Wie Sieht Ein Gutes Arbeitszeugnis Aus
Das Arbeitszeugnis: Ein Dokument, das oft unterschätzt wird, aber von entscheidender Bedeutung für die berufliche Zukunft sein kann. Es ist nicht nur eine formale Bescheinigung über die Dauer und Art der Beschäftigung, sondern vielmehr eine detaillierte Bewertung der erbrachten Leistungen und des Verhaltens eines Mitarbeiters. Doch wie sieht ein gutes Arbeitszeugnis eigentlich aus? Und welche Aspekte sind besonders zu beachten, um sicherzustellen, dass es den eigenen Fähigkeiten und Leistungen gerecht wird?
Die Struktur eines guten Arbeitszeugnisses
Ein vollständiges Arbeitszeugnis besteht in der Regel aus mehreren standardisierten Abschnitten, die eine klare und nachvollziehbare Beurteilung ermöglichen. Die Struktur folgt dabei einer gewissen Logik, die es sowohl dem Arbeitnehmer als auch potenziellen zukünftigen Arbeitgebern erlaubt, die relevanten Informationen schnell zu erfassen.
Einleitung
Die Einleitung beginnt mit den persönlichen Daten des Arbeitnehmers (Name, Geburtsdatum) sowie der genauen Bezeichnung des Unternehmens. Anschließend wird die Dauer der Beschäftigung präzise angegeben. Ein guter Einleitungssatz sollte bereits einen positiven ersten Eindruck vermitteln, beispielsweise durch eine Formulierung wie: "Frau/Herr [Name] war vom [Datum] bis zum [Datum] in unserem Unternehmen als [Position] tätig." Besondere Aufmerksamkeit sollte hierbei der korrekten Schreibweise des Namens und der Positionsbezeichnung gelten.
Aufgabenbeschreibung
Dieser Abschnitt ist von großer Bedeutung, da er einen Überblick über die wesentlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Arbeitnehmers gibt. Die Beschreibung sollte detailliert und präzise sein, um ein klares Bild der ausgeübten Tätigkeit zu vermitteln. Es ist wichtig, dass die Aufgaben nicht nur aufgezählt, sondern auch in ihrem Kontext und ihrer Bedeutung für das Unternehmen dargestellt werden. Formulierungen wie "Verantwortlich für die Leitung des Projektteams [Projektname]" oder "Selbstständige Durchführung von [Aufgabe]" sind hier angebracht. Je umfassender und präziser die Aufgabenbeschreibung ist, desto besser können sich zukünftige Arbeitgeber ein Bild von den erworbenen Fähigkeiten machen.
Leistungsbeurteilung
Die Leistungsbeurteilung ist das Herzstück des Arbeitszeugnisses. Hier wird die Qualität der Arbeitsleistung des Arbeitnehmers bewertet. Die Beurteilung erfolgt in der Regel anhand von festgelegten Kriterien wie Fachwissen, Arbeitsweise, Engagement, Ergebnisorientierung und Belastbarkeit. Üblicherweise werden hier sogenannte "Geheimcodes" verwendet, die jedoch anhand bestimmter Formulierungen entziffert werden können. "Stets zur vollsten Zufriedenheit" entspricht beispielsweise der Bestnote, während "zur vollen Zufriedenheit" eine gute Leistung bescheinigt. Abstufungen wie "im Allgemeinen zufriedenstellend" oder "mit Einschränkungen zufriedenstellend" deuten hingegen auf Defizite hin. Ein gutes Arbeitszeugnis zeichnet sich durch eine positive und differenzierte Leistungsbeurteilung aus, die die Stärken des Arbeitnehmers hervorhebt und konkrete Beispiele für erfolgreiche Projekte oder herausragende Leistungen nennt.
