Wie Wir Uns Rassismus Beibringen
Liebe Reisefreunde,
Ich sitze hier in einem kleinen Café in Lissabon, die Sonne scheint durch die Blätter einer Palme und ich nippe an einem Galao. Die Atmosphäre ist entspannt, friedlich… perfekt, um über ein Thema nachzudenken, das mir schon lange unter den Nägeln brennt. Ein Thema, das uns alle betrifft, egal woher wir kommen und wohin wir reisen: Rassismus. Und vor allem, wie wir uns Rassismus beibringen. Ich weiß, das klingt vielleicht schwer und unangenehm, aber ich glaube, es ist wichtig, darüber zu sprechen, besonders wenn wir die Welt bereisen und neue Kulturen kennenlernen.
Meine persönliche Reise zur Erkenntnis
Ich selbst bin nicht frei von Vorurteilen aufgewachsen. Als Kind, in einer kleinen Stadt in Deutschland, war meine Welt recht homogen. Die Menschen sahen ähnlich aus, sprachen ähnlich und teilten ähnliche Werte. Alles, was anders war, wurde oft mit Skepsis betrachtet. Ich erinnere mich an abfällige Bemerkungen über „die Türken“ oder „die Polen“, die ich von Erwachsenen aufschnappte. Unbewusst, versteht sich, aber diese Bemerkungen sickerten in mein Unterbewusstsein und formten meine Wahrnehmung. Das war mein erster, unbewusster Kontakt mit Rassismus.
Es dauerte einige Zeit, bis ich begann, diese frühen Prägungen zu hinterfragen. Es war vor allem meine Reiselust, die mich dazu brachte, mich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen und meine eigenen Annahmen zu überdenken. Meine erste längere Reise führte mich nach Südostasien. Ich war überwältigt von der Schönheit der Natur, der Freundlichkeit der Menschen und der Vielfalt der Kulturen. Aber ich bemerkte auch, dass ich oft mit einem "westlichen Blick" auf die Dinge schaute. Ich verglich alles mit dem, was ich kannte, und bewertete es dementsprechend. Zum Beispiel fand ich das Essen anfangs "seltsam" oder die Lebensweise "unorganisiert".
Wie wir lernen, anders zu bewerten
Das ist ein wichtiger Punkt: Rassismus beginnt oft mit einer Bewertung von "anders" als "schlechter". Wir neigen dazu, unsere eigene Kultur als Maßstab zu nehmen und alles, was davon abweicht, als minderwertig zu betrachten. Das ist natürlich Unsinn. Jede Kultur hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, ihre eigenen Werte und Traditionen. Anstatt zu bewerten, sollten wir versuchen, zu verstehen.
Ein Schlüsselerlebnis hatte ich in Vietnam. Ich besuchte ein kleines Dorf in den Bergen, in dem die Menschen noch immer traditionell lebten. Ich war fasziniert von ihrer Lebensweise, aber ich bemerkte auch, dass ich sie unbewusst "exotisiert" hatte. Ich betrachtete sie als eine Art "lebendes Museum", anstatt sie als echte Menschen mit ihren eigenen Freuden, Sorgen und Träumen zu sehen. Erst als ich mit einigen Dorfbewohnern ins Gespräch kam, merkte ich, wie oberflächlich meine Wahrnehmung war. Sie erzählten mir von ihren Herausforderungen, ihren Hoffnungen und ihren Ängsten. Ich erkannte, dass wir uns im Grunde nicht so unterschiedlich waren.
"Reisen ist tödlich für Vorurteile, Bigotterie und Engstirnigkeit, und viele unserer Leute brauchen es dringend, um zu diesen Gründen zu gelangen. Weite, gesunde, wohltätige Ansichten von Menschen und Dingen können nicht erlangt werden, indem man sein ganzes Leben in einem kleinen Winkel der Erde verbringt." – Mark Twain
Die Rolle der Medien
Ein weiterer Faktor, der zur Entstehung von Rassismus beiträgt, ist die Darstellung von Minderheiten in den Medien. Oft werden Stereotypen verstärkt und negative Bilder verbreitet. Ich erinnere mich an Berichte über Flüchtlinge, die immer wieder als "Problem" oder "Belastung" dargestellt wurden. Diese Darstellung trug dazu bei, Ängste und Vorurteile zu schüren. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Medien oft eine verzerrte Realität präsentieren und dass es unsere Verantwortung ist, uns ein eigenes Bild zu machen.
