William Shakespeare Shall I Compare Thee To A Summer's Day
William Shakespeare und "Shall I Compare Thee To A Summer's Day?"
William Shakespeare, geboren vermutlich am 23. April 1564 in Stratford-upon-Avon und gestorben am 23. April 1616 ebenda, ist einer der bedeutendsten Dichter, Dramatiker und Schriftsteller der englischen Sprache. Sein Werk umfasst zahlreiche Tragödien, Komödien, Historienstücke und Sonette, die bis heute weltweit aufgeführt, gelesen und analysiert werden. Für Neuankömmlinge in der englischsprachigen Welt kann es hilfreich sein, sich mit einigen seiner bekanntesten Werke vertraut zu machen, und dieses ist ein Einblick in eines davon.
Shakespeares Sonette
Shakespeare verfasste insgesamt 154 Sonette, die erstmals 1609 veröffentlicht wurden. Diese Gedichte sind in verschiedene thematische Gruppen unterteilt und behandeln Themen wie Liebe, Schönheit, Zeit, Verlust und die menschliche Natur. Die Sonette sind in einer festen Form geschrieben: 14 Zeilen im jambischen Pentameter mit dem Reimschema ABAB CDCD EFEF GG. Dieses Reimschema und der Rhythmus verleihen den Sonetten eine musikalische Qualität und eine gewisse formale Strenge.
Das Sonett 18, mit dem Titel "Shall I compare thee to a summer's day?", ist eines der berühmtesten und am häufigsten interpretierten Sonette Shakespeares. Es gehört zu den "Fair Youth"-Sonetten, die sich an einen jungen Mann richten, dessen Schönheit und Tugend gepriesen werden. Dieses Sonett ist ein Paradebeispiel für Shakespeares Fähigkeit, komplexe Emotionen und Ideen in einer prägnanten und eleganten Form auszudrücken.
"Shall I Compare Thee To A Summer's Day?" - Eine Analyse
Das Sonett beginnt mit der titelgebenden Frage: "Shall I compare thee to a summer's day?" (Soll ich dich mit einem Sommertag vergleichen?). Diese rhetorische Frage deutet bereits an, dass der Sprecher die Schönheit des Adressaten über die eines Sommertags stellt. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte eines Sommertags aufgezählt, die den Vergleich unvorteilhaft erscheinen lassen.
Die ersten acht Zeilen
Die ersten acht Zeilen des Sonetts (einem sogenannten Oktett) konzentrieren sich auf die Unvollkommenheiten des Sommers:
Shall I compare thee to a summer’s day?
Thou art more lovely and more temperate:
Rough winds do shake the darling buds of May,
And summer’s lease hath all too short a date:
Sometime too hot the eye of heaven shines,
And often is his gold complexion dimmed;
And every fair from fair sometime declines,
By chance or nature’s changing course untrimmed;
Hier wird deutlich gemacht, dass der Sommer vergänglich ist und von Unbeständigkeit geprägt. "Rough winds do shake the darling buds of May" (Raue Winde schütteln die zarten Knospen des Mai) verdeutlicht die potentielle Zerstörungskraft des Wetters. "Summer’s lease hath all too short a date" (Des Sommers Pacht hat eine allzu kurze Frist) betont die Kürze des Sommers. Weiterhin wird kritisiert, dass "Sometime too hot the eye of heaven shines" (Manchmal scheint das Auge des Himmels zu heiß) und "And often is his gold complexion dimmed" (Und oft wird sein goldenes Aussehen getrübt). Diese Zeilen weisen auf die extremen Temperaturen und die Bewölkung hin, die den Sommer trüben können. Die achte Zeile "And every fair from fair sometime declines, By chance or nature’s changing course untrimmed" (Und jede Schönheit von Schönheit schwindet irgendwann, durch Zufall oder den wechselnden Lauf der Natur ungeschmückt) generalisiert die Vergänglichkeit und betont, dass alles Schöne irgendwann vergeht.
Die letzten sechs Zeilen
Die letzten sechs Zeilen des Sonetts (ein Sextett) bilden einen Kontrast zu den ersten acht Zeilen. Hier wird die Unsterblichkeit der Schönheit des Adressaten durch die Kunst und das Gedicht selbst betont:
But thy eternal summer shall not fade,
Nor lose possession of that fair thou ow’st;
Nor shall death brag thou wander’st in his shade,
When in eternal lines to time thou grow’st:
So long as men can breathe or eyes can see,
So long lives this, and this gives life to thee.