Verhaltensbeurteilung
Neben der Leistungsbeurteilung ist auch die Bewertung des Sozialverhaltens von Bedeutung. Hier wird beurteilt, wie sich der Arbeitnehmer gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden verhalten hat. Ein gutes Arbeitszeugnis bescheinigt ein einwandfreies Verhalten und betont positive Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und Zuverlässigkeit. Formulierungen wie "Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei" oder "Er/Sie war ein/e geschätzte/r und loyale/r Mitarbeiter/in" sind typisch für eine positive Verhaltensbeurteilung. Hier ist es wichtig, dass die Formulierungen authentisch wirken und nicht nur oberflächlich wiedergegeben werden.
Schlussformulierung
Die Schlussformulierung ist ein wichtiger Bestandteil des Arbeitszeugnisses, da sie den Gesamteindruck abrundet. In der Regel bedankt sich der Arbeitgeber für die geleistete Arbeit und wünscht dem Arbeitnehmer alles Gute für die Zukunft. Eine wirklich gute Schlussformulierung drückt zudem Bedauern über das Ausscheiden des Mitarbeiters aus und betont, dass man ihn/sie gerne im Unternehmen behalten hätte. Formulierungen wie "Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr und wünschen ihm/ihr für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg" oder "Wir danken ihm/ihr für die stets gute Zusammenarbeit und bedauern, ihn/sie als Mitarbeiter/in zu verlieren" sind ein Zeichen für eine hohe Wertschätzung. Fehlt eine solche Bedauernsbekundung, kann dies als negatives Signal interpretiert werden.
Die Sprache des Arbeitszeugnisses: Zwischen Klarheit und Verschlüsselung
Die Sprache des Arbeitszeugnisses ist oft von einer gewissen Doppeldeutigkeit geprägt. Einerseits soll das Zeugnis klar und verständlich sein, andererseits werden bestimmte Formulierungen verwendet, um subtile Botschaften zu vermitteln. Diese "Geheimcodes" sind zwar nicht mehr so verbreitet wie früher, dennoch ist es wichtig, sich ihrer bewusst zu sein.
"Ein Arbeitszeugnis ist wie ein verschlüsselter Brief: Man muss zwischen den Zeilen lesen, um die wahre Bedeutung zu erfassen."
Beispielsweise kann die Formulierung "Er/Sie war stets bemüht" als Kritik interpretiert werden, da sie impliziert, dass der Mitarbeiter zwar versucht hat, gute Leistungen zu erbringen, dies aber nicht immer gelungen ist. Auch die Reihenfolge der genannten Eigenschaften kann eine Rolle spielen: Werden positive Eigenschaften erst nach negativen genannt, deutet dies darauf hin, dass die negativen Eigenschaften stärker ins Gewicht fallen. Die Kunst des Zeugnisschreibens liegt darin, eine Balance zwischen positiver Darstellung und ehrlicher Bewertung zu finden.
Was tun bei einem schlechten Arbeitszeugnis?
Nicht jedes Arbeitszeugnis ist perfekt. Wenn man den Eindruck hat, dass das Zeugnis ungerechtfertigt negativ ausfällt, hat man das Recht, Einspruch zu erheben. Zunächst sollte man das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen und versuchen, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Gelingt dies nicht, kann man eine Klage vor dem Arbeitsgericht einreichen. Dabei ist es wichtig, die Beweislast zu beachten: Der Arbeitnehmer muss darlegen, dass die Beurteilung unzutreffend ist. Es empfiehlt sich, sich von einem Anwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen, um die Erfolgsaussichten einer Klage realistisch einzuschätzen. Es ist wichtig, frühzeitig zu handeln, da für die Einreichung einer Klage Fristen gelten.
Das Arbeitszeugnis als Visitenkarte für die Zukunft
Abschließend lässt sich sagen, dass ein gutes Arbeitszeugnis mehr ist als nur ein formales Dokument. Es ist eine Visitenkarte für die berufliche Zukunft, die potenzielle Arbeitgeber über die eigenen Fähigkeiten und Leistungen informiert. Daher sollte man dem Arbeitszeugnis die entsprechende Aufmerksamkeit schenken und sicherstellen, dass es den eigenen Qualifikationen und Erfahrungen gerecht wird. Eine sorgfältige Prüfung und gegebenenfalls eine Korrektur sind unerlässlich, um die eigenen Karrierechancen zu maximieren.
