein ganz oben auf der Liste. Aber bevor wir uns dem Schmaus hingeben können, kommt die entscheidende Frage: Wie lange sollte man den Hasen eigentlich in Rotwein einlegen? Eine Frage, die so viele Antworten hat wie es Regionen in Deutschland gibt!
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Versuch. Voller Enthusiasmus, bewaffnet mit einem Rezept von Oma Hildegard (Gott hab sie selig, ihre Küche war legendär!), stürzte ich mich ins Abenteuer. Der Hase lag bereit, der Rotwein duftete vielversprechend, und ich – ich war total überfordert. Oma Hildegard hatte nur gesagt: "Über Nacht, mein Kind!" Über Nacht… was bedeutet das denn bitte genau? 8 Stunden? 12 Stunden? Und welcher Rotwein ist überhaupt der richtige? Ihr seht, es war der Beginn einer langen Reise voller Experimente, Misserfolge (ja, auch das gab es!) und schließlich – Triumphe!
Die Bedeutung des Marinierens – Mehr als nur Geschmack
Bevor wir uns den Zeitspannen widmen, lasst uns kurz überlegen, warum wir den Hasen überhaupt in Rotwein einlegen. Es geht nämlich um mehr als nur den Geschmack. Die Marinade hat gleich mehrere Funktionen:
- Zartmachen des Fleisches: Wildfleisch, insbesondere Hase, kann schon mal etwas zäh sein. Der Rotwein, zusammen mit den Säuren in den Gewürzen, hilft dabei, die Muskelfasern aufzubrechen und das Fleisch zarter zu machen.
- Geschmacksverstärkung: Der Rotwein verleiht dem Hasen eine wunderbare Tiefe und Komplexität. Zusammen mit den Kräutern und Gewürzen entsteht ein Aromenprofil, das einfach unwiderstehlich ist.
- Wildgeschmack mildern: Manche mögen den typischen Wildgeschmack, andere empfinden ihn als zu dominant. Die Marinade hilft, diesen Geschmack zu mildern und das Fleisch zugänglicher zu machen.
Die Magische Zeitspanne: Eine Frage der Balance
Jetzt aber Butter bei die Fische, wie man so schön sagt! Wie lange sollte der Hase nun in Rotwein baden? Hier kommt die gute Nachricht: Es gibt nicht die eine, perfekte Antwort. Die ideale Zeitspanne hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Größe und Alter des Hasen
Ein junger Hase, der vielleicht noch nicht so viel Muskelgewebe entwickelt hat, benötigt eine kürzere Marinierzeit als ein älteres Exemplar. Ein kleiner Hase, der zerteilt ist, kann schneller die Aromen aufnehmen. Ein ganzer, großer Hase braucht natürlich länger.
Die Qualität des Rotweins
Ein kräftiger, tanninreicher Rotwein wie ein Spätburgunder oder ein Dornfelder kann das Fleisch schneller zart machen, aber auch den Geschmack stärker beeinflussen. Ein leichterer Rotwein wie ein Portugieser ist sanfter und benötigt möglicherweise eine längere Marinierzeit. Ich persönlich bin ein großer Fan von halbtrockenen Rotweinen, die eine schöne Balance zwischen Säure und Süße bieten.
Die Zutaten der Marinade
Die Gewürze, die du verwendest, spielen ebenfalls eine Rolle. Essig, Zitronensaft oder Senf in der Marinade verstärken die zartmachende Wirkung. Kräuter wie Wacholderbeeren, Lorbeerblätter und Thymian verleihen dem Hasen ein wunderbares Aroma.
Meine Empfehlung: Als Faustregel würde ich sagen, dass ein zerteilter, junger Hase etwa 12-24 Stunden in der Marinade verbringen sollte. Ein ganzer, älterer Hase kann gut und gerne 24-48 Stunden darin liegen. Ich habe auch schon von Köchen gehört, die den Hasen bis zu 72 Stunden marinieren – das ist aber Geschmackssache und hängt stark von den anderen Faktoren ab.
Meine Lieblingsmarinade – Ein Rezept für Genießer
Nach all den Jahren habe ich natürlich mein eigenes Lieblingsrezept für die Hasenmarinade entwickelt. Hier ist es für euch:
- 1 Flasche (0,75l) Rotwein (ich nehme gerne einen halbtrockenen Spätburgunder)
- 1 große Zwiebel, in Scheiben geschnitten
- 2 Karotten, in Scheiben geschnitten
- 1 Stange Lauch, in Ringe geschnitten
- 4-5 Wacholderbeeren, leicht angedrückt
- 2 Lorbeerblätter
- 1 TL schwarze Pfefferkörner
- 1/2 TL Thymian, getrocknet oder frisch
- 2 EL Essig (ich bevorzuge Apfelessig)
- 1 EL Senf
- Etwas Salz
Alle Zutaten in einem großen Topf vermischen. Den Hasen (zerteilt oder ganz) hineinlegen und sicherstellen, dass er vollständig mit der Marinade bedeckt ist. Den Topf abdecken und im Kühlschrank lagern. Den Hasen regelmäßig wenden, damit er gleichmäßig mariniert.
Nach dem Marinieren – Die Zubereitung
Nach dem Marinieren den Hasen aus der Marinade nehmen und gut abtropfen lassen. Die Marinade nicht wegwerfen! Sie dient als Basis für die Sauce. Den Hasen salzen und pfeffern und in heißem Öl von allen Seiten anbraten. Das Gemüse aus der Marinade hinzufügen und ebenfalls anbraten. Mit der Marinade ablöschen und etwas Brühe (Wildfond ist natürlich ideal) hinzugeben. Den Hasen zugedeckt im Ofen oder auf dem Herd schmoren lassen, bis er zart ist. Die Garzeit hängt von der Größe des Hasen ab, rechne aber mit mindestens 1,5 bis 2 Stunden.
Die Sauce nach dem Schmoren passieren und eventuell mit etwas Speisestärke oder Mehlschwitze binden. Mit Preiselbeeren, Rotkohl und Kartoffelklößen servieren – und das Festmahl ist perfekt!
Fazit: Experimentieren erlaubt!
Wie ihr seht, ist das Marinieren von Hasen in Rotwein keine exakte Wissenschaft, sondern eher eine Kunst. Experimentiert mit verschiedenen Rotweinen, Gewürzen und Marinierzeiten, bis ihr eure ganz persönliche Lieblingsvariante gefunden habt. Und lasst euch nicht entmutigen, wenn es beim ersten Mal nicht perfekt klappt. Übung macht den Meister – und jeder Hase ist ein neues Abenteuer!
Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Erfahrungen und Tipps weiterhelfen. Und denkt daran: Das Wichtigste ist, dass es euch schmeckt! Bon appétit, oder wie wir hier sagen: Guten Appetit!
