Wie Sieht Ein Arbeitszeugnis Aus
Willkommen in Deutschland! Planen Sie einen längeren Aufenthalt oder sogar einen Umzug? Dann stoßen Sie vielleicht auf den Begriff "Arbeitszeugnis". Keine Sorge, dieses Dokument ist kein Bürokratie-Monster, sondern ein wichtiger Teil der deutschen Arbeitskultur. Dieser Leitfaden erklärt Ihnen alles, was Sie darüber wissen müssen.
Was ist ein Arbeitszeugnis?
Ein Arbeitszeugnis ist ein schriftliches Dokument, das ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer am Ende des Arbeitsverhältnisses ausstellt. Es ist im Grunde genommen eine detaillierte Bewertung der Leistung und des Verhaltens des Arbeitnehmers während seiner Anstellung. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass jeder Arbeitnehmer in Deutschland Anspruch auf ein Arbeitszeugnis hat, unabhängig von der Art des Arbeitsvertrags oder der Dauer der Beschäftigung.
Warum ist ein Arbeitszeugnis wichtig?
Das Arbeitszeugnis ist ein essenzielles Dokument für Ihre zukünftige Karriere. Es dient potenziellen neuen Arbeitgebern als Referenz und gibt ihnen einen Einblick in Ihre Fähigkeiten, Ihre Arbeitsweise und Ihre Persönlichkeit. Ein gutes Arbeitszeugnis kann Ihre Chancen auf eine neue Stelle deutlich erhöhen. Es ist auch wichtig für:
- Bewerbungen: Es ist ein wesentlicher Bestandteil Ihrer Bewerbungsunterlagen.
- Gehaltsverhandlungen: Ein positives Zeugnis kann Ihnen helfen, ein höheres Gehalt auszuhandeln.
- Karriereplanung: Es kann Ihnen helfen, Ihre Stärken und Schwächen zu erkennen und Ihre Karriere entsprechend zu planen.
Wie ist ein Arbeitszeugnis aufgebaut?
Ein Arbeitszeugnis folgt in der Regel einer festen Struktur, die sich in verschiedene Abschnitte unterteilt:
1. Briefkopf
Der Briefkopf enthält die vollständigen Kontaktdaten des Arbeitgebers (Firmenname, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse). Es sollte professionell und fehlerfrei aussehen.
2. Überschrift
Die Überschrift sollte klar und deutlich als "Arbeitszeugnis" oder "Zeugnis" gekennzeichnet sein.
3. Angaben zur Person
Dieser Abschnitt enthält die persönlichen Daten des Arbeitnehmers: Vor- und Nachname, Geburtsdatum und -ort, sowie die genaue Bezeichnung der Position, die der Arbeitnehmer im Unternehmen innehatte.
4. Dauer der Beschäftigung
Hier wird der genaue Zeitraum angegeben, in dem der Arbeitnehmer im Unternehmen beschäftigt war. Dies umfasst den Beginn- und Endtermin des Arbeitsverhältnisses.
5. Aufgabenbeschreibung
Dieser Abschnitt ist besonders wichtig, da er die Hauptaufgaben und Verantwortlichkeiten des Arbeitnehmers detailliert beschreibt. Je nach Position kann dies eine Liste von einzelnen Aufgaben oder eine ausführlichere Beschreibung der Tätigkeiten sein.
6. Leistungsbeurteilung
Die Leistungsbeurteilung ist das Herzstück des Arbeitszeugnisses. Hier wird die Qualität der Arbeit des Arbeitnehmers bewertet. Üblicherweise wird hier eine sogenannte Geheimsprache verwendet, die es Außenstehenden ermöglicht, die tatsächliche Leistung des Arbeitnehmers einzuschätzen. Typische Formulierungen sind:
- "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" (Note 1 - sehr gut)
- "stets zu unserer vollen Zufriedenheit" (Note 2 - gut)
- "zu unserer vollen Zufriedenheit" (Note 3 - befriedigend)
- "zu unserer Zufriedenheit" (Note 4 - ausreichend)
- "im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" (Note 5 - mangelhaft)
Die Leistungsbeurteilung kann auch Aussagen zur Arbeitsweise (z.B. selbstständig, sorgfältig, zuverlässig), zur Belastbarkeit und zur Erfolgsbilanz des Arbeitnehmers enthalten.
