Wieviel Fische In 60 Liter Aquarium
Die Frage, wie viele Fische in ein 60-Liter-Aquarium passen, ist eine der ersten, die sich Aquaristik-Anfänger stellen. Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Dieses Aquarium ist eher klein, daher ist es wichtig, sorgfältig zu planen, um ein gesundes und artgerechtes Umfeld für die Fische zu gewährleisten. Das Ziel ist ein stabiles Ökosystem, in dem sich die Fische wohlfühlen und die Wasserqualität nicht durch Überbesatzung gefährdet wird.
Wichtige Faktoren bei der Bestimmung der Fischanzahl
Die Faustregel "1 cm Fisch pro Liter Wasser" ist nicht mehr zeitgemäß und kann zu Problemen führen. Stattdessen sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:
Die Fischart
Die Art der Fische ist der wichtigste Faktor. Verschiedene Arten haben unterschiedliche Bedürfnisse in Bezug auf Schwimmraum, Sozialverhalten und Wasserwerte:
- Endgröße: Kleine Fische wie Neonsalmler benötigen weniger Platz als größere Arten. Recherchieren Sie die maximale Größe, die die Fische erreichen können, nicht nur die Größe im Zoohandel.
- Schwimmverhalten: Aktive Schwimmer wie Zebrabärblinge brauchen mehr Platz als ruhigere Fische, die sich eher am Boden aufhalten.
- Sozialverhalten: Einige Fische sind Einzelgänger, andere leben gerne in Gruppen oder Schwärmen. Schwarmfische wie Neons oder Keilfleckbärblinge benötigen eine bestimmte Mindestanzahl, um sich wohlzufühlen (mindestens 6-8 Tiere). Ein einzelner Fisch, der eigentlich ein Schwarmtier ist, wird gestresst und anfälliger für Krankheiten.
- Aggressivität: Manche Arten sind aggressiver als andere und benötigen mehr Platz, um Streitigkeiten zu vermeiden. Beobachten Sie das Verhalten der Fische genau, auch nach der Eingewöhnung.
Die Einrichtung des Aquariums
Auch die Einrichtung des Aquariums beeinflusst die Anzahl der Fische, die darin gehalten werden können:
- Bepflanzung: Eine dichte Bepflanzung bietet den Fischen Versteckmöglichkeiten und trägt zur Sauerstoffproduktion und zum Abbau von Schadstoffen bei.
- Bodengrund: Der Bodengrund dient als Lebensraum für nützliche Bakterien, die am Abbau von organischen Abfällen beteiligt sind.
- Dekoration: Wurzeln und Steine können als Versteckmöglichkeiten dienen, reduzieren aber auch den Schwimmraum.
- Freifläche: Achten Sie darauf, dass ausreichend freie Schwimmfläche vorhanden ist, insbesondere für aktive Schwimmer.
Die Wasserqualität
Eine gute Wasserqualität ist entscheidend für das Wohlbefinden der Fische. Überbesatzung führt zu einer erhöhten Belastung des Wassers mit Schadstoffen (Ammoniak, Nitrit, Nitrat), was die Fische krank machen kann. Regelmäßige Wasserwechsel (ca. 25-50% des Wassers wöchentlich) sind unerlässlich, um die Wasserqualität aufrechtzuerhalten.
Die Filterung
Ein leistungsstarker Filter ist wichtig, um das Wasser sauber zu halten. Der Filter sollte in der Lage sein, das Wasservolumen des Aquariums mehrmals pro Stunde umzuwälzen. Die Filterleistung muss zudem an den Fischbesatz angepasst werden. Ein überdimensionierter Filter ist besser als ein zu kleiner.
Geeignete Fischarten für ein 60-Liter-Aquarium
Aufgrund der begrenzten Größe des Aquariums kommen nur sehr kleine Fischarten in Frage. Hier einige Beispiele:
- Kleine Bärblinge: Moskitobärblinge (Boraras brigittae) oder Zwergbärblinge (Boraras maculatus) sind sehr klein und können in einer Gruppe von 8-10 Tieren gehalten werden.
- Kleine Salmler: Einige sehr kleine Salmlerarten wie der Glühlichtsalmler (Hemigrammus erythrozonus) könnten in einer kleinen Gruppe (6-8 Tiere) gehalten werden, aber die Beckenlänge sollte beachtet werden. Sie sind aktive Schwimmer und benötigen ausreichend Platz.
