Wie Wird Das Passive Gebildet
Hallo liebe Reisefreunde! Stell dir vor, du bist in Berlin, schlenderst durch die belebten Straßen und möchtest verstehen, was die Leute um dich herum sagen. Oder du liest ein spannendes Buch über deutsche Geschichte und stolperst immer wieder über Sätze, die irgendwie komisch klingen. Die Rede ist vom Passiv! Keine Angst, es ist nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick scheint. Ich nehme dich heute mit auf eine kleine Entdeckungsreise durch die deutsche Grammatik, speziell das Passiv. Und keine Sorge, wir machen das ganz entspannt, wie ein gemütlicher Spaziergang durch einen sonnigen Park.
Was ist das Passiv überhaupt?
Das Passiv ist im Grunde genommen eine Art "Sichtweisenwechsel" im Satz. Anstatt zu betonen, wer etwas tut, liegt der Fokus darauf, was getan wird oder wem etwas geschieht. Denk an einen Regisseur, der die Kamera auf das Ereignis und nicht unbedingt auf den Akteur richtet.
Stell dir vor, du siehst, wie jemand ein Brot backt. Im Aktivsatz sagst du: "Der Bäcker backt das Brot." Hier ist der Bäcker der Handelnde, das Subjekt. Im Passiv würde der Satz lauten: "Das Brot wird gebacken." Plötzlich ist das Brot im Mittelpunkt, es ist das Subjekt, aber es "tut" nichts aktiv. Es wird vielmehr "behandelt", es widerfährt ihm etwas.
Wie wird das Passiv gebildet?
Jetzt wird es ein bisschen technischer, aber keine Sorge, wir zerlegen das in kleine, verdauliche Häppchen. Im Deutschen gibt es zwei Hauptarten des Passivs: das Vorgangspassiv und das Zustandspassiv.
Das Vorgangspassiv: Der Prozess im Fokus
Das Vorgangspassiv beschreibt einen Vorgang oder eine Handlung, die gerade passiert oder passiert ist. Es wird gebildet mit:
werden + Partizip II
Das Partizip II kennst du vielleicht schon von der Perfekt- und Plusquamperfektbildung. Es ist die "ge-" Form des Verbs. Zum Beispiel: gebacken, gekauft, gesehen.
Schauen wir uns einige Beispiele an:
- Aktiv: Der Künstler malt das Bild.
- Passiv: Das Bild wird (gemalt).
Wie du siehst, wird das Verb "malen" zu "gemalt" (Partizip II) und mit "werden" kombiniert. Achte darauf, dass "werden" konjugiert wird, also an die jeweilige Zeitform angepasst wird.
Hier noch weitere Beispiele in verschiedenen Zeitformen:
- Präsens: Das Auto wird repariert. (Das Auto wird gerade repariert.)
- Präteritum: Das Auto wurde repariert. (Das Auto wurde repariert.)
- Perfekt: Das Auto ist repariert worden. (Das Auto ist repariert worden.)
- Plusquamperfekt: Das Auto war repariert worden. (Das Auto war repariert worden.)
- Futur I: Das Auto wird repariert werden. (Das Auto wird repariert werden.)
Beim Perfekt und Plusquamperfekt des Passivs kommt ein kleines, aber wichtiges Detail hinzu: das Hilfsverb "sein" und das Partizip II von "werden", nämlich "worden". Im Futur I steht "werden" sogar doppelt!
Wer war's? Der Agens im Passiv
Manchmal möchten wir im Passivsatz trotzdem erwähnen, wer die Handlung ausgeführt hat. Das machen wir mit der Präposition "von" oder "durch".
- von: Wird verwendet, wenn der Handelnde eine Person oder ein konkretes Wesen ist. Beispiel: Das Buch wurde von dem Autor geschrieben.
- durch: Wird verwendet, wenn der Handelnde eine Sache oder ein abstraktes Mittel ist. Beispiel: Das Fenster wurde durch den Wind geöffnet.