7. Verhaltensbeurteilung
Dieser Abschnitt bewertet das Verhalten des Arbeitnehmers gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden. Auch hier wird oft eine spezielle Formulierung verwendet. Positive Formulierungen sind beispielsweise:
- "Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei."
- "Er/Sie war ein/e stets geschätzte/r Mitarbeiter/in."
Ein Fehlen dieser Formulierung oder eine negative Formulierung (z.B. "Sein/Ihr Verhalten war im Allgemeinen korrekt.") können negative Signale senden.
8. Grund für das Ausscheiden
Hier wird der Grund für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses angegeben. Dies kann beispielsweise eine Kündigung durch den Arbeitnehmer, eine Kündigung durch den Arbeitgeber oder das Auslaufen eines befristeten Arbeitsvertrags sein.
9. Schlussformel
Die Schlussformel ist eine wichtige Geste des Arbeitgebers. Sie drückt Dankbarkeit für die geleistete Arbeit aus und wünscht dem Arbeitnehmer alles Gute für die Zukunft. Eine typische Schlussformel lautet:
"Wir danken Herrn/Frau [Nachname] für die stets gute Zusammenarbeit und wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg."
Eine fehlende oder verkürzte Schlussformel kann als negatives Signal interpretiert werden.
10. Datum und Unterschrift
Das Arbeitszeugnis muss datiert und vom Arbeitgeber (oder einem bevollmächtigten Vertreter) unterschrieben sein. Die Unterschrift sollte idealerweise vom direkten Vorgesetzten oder einem Mitglied der Geschäftsleitung stammen.
Arten von Arbeitszeugnissen
Es gibt zwei Haupttypen von Arbeitszeugnissen:
1. Einfaches Arbeitszeugnis
Das einfache Arbeitszeugnis enthält lediglich Angaben zur Person und zur Art und Dauer der Beschäftigung. Es enthält keine Leistungs- oder Verhaltensbeurteilung.
2. Qualifiziertes Arbeitszeugnis
Das qualifizierte Arbeitszeugnis ist wesentlich aussagekräftiger. Es enthält neben den Angaben aus dem einfachen Arbeitszeugnis auch eine detaillierte Leistungs- und Verhaltensbeurteilung.
Normalerweise hat ein Arbeitnehmer Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Was tun, wenn das Arbeitszeugnis schlecht ist?
Wenn Sie mit Ihrem Arbeitszeugnis nicht zufrieden sind, weil es beispielsweise Fehler enthält, negative Formulierungen verwendet oder wichtige Aufgaben nicht erwähnt, haben Sie das Recht, eine Korrektur zu verlangen. Hier sind einige Schritte, die Sie unternehmen können:
- Gespräch suchen: Sprechen Sie zunächst mit Ihrem ehemaligen Vorgesetzten oder der Personalabteilung und erklären Sie Ihre Bedenken.
- Schriftliche Beanstandung: Wenn das Gespräch nicht erfolgreich ist, reichen Sie eine schriftliche Beanstandung ein, in der Sie die konkreten Punkte benennen, die Sie ändern möchten.
- Anwalt einschalten: Wenn auch die schriftliche Beanstandung nicht zum Erfolg führt, können Sie einen Anwalt für Arbeitsrecht einschalten. Dieser kann Ihre Ansprüche gerichtlich durchsetzen.
Wichtig: Sie haben in der Regel nur eine begrenzte Zeit (meistens wenige Wochen bis Monate) nach Erhalt des Zeugnisses, um Einspruch zu erheben. Handeln Sie daher schnell.
Zusammenfassung
Das Arbeitszeugnis ist ein wichtiges Dokument in Deutschland, das Ihre Leistung und Ihr Verhalten während Ihrer Anstellung bewertet. Es ist essenziell für Ihre zukünftige Karriere und sollte sorgfältig geprüft werden. Verstehen Sie die Struktur und die "Geheimsprache" des Arbeitszeugnisses, um Ihre Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu maximieren. Und scheuen Sie sich nicht, eine Korrektur zu verlangen, wenn Sie mit dem Inhalt nicht einverstanden sind. Viel Erfolg bei Ihrer Karriere in Deutschland!
Wir hoffen, dieser Leitfaden hat Ihnen geholfen, das Arbeitszeugnis besser zu verstehen. Genießen Sie Ihren Aufenthalt in Deutschland und nutzen Sie die Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten!