Es wird versichert, dass "thy eternal summer shall not fade" (dein ewiger Sommer nicht vergehen wird). Die Schönheit des Adressaten wird somit als unvergänglich dargestellt. "Nor lose possession of that fair thou ow’st" (Noch verlierst du den Besitz der Schönheit, die du besitzt) betont, dass die Schönheit nicht verloren gehen wird. "Nor shall death brag thou wander’st in his shade, When in eternal lines to time thou grow’st" (Auch soll der Tod sich nicht rühmen, dass du in seinem Schatten wanderst, wenn du in ewigen Zeilen für die Zeit wächst) impliziert, dass die Kunst, insbesondere das Gedicht selbst, den Adressaten vor dem Tod bewahrt. Die letzten beiden Zeilen "So long as men can breathe or eyes can see, So long lives this, and this gives life to thee" (Solange Menschen atmen oder Augen sehen können, so lange lebt dies, und dies gibt dir Leben) unterstreichen die Unsterblichkeit des Gedichts und die dadurch verliehene Unsterblichkeit des Adressaten. Die Schönheit des Adressaten wird also nicht durch die Vergänglichkeit der Natur bedroht, sondern durch die Kraft der Kunst verewigt.
Interpretation
Das Sonett 18 ist eine Liebeserklärung, die jedoch nicht auf romantische Weise erfolgt. Es ist eher eine Hymne an die Schönheit und die Kraft der Kunst, diese Schönheit zu bewahren. Shakespeare nutzt den Vergleich mit einem Sommertag, um die Vorzüge des Adressaten hervorzuheben und gleichzeitig die Vergänglichkeit der Natur zu betonen. Die Kunst, insbesondere die Dichtung, wird als Mittel zur Überwindung der Vergänglichkeit dargestellt. Indem Shakespeare die Schönheit des Adressaten in seinem Sonett verewigt, verleiht er ihm eine Form der Unsterblichkeit.
Das Sonett kann auch als Reflexion über die Rolle des Dichters und die Macht der Sprache interpretiert werden. Der Dichter ist in der Lage, die Welt zu interpretieren und zu gestalten, und durch seine Kunst kann er etwas Dauerhaftes schaffen, das die Zeit überdauert. Das Gedicht selbst wird somit zu einem Denkmal, das die Schönheit des Adressaten und die Fähigkeit des Dichters feiert.
Warum ist dieses Gedicht wichtig?
Für Menschen, die neu in der englischsprachigen Welt sind, bietet das Sonett 18 einen guten Einstieg in die Welt von Shakespeare. Es ist relativ kurz, gut verständlich und behandelt universelle Themen wie Liebe, Schönheit und Vergänglichkeit. Das Gedicht zeigt Shakespeares Meisterschaft der Sprache und seine Fähigkeit, komplexe Ideen in einer einfachen und eleganten Form auszudrücken.
Darüber hinaus vermittelt das Sonett ein Gefühl für die kulturelle Bedeutung von Shakespeare in der englischsprachigen Welt. Seine Werke sind ein wichtiger Bestandteil des literarischen Kanons und werden oft in Schulen und Universitäten gelesen. Das Verständnis von Shakespeares Werk kann daher das Verständnis der englischen Kultur und Sprache erleichtern.
Sprachliche Besonderheiten
Es ist wichtig zu beachten, dass Shakespeare in einer Zeit des Übergangs in der englischen Sprache schrieb. Einige der Wörter und Formulierungen, die er verwendete, sind heute nicht mehr üblich oder haben eine andere Bedeutung. Zum Beispiel bedeutet das Wort "fair" in der siebten Zeile "Schönheit" oder "schönes Wesen". Das Wort "temperate" in der zweiten Zeile bedeutet "maßvoll" oder "ausgeglichen", was die Beständigkeit der Schönheit des Adressaten betont.
Der jambische Pentameter, in dem das Sonett geschrieben ist, ist ein rhythmisches Muster, das aus fünf jambischen Füßen besteht. Ein jambischer Fuß besteht aus einer unbetonten und einer betonten Silbe. Dieses Muster verleiht dem Gedicht einen natürlichen Fluss und eine musikalische Qualität.
Das Studium von Shakespeares Sonetten, insbesondere von "Shall I compare thee to a summer's day?", kann eine lohnende Erfahrung sein, die das Verständnis der englischen Sprache und Kultur bereichert. Für Neuankömmlinge in der englischsprachigen Welt ist es ein guter Ausgangspunkt, um sich mit einem der größten Dichter aller Zeiten vertraut zu machen und die Schönheit und Tiefe seiner Werke zu entdecken.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass "Shall I Compare Thee To A Summer's Day?" ein zeitloses Gedicht ist, das die Schönheit, Liebe und die Fähigkeit der Kunst feiert, der Vergänglichkeit zu trotzen. Es ist ein zugängliches Werk für Leser jeden Alters und Hintergrunds und bietet einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von William Shakespeare.