Du siehst, die Wahl der Präposition hängt davon ab, wer oder was die Handlung verursacht hat.
Das Zustandspassiv: Das Ergebnis im Blick
Das Zustandspassiv beschreibt nicht den Vorgang selbst, sondern den Zustand, der aus dem Vorgang resultiert. Es wird gebildet mit:
sein + Partizip II
Der Unterschied zum Vorgangspassiv ist also das Hilfsverb "sein" anstelle von "werden". Das Zustandspassiv beschreibt einen Zustand, der bereits eingetreten ist.
Beispiele:
- Aktiv: Jemand hat die Tür geöffnet.
- Zustandspassiv: Die Tür ist geöffnet. (Die Tür ist im Zustand des Geöffnetseins.)
Weitere Beispiele:
- Das Haus ist verkauft. (Das Haus ist im Zustand des Verkauftseins, es gehört nicht mehr dem vorherigen Besitzer.)
- Die Aufgabe ist erledigt. (Die Aufgabe ist im Zustand des Erledigtseins, sie muss nicht mehr gemacht werden.)
Achte darauf, dass das Zustandspassiv in der Regel nur im Präsens und Präteritum verwendet wird. Für andere Zeitformen wird meistens das Vorgangspassiv verwendet, um den Prozess zu betonen.
Wann benutzt man das Passiv?
Das Passiv ist besonders nützlich, wenn:
- Der Handelnde unbekannt oder unwichtig ist. Beispiel: Hier wird Deutsch gesprochen. (Es ist unwichtig, wer genau Deutsch spricht.)
- Der Fokus auf der Handlung oder dem Ergebnis liegt. Beispiel: Das Problem wurde gelöst. (Es ist wichtiger, dass das Problem gelöst wurde, als wer es gelöst hat.)
- Man sich neutral oder distanziert ausdrücken möchte. Beispiel: Es wird darauf hingewiesen, dass... (Eine formelle Formulierung, um niemanden direkt anzusprechen.)
In der deutschen Sprache wird das Passiv häufiger verwendet als im Englischen, insbesondere in formellen Texten, wissenschaftlichen Arbeiten und Nachrichtenberichten.
Typische Fehler und wie man sie vermeidet
Beim Lernen des Passivs schleichen sich oft Fehler ein. Hier sind ein paar typische Stolpersteine und Tipps, wie du sie umgehen kannst:
- Verwechslung von "werden" und "sein": Achte genau darauf, ob du einen Vorgang (werden + Partizip II) oder einen Zustand (sein + Partizip II) beschreiben möchtest.
- Falsche Zeitformen: Übe die Konjugation von "werden" und "sein" in den verschiedenen Zeitformen.
- Vergessen von "worden" im Perfekt und Plusquamperfekt: Denke daran, dass "worden" zum Passiv im Perfekt und Plusquamperfekt dazugehört.
- Falsche Präpositionen beim Agens: Überlege genau, ob der Handelnde eine Person ("von") oder eine Sache ("durch") ist.
Passiv im Alltag: Zuhören und Verstehen
Um dein Verständnis des Passivs zu vertiefen, empfehle ich dir, im Alltag darauf zu achten. Hör genau zu, wenn du Deutschsprachige hörst, lies deutsche Zeitungen und Bücher und versuche, die Passivkonstruktionen zu erkennen und zu verstehen. Am Anfang ist es vielleicht noch etwas mühsam, aber mit der Zeit wirst du ein Gefühl dafür entwickeln, wann und wie das Passiv verwendet wird.
Und denk daran: Fehler sind erlaubt! Jeder macht Fehler beim Sprachenlernen. Wichtig ist, dass du dich nicht entmutigen lässt und einfach weitermachst. Mit ein bisschen Übung wirst du das Passiv bald meistern und dein Deutsch auf ein neues Level heben!
Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in die Welt des deutschen Passivs hat dir gefallen und geholfen. Viel Spaß beim Deutschlernen und bis zum nächsten Mal!
