Wir Sind Dann Mal Weg Lustig
Ach, ihr Lieben, setzt euch kurz, nehmt euch einen Kaffee oder Tee, und lasst mich euch von einer Reise erzählen, die nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Seele berührt hat. Ich spreche von einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg – inspiriert, natürlich, von Hape Kerkelings urkomischem und gleichzeitig tiefgründigem Buch: "Ich bin dann mal weg".
Ich muss gestehen, bevor ich das Buch gelesen habe, war der Jakobsweg für mich nur eine vage Vorstellung, ein Mythos, eine Strecke für spirituell Suchende. Aber Kerkelings ehrliche und humorvolle Schilderungen haben etwas in mir ausgelöst. Es war nicht nur die Idee des Wanderns selbst, sondern die Vorstellung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, den Ballast des Alltags abzuwerfen und einfach da zu sein. Und natürlich, die Aussicht auf viele, viele lustige Momente!
Die Vorbereitung: Zwischen Chaos und Vorfreude
Die Vorbereitung auf den Jakobsweg war...nun, sagen wir mal, interessant. Ich bin kein großer Wanderer, also musste ich mir erstmal die richtige Ausrüstung besorgen. Ein guter Rucksack war das A und O, aber oh mein Gott, die Auswahl! Nach stundenlangem Recherchieren, Anprobieren und Verzweifeln habe ich mich schließlich für ein Modell entschieden, das versprach, mein Kreuz zu schonen – und mein Bankkonto zu leeren.
Dann die Schuhe! Das ist ja fast eine Wissenschaft für sich. Jeder riet mir zu eingelaufenen Wanderschuhen, also habe ich meine neuen Treter mehrere Wochen lang zu Hause getragen, sogar beim Staubsaugen. Ich sah bestimmt urkomisch aus, aber ich wollte Blasen unbedingt vermeiden! Das Einpacken des Rucksacks war auch eine Herausforderung. Ich wollte alles mitnehmen, was ich fürchtete, unterwegs zu vermissen, aber gleichzeitig durfte das Ding nicht zu schwer sein. Es war ein ständiger Kampf zwischen Vernunft und Bequemlichkeit. Am Ende habe ich vieles wieder aussortiert und mir geschworen, unterwegs nichts Neues zu kaufen – ein Versprechen, das ich leider nicht ganz halten konnte (aber dazu später mehr).
Der Start: Pamplona und die Angst vor dem ersten Schritt
Mein Abenteuer begann in Pamplona, einer wunderschönen Stadt in Nordspanien, bekannt für die San Fermín-Festlichkeiten. Die Atmosphäre war aufgeregt und voller Vorfreude. Überall sah man Pilger, die ihre Rucksäcke schulterten und sich auf den Weg machten. Ich fühlte mich auf einmal klein und unbedeutend, aber auch unglaublich aufgeregt.
Der erste Tag war hart. Die Strecke führte über steinige Wege und steile Anstiege. Meine Füße schmerzten, mein Rucksack fühlte sich an wie ein tonnenschwerer Klotz am Bein, und ich fragte mich, ob ich das wirklich durchhalten würde. Aber dann, als ich erschöpft auf einem Hügel saß und die atemberaubende Landschaft bewunderte, wusste ich: Ja, ich schaffe das! Die Schönheit der Natur, die Ruhe und die Stille gaben mir Kraft.
Unterwegs: Begegnungen, Entbehrungen und unvergessliche Momente
Der Jakobsweg ist mehr als nur eine Wanderung. Es ist eine Reise zu sich selbst, eine Reise voller Begegnungen, Entbehrungen und unvergesslicher Momente. Ich habe Menschen aus aller Welt kennengelernt, die alle aus unterschiedlichen Gründen auf dem Weg waren. Wir haben unsere Geschichten geteilt, uns gegenseitig ermutigt und gemeinsam gelacht.
Ich erinnere mich an einen älteren Mann aus Italien, der jeden Morgen um vier Uhr aufgestanden ist, um die Sonne aufgehen zu sehen. Oder an eine junge Frau aus Korea, die ihren Job gekündigt hatte, um ein Jahr lang durch die Welt zu reisen. Oder an ein deutsches Ehepaar, das seit über 40 Jahren verheiratet war und den Jakobsweg als eine Art zweite Hochzeitsreise betrachtete. Jede dieser Begegnungen hat mich inspiriert und mir gezeigt, wie vielfältig und bunt das Leben ist.
Es gab natürlich auch schwierige Momente. Blasen an den Füßen, Muskelkater, Regen, der tagelang nicht aufhörte – aber auch diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dankbar für die kleinen Dinge zu sein. Ein trockenes Bett, eine warme Mahlzeit, ein freundliches Lächeln. Und ich habe gelernt, dass man mit Humor alles leichter nehmen kann.
Eine besonders lustige Anekdote: Ich hatte mir fest vorgenommen, unterwegs nichts Neues zu kaufen. Aber dann, in einem kleinen Dorf, entdeckte ich ein Paar handgefertigte Lederarmbänder. Sie waren so wunderschön und einzigartig, dass ich einfach nicht widerstehen konnte. Ich kaufte zwei – eines für mich und eines für meine beste Freundin. Als ich später meinen Rucksack packte, stellte ich fest, dass er plötzlich viel schwerer war. Tja, so viel zum Thema "nichts Neues kaufen"! Ich bin halt ein hoffnungsloser Fall!
Das Ziel: Santiago de Compostela und die Erkenntnis
Nach vielen Tagen und Kilometern erreichte ich schließlich Santiago de Compostela. Der Anblick der Kathedrale war überwältigend. Ich war erschöpft, aber auch unglaublich glücklich und stolz. Ich hatte es geschafft! Ich hatte den Jakobsweg bezwungen!
Der Einzug in Santiago, das Gefühl, mit hunderten anderen Pilgern auf dem Platz vor der Kathedrale zu stehen, war unbeschreiblich. Es war ein Moment der Erleichterung, der Freude, aber auch der Wehmut. Die Reise war zu Ende, aber die Erinnerungen und Erfahrungen würden mich für immer begleiten.
Ich habe auf dem Jakobsweg viel über mich selbst gelernt. Ich habe gelernt, meine Grenzen zu überwinden, auf meinen Körper zu hören und im Moment zu leben. Ich habe gelernt, dankbar für die kleinen Dinge zu sein und die Schönheit der Natur zu schätzen. Und ich habe gelernt, dass man mit Humor alles schaffen kann. "Ich bin dann mal weg" war für mich nicht nur ein Buch, sondern eine Anleitung für ein erfüllteres Leben.
Fazit: Mehr als nur eine Empfehlung
Wenn ihr also auf der Suche nach einer Reise seid, die nicht nur eure Beine, sondern auch eure Seele bewegt, dann kann ich euch den Jakobsweg nur wärmstens empfehlen. Lasst euch von Hape Kerkelings Buch inspirieren, packt euren Rucksack und macht euch auf den Weg. Es wird eine Erfahrung sein, die ihr nie vergessen werdet.
Und vergesst nicht: Es geht nicht darum, schnell ans Ziel zu kommen, sondern um den Weg selbst. Genießt die Landschaft, die Begegnungen, die Herausforderungen und die kleinen Freuden. Und vor allem: Habt Spaß! Denn das Leben ist zu kurz, um es ernst zu nehmen!
Also, worauf wartet ihr noch? Buen Camino!