Als ich in Deutschland war, bemerkte ich oft, wie unreflektiert in Filmen und Serien mit Klischees umgegangen wurde. Der "böse Russe", der "dumme Blonde", der "verschlagene Geschäftsmann aus dem Nahen Osten" – diese Bilder prägen unsere Wahrnehmung und tragen dazu bei, dass wir Menschen in Schubladen stecken. Wir müssen lernen, kritisch mit Medien umzugehen und uns bewusst zu machen, dass sie oft nicht die ganze Wahrheit zeigen.
Was können wir tun?
Die gute Nachricht ist, dass wir etwas gegen Rassismus tun können. Hier sind ein paar Tipps, die mir auf meinen Reisen geholfen haben:
- Sei neugierig: Gehe offen auf andere Kulturen zu und versuche, sie zu verstehen. Stelle Fragen, lese Bücher, schaue Dokumentationen. Je mehr du über andere Kulturen weißt, desto weniger Raum haben Vorurteile.
- Hinterfrage deine eigenen Annahmen: Bist du dir bewusst, welche Vorurteile du hast? Woher kommen sie? Sind sie wirklich begründet?
- Sprich über Rassismus: Schweigen ist keine Lösung. Sprich mit Freunden, Familie und Kollegen über das Thema. Teile deine Erfahrungen und höre auf die Erfahrungen anderer.
- Unterstütze Initiativen, die sich gegen Rassismus engagieren: Es gibt viele Organisationen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen. Informiere dich und unterstütze sie.
- Reise bewusst: Vermeide Pauschalreisen und touristische Hotspots. Suche den Kontakt zu Einheimischen und lerne von ihnen.
Vor allem aber: Sei ein Mensch. Behandle jeden mit Respekt und Würde, egal woher er kommt oder wie er aussieht. Versuche, die Welt durch die Augen anderer zu sehen und dich in ihre Lage zu versetzen. Empathie ist der Schlüssel, um Rassismus abzubauen.
Meine Empfehlungen für bewusstes Reisen
Hier sind ein paar Orte und Aktivitäten, die mir geholfen haben, meine Perspektive zu erweitern und meine Vorurteile abzubauen:
- Besuche Gedenkstätten: Orte wie Auschwitz-Birkenau oder das Apartheid Museum in Johannesburg erinnern uns an die Schrecken der Vergangenheit und mahnen uns, die Fehler der Geschichte nicht zu wiederholen.
- Engagiere dich in sozialen Projekten: Hilf in einem Waisenhaus in Kambodscha oder arbeite auf einer Farm in Peru. Durch den direkten Kontakt mit Menschen in Not kannst du deine Privilegien hinterfragen und deine Dankbarkeit für das, was du hast, stärken.
- Nimm an interkulturellen Workshops teil: Es gibt viele Organisationen, die Workshops anbieten, in denen du mehr über andere Kulturen lernen und deine interkulturellen Kompetenzen verbessern kannst.
- Lerne eine neue Sprache: Eine neue Sprache zu lernen öffnet dir nicht nur die Tür zu einer neuen Kultur, sondern hilft dir auch, deine eigene Sprache und Kultur besser zu verstehen.
- Lass dich überraschen: Plane nicht jeden Tag deiner Reise durch. Sei offen für spontane Begegnungen und unerwartete Erlebnisse.
Die Welt ist voller Wunder und Schönheit. Lass uns gemeinsam dafür sorgen, dass wir sie mit offenen Augen und offenen Herzen entdecken.
Ich hoffe, dieser Artikel hat dich zum Nachdenken angeregt. Teile deine Gedanken und Erfahrungen gerne in den Kommentaren. Lasst uns gemeinsam eine Welt ohne Rassismus schaffen!
Bis zum nächsten Mal,
Eure reiselustige Freundin
