Wie Weit Muss Die Tattoo Nadel Raus
Viele Faktoren tragen zu einem guten Tattoo bei, aber einer der grundlegendsten ist die richtige Nadeltiefe. Gerade für Neu-Tätowierer oder Personen, die sich in Deutschland tätowieren lassen möchten, ist es wichtig, die Richtlinien und optimalen Einstellungen zu verstehen. Eine falsche Nadeltiefe kann zu einer Reihe von Problemen führen, von schlechter Farbverteilung bis hin zu Narbenbildung. Dieser Artikel soll Ihnen ein klares Verständnis davon vermitteln, wie weit die Tattoo-Nadel herausragen sollte.
Grundlagen der Tattoo-Nadeln
Bevor wir uns mit der idealen Nadeltiefe befassen, ist es wichtig, die verschiedenen Arten von Tattoo-Nadeln und ihre jeweiligen Anwendungen zu verstehen.
Arten von Tattoo-Nadeln
- Round Liners (RL): Diese Nadeln sind eng gruppiert und werden hauptsächlich für feine Linien, Konturen und detaillierte Arbeiten verwendet.
- Round Shaders (RS): Ähnlich wie Round Liners, aber lockerer gruppiert. Sie werden zum Schattieren kleiner Bereiche verwendet.
- Magnum Shaders (MG): Diese Nadeln sind in einer geraden Linie angeordnet und werden zum Ausfüllen großer Flächen und zum Schattieren verwendet. Es gibt verschiedene Konfigurationen wie Curved Magnums (CM), die eine sanftere Schattierung ermöglichen.
- Flat Shaders (F): Diese Nadeln sind wie Magnum Shaders in einer geraden Linie angeordnet, aber weniger dicht. Sie werden für geometrische Muster und Schattierungen verwendet.
Bestandteile einer Tattoo-Nadel
Eine Tattoo-Nadel besteht im Wesentlichen aus einer Nadelstange, an der die eigentlichen Nadeln befestigt sind. Die Länge und der Durchmesser der Nadeln variieren. Die "Taper" bezeichnet die Länge der Verjüngung der Nadelspitze. Längere Taper sind besser für feine Linien und sanfte Schattierungen geeignet, während kürzere Taper mehr Farbe abgeben und sich für kräftige Linien eignen.
Die Bedeutung der richtigen Nadeltiefe
Die Nadeltiefe bezieht sich auf die Strecke, die die Nadel aus der Tattoomaschine herausragt und in die Haut eindringt. Die richtige Tiefe ist entscheidend für den Erfolg des Tattoos.
- Zu flach: Wenn die Nadel nicht tief genug eindringt, wird die Tinte in die Epidermis (die oberste Hautschicht) eingebracht. Da sich die Epidermis ständig erneuert, wird das Tattoo schnell verblassen und ungleichmäßig aussehen.
- Zu tief: Wenn die Nadel zu tief eindringt, erreicht sie die Subkutis (die unterste Hautschicht). Dies kann zu "Blowouts" führen, bei denen sich die Tinte unter der Haut ausbreitet und unscharfe, verschwommene Linien entstehen. Außerdem erhöht es das Risiko von Narbenbildung.
- Genau richtig: Die ideale Tiefe ist die Dermis, die mittlere Hautschicht. Hier bleiben die Tintenpartikel stabil und das Tattoo bleibt langfristig klar und definiert.
Wie weit sollte die Tattoo-Nadel herausragen?
Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach und hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Faktoren, die die Nadeltiefe beeinflussen
- Hauttyp: Die Dicke der Haut variiert von Person zu Person und auch an verschiedenen Körperstellen. Dünnere Haut, z. B. an den Rippen oder am Handgelenk, erfordert eine geringere Nadeltiefe als dickere Haut, z. B. am Oberschenkel oder am Rücken.
- Nadeltyp: Round Liners benötigen in der Regel eine geringere Tiefe als Magnum Shaders.
- Tätowiertechnik: Verschiedene Tätowiertechniken, wie z. B. Lining, Shading oder Color Packing, erfordern unterschiedliche Nadeltiefen.
- Maschinentyp: Rotary- und Spulenmaschinen haben unterschiedliche Leistungs- und Hublängen, was sich auf die benötigte Nadeltiefe auswirkt.
Allgemeine Richtlinien
Obwohl es keine allgemeingültige Antwort gibt, kann man sich an folgenden Richtlinien orientieren:
- Anfänger: Für Anfänger wird empfohlen, mit einer geringen Nadeltiefe zu beginnen und diese dann schrittweise zu erhöhen, bis die Tinte richtig in die Haut eingebracht wird.
