Wie Schreibe Ich Einen Inneren Monolog
Willkommen! Ob du planst, länger in Deutschland zu bleiben, nur auf Besuch bist oder einfach nur dein Deutsch verbessern möchtest, das Schreiben kann eine fantastische Möglichkeit sein, sich mit der Sprache auseinanderzusetzen. Und eine besonders lohnende Übung ist der innere Monolog. Keine Sorge, es ist nicht so kompliziert, wie es klingt! In diesem Artikel zeige ich dir, wie du einen überzeugenden inneren Monolog auf Deutsch verfasst.
Was ist ein innerer Monolog?
Stell dir vor, du könntest die Gedanken einer Person auf Papier bringen. Genau das ist der innere Monolog! Es ist eine schriftliche Darstellung der Gedanken, Gefühle, Reflexionen und Assoziationen einer Figur. Anders als ein Dialog findet er innerhalb des Kopfes der Figur statt. Denk an einen Fluss von Bewusstsein – ein stetiger Strom von Ideen, Erinnerungen und Eindrücken.
Der innere Monolog ist ein beliebtes Stilmittel in der Literatur, um die Persönlichkeit, Motivationen und Konflikte einer Figur zu enthüllen. Er ermöglicht es dem Leser, sich in die Figur hineinzuversetzen und ihre Welt aus ihrer Perspektive zu erleben. Im Gegensatz zu einer einfachen Zusammenfassung von Gedanken, zielt der innere Monolog darauf ab, den authentischen Denkprozess der Figur nachzubilden.
Warum solltest du einen inneren Monolog schreiben?
Es gibt viele gute Gründe, sich mit dem inneren Monolog zu beschäftigen, besonders wenn du Deutsch lernst:
- Verbesserung des Wortschatzes: Du wirst gezwungen sein, nach den passenden Wörtern und Ausdrücken zu suchen, um die Gedanken und Gefühle deiner Figur auszudrücken.
- Entwicklung des Sprachgefühls: Du lernst, wie man natürliche und fließende Sätze bildet, die dem alltäglichen Sprachgebrauch ähneln.
- Kreativität fördern: Du kannst deiner Fantasie freien Lauf lassen und verschiedene Charaktere und Situationen erkunden.
- Verständnis für deutsche Kultur: Indem du dich in die Gedanken einer deutschen Figur hineinversetzt, kannst du ein besseres Verständnis für ihre Kultur und Denkweise entwickeln.
- Persönliche Reflexion: Das Schreiben eines inneren Monologs kann dir auch helfen, deine eigenen Gedanken und Gefühle besser zu verstehen.
Wie schreibe ich einen überzeugenden inneren Monolog?
Hier sind einige Schritte und Tipps, die dir helfen, einen fesselnden inneren Monolog auf Deutsch zu verfassen:
1. Wähle eine Figur und eine Situation
Beginne mit der Auswahl einer Figur. Das kann eine reale Person sein, die du kennst, eine historische Figur oder eine völlig fiktive Gestalt. Überlege dir, wer diese Person ist, was sie ausmacht und welche Rolle sie in deinem Monolog spielen soll. Danach wähle eine bestimmte Situation oder einen Moment im Leben dieser Figur. Was erlebt sie gerade? Was beschäftigt sie? Welche Entscheidungen muss sie treffen? Je klarer du dir über Figur und Situation im Klaren bist, desto leichter wird es dir fallen, dich in ihre Gedankenwelt hineinzuversetzen.
Beispiele:
- Eine Touristin, die zum ersten Mal vor dem Brandenburger Tor steht.
- Ein Koch, der in einer Berliner Großküche arbeitet und über seinen anstrengenden Tag nachdenkt.
- Ein Student, der kurz vor seiner wichtigen Abschlussprüfung steht.
2. Versetze dich in die Figur hinein
Das ist der wichtigste Schritt! Versuche, die Welt aus den Augen deiner Figur zu sehen. Was würde sie denken, fühlen, sehen und hören? Welche Erinnerungen und Assoziationen würden ihr in den Sinn kommen? Stelle dir folgende Fragen: Wie ist ihre Persönlichkeit? Ist sie optimistisch oder pessimistisch? Ist sie ängstlich oder selbstbewusst? Wie spricht sie? Verwendet sie viele Umgangssprache oder eine gehobene Sprache?
Recherchiere, wenn nötig! Wenn du über eine historische Figur schreibst, lies Bücher oder schau Dokumentationen über sie. Wenn du über eine Person in einem bestimmten Beruf schreibst, informiere dich über die typischen Herausforderungen und Freuden dieses Berufs.
3. Schreibe in der Ich-Form und im Präsens
Der innere Monolog wird in der Ich-Form geschrieben, da er die Gedanken der Figur direkt wiedergibt. Verwende in der Regel das Präsens, um den Eindruck eines fortlaufenden Denkprozesses zu erwecken. Verwende aber auch das Perfekt oder Präteritum, wenn die Figur über vergangene Ereignisse nachdenkt.