- Zwergpanzerwelse: Corydoras habrosus, Corydoras pygmaeus oder Corydoras hastatus sind kleine Panzerwelse, die am Boden leben und sich von Futterresten ernähren. Eine Gruppe von 6-8 Tieren ist empfehlenswert.
- Garnelen: Zwerggarnelen wie Red Fire Garnelen (Neocaridina davidi) sind sehr beliebte Aquarienbewohner und können in einem 60-Liter-Aquarium gut gehalten werden. Sie tragen kaum zur Wasserbelastung bei und sind relativ pflegeleicht. Eine Gruppe von 10-20 Garnelen ist möglich.
- Schnecken: Verschiedene Schneckenarten wie Turmdeckelschnecken (Melanoides tuberculata) oder Posthornschnecken (Planorbarius corneus) können als Algenfresser und Restevertilger im Aquarium eingesetzt werden. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu viele Schnecken einsetzen, da sie sich bei einem Überangebot an Futter schnell vermehren können.
Achtung: Die Kombination verschiedener Arten sollte sorgfältig überlegt sein. Nicht alle Arten vertragen sich miteinander. Informieren Sie sich gründlich über die Bedürfnisse und das Verhalten der einzelnen Arten, bevor Sie sie zusammen in ein Aquarium setzen.
Ungeeignete Fischarten für ein 60-Liter-Aquarium
Viele beliebte Fischarten sind für ein 60-Liter-Aquarium definitiv ungeeignet, da sie zu groß werden oder spezielle Bedürfnisse haben, die in einem so kleinen Becken nicht erfüllt werden können:
- Goldfische: Goldfische benötigen sehr viel Platz und produzieren sehr viel Abfall. Ein 60-Liter-Aquarium ist für Goldfische absolut ungeeignet.
- Kampffische: Obwohl oft in kleinen Becken gehalten, benötigen Kampffische mehr Platz und Struktur, um ihr natürliches Verhalten ausleben zu können. Ein 60-Liter-Aquarium ist das absolute Minimum für einen einzelnen Kampffisch, aber es sollte gut bepflanzt und strukturiert sein.
- Skalare: Skalare werden sehr groß und benötigen hohe Aquarien. Ein 60-Liter-Aquarium ist für Skalare völlig ungeeignet.
- Welse (größere Arten): Viele Welsarten werden sehr groß und benötigen ein großes Aquarium mit ausreichend Versteckmöglichkeiten. Ein 60-Liter-Aquarium ist für die meisten Welsarten ungeeignet.
- Guppys: Obwohl klein, vermehren sich Guppys sehr schnell. In einem kleinen Aquarium kann dies schnell zu einer Überpopulation führen. Zudem sind sie sehr anfällig für Krankheiten.
Tipps für die Besatzplanung
- Recherchieren Sie gründlich: Informieren Sie sich über die Bedürfnisse und das Verhalten der einzelnen Fischarten, bevor Sie sie kaufen.
- Beginnen Sie langsam: Setzen Sie nicht alle Fische auf einmal ins Aquarium. Beginnen Sie mit einer kleinen Gruppe und beobachten Sie, wie sich die Wasserwerte entwickeln.
- Beobachten Sie Ihre Fische: Achten Sie auf Anzeichen von Stress oder Krankheit.
- Regelmäßige Wasserwechsel: Führen Sie regelmäßig Wasserwechsel durch, um die Wasserqualität aufrechtzuerhalten.
- Überfüttern Sie nicht: Füttern Sie nur so viel, wie die Fische in wenigen Minuten fressen können.
- Geduld: Ein stabiles Ökosystem braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Seien Sie geduldig und überstürzen Sie nichts.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anzahl der Fische in einem 60-Liter-Aquarium stark von der Art der Fische, der Einrichtung des Aquariums und der Wasserqualität abhängt. Wählen Sie kleine, friedliche Arten und überbesetzen Sie das Aquarium nicht. Regelmäßige Wasserwechsel und eine gute Filterung sind unerlässlich, um ein gesundes und artgerechtes Umfeld für die Fische zu gewährleisten.
Wichtiger Hinweis: Dies sind allgemeine Richtlinien. Im Zweifelsfall sollten Sie sich von einem erfahrenen Aquarianer oder einem Fachhändler beraten lassen. Jeder Aquaristik-Anfänger sollte sich vor der Anschaffung von Fischen eingehend informieren und sich mit den Grundlagen der Aquaristik vertraut machen.
Ein kleines Aquarium kann wunderschön sein und viel Freude bereiten, wenn es richtig geplant und gepflegt wird. Viel Erfolg!