- Allgemeine Faustregel: Eine übliche Empfehlung ist, dass die Nadel zwischen 1 und 2 mm aus der Spitze der Tattoodüse herausragen sollte. Dies ist jedoch nur ein Ausgangspunkt und muss je nach den oben genannten Faktoren angepasst werden.
- Test auf künstlicher Haut: Bevor man mit dem Tätowieren auf echter Haut beginnt, sollte man die Nadeltiefe und die Technik auf künstlicher Haut üben.
Visuelle Hinweise
Neben den numerischen Richtlinien gibt es auch visuelle Hinweise, die Ihnen helfen können, die richtige Nadeltiefe zu bestimmen:
- Beobachtung der Haut: Achten Sie darauf, wie die Haut auf die Nadel reagiert. Sie sollte leicht eindellen, aber nicht übermäßig stark verletzt werden.
- Tintenaufnahme: Die Tinte sollte gleichmäßig und ohne übermäßige Blutungen in die Haut eingebracht werden.
- Klang: Das Geräusch der Tattoomaschine kann Ihnen ebenfalls Hinweise geben. Ein gleichmäßiges, leises Summen deutet in der Regel auf eine korrekte Nadeltiefe hin. Ein lautes oder rasselndes Geräusch kann bedeuten, dass die Nadel zu tief oder zu flach ist.
Wie man die Nadeltiefe anpasst
Die meisten Tattoomaschinen verfügen über eine Möglichkeit, die Nadeltiefe einzustellen. Bei Spulenmaschinen kann dies durch Anpassen der Kontaktfeder und des Hubs erfolgen. Bei Rotary-Maschinen wird die Nadeltiefe in der Regel über ein Einstellrad oder eine Schraube an der Maschine selbst oder am Griff (Grip) eingestellt.
Wichtig: Nehmen Sie kleine Anpassungen vor und testen Sie die Nadeltiefe nach jeder Anpassung auf künstlicher Haut oder an einer unauffälligen Stelle auf der Haut (z. B. am Oberschenkel), bevor Sie mit dem eigentlichen Tattoo beginnen.
Häufige Probleme und Lösungen
Blowouts
Blowouts entstehen, wenn die Tinte zu tief in die Haut eingebracht wird. Sie äußern sich in unscharfen, verschwommenen Linien um das Tattoo herum.
- Ursache: Zu tiefe Nadeltiefe, falscher Winkel der Maschine, übermäßige Dehnung der Haut.
- Lösung: Reduzieren Sie die Nadeltiefe, achten Sie auf den richtigen Winkel der Maschine (ca. 45 Grad), und dehnen Sie die Haut nicht zu stark.
Ink Fall Out
Ink Fall Out bedeutet, dass die Tinte nicht richtig in der Haut gehalten wird und während des Heilungsprozesses herausfällt.
- Ursache: Zu geringe Nadeltiefe, falsche Technik, schlechte Hautvorbereitung.
- Lösung: Erhöhen Sie die Nadeltiefe leicht, achten Sie auf eine gleichmäßige Bewegung und stellen Sie sicher, dass die Haut vor dem Tätowieren richtig gereinigt und vorbereitet wurde.
Narbenbildung
Narbenbildung kann entstehen, wenn die Haut zu stark verletzt wird.
- Ursache: Zu tiefe Nadeltiefe, übermäßiges Bearbeiten einer Stelle, falsche Nachsorge.
- Lösung: Achten Sie auf die richtige Nadeltiefe, vermeiden Sie es, eine Stelle mehrmals zu tätowieren, und befolgen Sie die Anweisungen zur richtigen Nachsorge.
Zusammenfassung
Die richtige Nadeltiefe ist ein entscheidender Faktor für die Qualität und Langlebigkeit eines Tattoos. Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie weit die Tattoo-Nadel herausragen sollte, da dies von verschiedenen Faktoren abhängt. Es ist wichtig, die Grundlagen der Tattoo-Nadeln, die verschiedenen Hauttypen und die verschiedenen Tätowiertechniken zu verstehen. Durch Übung, Beobachtung und die Berücksichtigung der oben genannten Richtlinien können Tätowierer (und zukünftige Tattoo-Kunden!) sicherstellen, dass sie die bestmöglichen Ergebnisse erzielen. Denken Sie daran, dass die Sicherheit und das Wohlbefinden des Kunden immer oberste Priorität haben sollten. Im Zweifelsfall ist es immer besser, sich von erfahrenen Tätowierern beraten zu lassen oder zusätzliche Schulungen zu absolvieren.
Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Wenn Sie Fragen oder Bedenken bezüglich des Tätowierens haben, wenden Sie sich bitte an einen qualifizierten Tätowierer.
