Wieviel Toleranz Wird Abgezogen Bei Geschwindigkeitsüberschreitung
Hallo liebe Reisende und Neu-Deutsche! Planen Sie einen Ausflug nach Deutschland oder sind Sie gerade erst angekommen? Eines der ersten Dinge, die man hier wissen sollte, ist das deutsche Verkehrsrecht. Und ein besonders wichtiger Punkt ist die Geschwindigkeitsbegrenzung und was passiert, wenn man sie überschreitet. Keine Sorge, das ist kein Hexenwerk! Dieser Leitfaden erklärt Ihnen alles über die Toleranzgrenzen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen, damit Sie entspannt und sicher unterwegs sind.
Was ist Geschwindigkeitsüberschreitungstoleranz und warum gibt es sie?
Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf der Autobahn, das Navi sagt 120 km/h und Sie versuchen, genau diese Geschwindigkeit zu halten. Gar nicht so einfach, oder? Die Toleranz bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ist eine Art "Puffer", der Messungenauigkeiten von Messgeräten (Radar, Laser, etc.) und dem Tacho Ihres Autos berücksichtigt. Sie soll sicherstellen, dass Sie nicht für kleinste Überschreitungen bestraft werden, die möglicherweise gar nicht Ihre Schuld sind.
Im Wesentlichen dient die Toleranz dazu, faire Messungen zu gewährleisten und zu verhindern, dass Autofahrer für minimale Abweichungen belangt werden. Es ist also keine "offizielle" Erlaubnis, schneller zu fahren, sondern ein Schutz vor ungenauen Messungen.
Wie viel Toleranz wird abgezogen? Die konkreten Zahlen
Die Höhe der Toleranz, die abgezogen wird, hängt von der gemessenen Geschwindigkeit ab. Es gibt zwei verschiedene Regeln, je nachdem, ob Sie unter oder über 100 km/h gefahren sind:
Geschwindigkeiten unter 100 km/h
Bei Geschwindigkeiten unter 100 km/h werden in der Regel 3 km/h von der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen. Das bedeutet, wenn Sie mit 53 km/h in einer 50er-Zone geblitzt werden, wird Ihnen nach Abzug der Toleranz eine Geschwindigkeit von 50 km/h angelastet. In diesem Fall sind Sie also noch "im grünen Bereich".
Geschwindigkeiten über 100 km/h
Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h wird ein größerer Toleranzwert abgezogen, nämlich 3% der gemessenen Geschwindigkeit. Das bedeutet, wenn Sie beispielsweise mit 130 km/h geblitzt werden, werden 3% von 130 km/h abgezogen, was 3,9 km/h entspricht. Die Ihnen angelastete Geschwindigkeit wäre dann 126,1 km/h.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
- Unter 100 km/h: 3 km/h Toleranzabzug
- Über 100 km/h: 3% Toleranzabzug
Beispiele zur Verdeutlichung
Hier sind ein paar Beispiele, die Ihnen helfen, die Toleranzabzüge besser zu verstehen:
- Beispiel 1: Innerorts, 50 km/h erlaubt, gemessene Geschwindigkeit: 58 km/h. Abzug: 3 km/h. Angelastete Geschwindigkeit: 55 km/h. Sie müssen mit einem Bußgeld rechnen.
- Beispiel 2: Außerorts, 70 km/h erlaubt, gemessene Geschwindigkeit: 72 km/h. Abzug: 3 km/h. Angelastete Geschwindigkeit: 69 km/h. Kein Bußgeld.
- Beispiel 3: Autobahn, keine Geschwindigkeitsbegrenzung (abschnittsweise), gemessene Geschwindigkeit: 150 km/h. Abzug: 4,5 km/h (3% von 150 km/h). Angelastete Geschwindigkeit: 145,5 km/h. Hier kommt es auf die konkrete Situation an – gab es eine temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung, die Sie übersehen haben?
- Beispiel 4: Autobahn, 120 km/h erlaubt, gemessene Geschwindigkeit: 125 km/h. Abzug: 3,75 km/h (3% von 125 km/h). Angelastete Geschwindigkeit: 121,25 km/h. Bußgeld wahrscheinlich.
Wichtige Hinweise und Ausnahmen
Auch wenn die Toleranz ein gewisser Puffer ist, sollten Sie folgende Punkte beachten:
- Achten Sie auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen! Die Toleranz ist keine Lizenz zum Rasen. Halten Sie sich stets an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten.
- Die Toleranz ist kein fester Freifahrtschein. Selbst nach Abzug der Toleranz kann eine Geschwindigkeitsüberschreitung zu Bußgeldern, Punkten in Flensburg (dem deutschen Fahrerlaubnisregister) oder sogar Fahrverbot führen.
- Besondere Vorsicht bei Baustellen: Auf Autobahnbaustellen gelten oft besonders niedrige Geschwindigkeitsbegrenzungen. Hier ist es besonders wichtig, sich daran zu halten, da die Strafen oft höher ausfallen.
- Blitzer-Apps: Die Nutzung von Blitzer-Apps oder Geräten, die vor Geschwindigkeitskontrollen warnen, ist in Deutschland verboten und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.
- Probezeit: Für Führerscheinneulinge in der Probezeit gelten strengere Regeln. Geschwindigkeitsüberschreitungen können hier schwerwiegendere Konsequenzen haben.
Was tun, wenn Sie geblitzt wurden?
Wenn Sie geblitzt wurden, erhalten Sie in der Regel einige Wochen später einen Anhörungsbogen per Post. Auf diesem Bogen können Sie sich zu dem Vorwurf äußern. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, sich zu äußern. Wenn Sie sich nicht sicher sind, was zu tun ist, können Sie sich an einen Anwalt für Verkehrsrecht wenden.
Wichtig: Ignorieren Sie den Anhörungsbogen nicht! Andernfalls kann ein Bußgeldbescheid erlassen werden, der dann vollstreckt wird.
Zusätzliche Informationen für Touristen und Expats
Als Tourist oder Expat sollten Sie sich bewusst sein, dass das deutsche Punktesystem (Punkte in Flensburg) auch für ausländische Fahrer gilt. Wenn Sie genügend Punkte sammeln, kann Ihnen die Fahrerlaubnis für Deutschland entzogen werden. Informieren Sie sich daher genau über die Regeln und Vorschriften.
Tipp: Nutzen Sie Navigations-Apps, die Geschwindigkeitsbegrenzungen anzeigen und Sie vor Blitzern warnen (beachten Sie aber das Verbot von Blitzer-Apps!). So können Sie sich entspannt auf das Fahren konzentrieren und vermeiden ungewollte Überraschungen.
Fazit
Die Toleranz bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ist ein wichtiger Aspekt des deutschen Verkehrsrechts. Es ist wichtig, die Regeln zu kennen, um Bußgelder und andere Konsequenzen zu vermeiden. Denken Sie daran, dass die Toleranz keine Einladung zum Rasen ist, sondern ein Puffer für Messungenauigkeiten. Fahren Sie sicher und genießen Sie Ihre Zeit in Deutschland!
Wir hoffen, dieser Artikel hat Ihnen geholfen, das Thema Geschwindigkeitsüberschreitungstoleranz in Deutschland besser zu verstehen. Gute Fahrt und allzeit sichere Reise!
Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Für eine individuelle Rechtsberatung wenden Sie sich bitte an einen Anwalt.