Beispiel:
"Oh Mann, der Dom ist wirklich riesig. Hätte ich doch meine Sonnenbrille mitgenommen. Blendendes Licht! Und diese ganzen Leute... Hoffentlich finde ich einen ruhigen Platz, um meine Käsebrezel zu essen. Mama hätte gesagt, ich soll nicht so viel Geld für Essen ausgeben. Ach, Mama..."
4. Nutze kurze, abgehackte Sätze und Ellipsen
Gedanken sind oft fragmentarisch und unvollständig. Verwende kurze, abgehackte Sätze, Ellipsen (Auslassungspunkte) und Gedankensprünge, um den natürlichen Fluss der Gedanken zu imitieren. Wiederholungen und Unterbrechungen sind ebenfalls typisch für den inneren Monolog.
Beispiel:
"Die Prüfung morgen... so viel zu lernen. Physik, Mathe, Chemie... Alles durcheinander. Vielleicht sollte ich noch eine Tasse Kaffee trinken. Nein, besser nicht. Dann kann ich nicht schlafen. Schlaf... so wichtig..."
5. Verwende Umgangssprache und Dialekt (wenn passend)
Je nachdem, welche Figur du gewählt hast, kann es sinnvoll sein, Umgangssprache, Dialekt oder Slang zu verwenden. Das verleiht dem Monolog Authentizität und macht ihn lebendiger. Achte aber darauf, dass es zur Persönlichkeit und zum Hintergrund der Figur passt.
Beispiel (Berlinerisch):
"Na, dit is ja 'n Knaller! Der Alex is ja voller Touris. Ick sach ja, Berlin is nich mehr, wat et mal war. Aber die Currywurst riecht jut. Muss ick mir wohl eine jönnen."
6. Zeige, nicht erzähle
Anstatt zu erzählen, wie sich die Figur fühlt, versuche, ihre Gefühle durch ihre Gedanken und Beobachtungen zu zeigen. Nutze Bilder, Vergleiche und Metaphern, um die innere Welt der Figur zu beschreiben.
Beispiel (statt: "Sie war traurig"):
"Der Himmel ist heute grau. Wie Blei. Genau wie mein Herz. Alles fühlt sich so schwer an."
7. Achte auf die Details
Kleine Details können den inneren Monolog besonders lebendig machen. Beschreibe, was die Figur sieht, hört, riecht, schmeckt und fühlt. Welche Geräusche nimmt sie wahr? Welche Gerüche steigen ihr in die Nase? Wie fühlt sich die Sonne auf ihrer Haut an? Solche Details helfen dem Leser, sich in die Situation hineinzuversetzen und die Gedanken der Figur besser nachzuvollziehen.
8. Lass die Figur Fehler machen
Niemand denkt perfekt. Erlaube deiner Figur, Denkfehler zu begehen, sich zu widersprechen oder unlogisch zu sein. Das macht sie menschlicher und glaubwürdiger.
Beispiel:
"Ich muss das schaffen. Ich bin stark. Oder? Nein, ich bin überhaupt nicht stark. Warum habe ich das überhaupt angefangen? Aber jetzt kann ich nicht mehr aufgeben. Ich muss es schaffen! Ich bin stark..."
9. Überarbeite und verfeinere
Wenn du deinen ersten Entwurf fertiggestellt hast, lies ihn sorgfältig durch. Achte darauf, dass der Monolog authentisch klingt und die Persönlichkeit der Figur widerspiegelt. Verbessere die Formulierungen, entferne unnötige Wiederholungen und füge Details hinzu, die den Monolog lebendiger machen. Lass den Monolog am besten von jemand anderem lesen und gib dir Feedback.
Ein Beispiel für einen kurzen inneren Monolog
Okay, tief durchatmen. Das ist es also, der Reichstag. Viel größer, als ich dachte. Und diese Kuppel... Sieht aus wie ein riesiger Glasbauch. Hoffentlich habe ich eine gute Aussicht. War das wirklich eine gute Idee, so früh aufzustehen? Ich bin total müde. Aber egal, ich bin in Berlin! Das muss ich einfach gesehen haben. Wo ist eigentlich mein Handy? Ich muss ein Foto machen... für Mama. Sie wird sich freuen. Und dann... erstmal einen Kaffee. Unbedingt einen Kaffee.
Zusammenfassend
Der innere Monolog ist eine großartige Möglichkeit, dein Deutsch zu verbessern und deine Kreativität zu entfalten. Wähle eine interessante Figur und Situation, versetze dich in ihre Gedankenwelt, schreibe in der Ich-Form und im Präsens, nutze kurze Sätze und Ellipsen und achte auf die Details. Und vergiss nicht: Es gibt keine Regeln! Lass deiner Fantasie freien Lauf und hab Spaß beim Schreiben!
Viel Erfolg und viel Spaß beim Ausprobieren!
