Wissenschaftliches Arbeiten Auf Englisch
Also, mal ehrlich. Wissenschaftliches Arbeiten auf Englisch? Ist das wirklich nötig? Ich meine, wir sind hier in Deutschland. Wir haben Goethe! Wir haben Kant! Geniale Denker, die auf... na ja, Deutsch gedacht und geschrieben haben.
Ich weiß, ich weiß. Die Welt ist global. Die Wissenschaftssprache ist Englisch. Blabla. Aber trotzdem. Findet ihr nicht auch, dass es manchmal ein bisschen...übertrieben ist?
"Publish or Perish" – auf Englisch, bitte!
Klar, "Publish or Perish" ist das Motto. Und am besten in einem renommierten Journal, das natürlich auf Englisch ist. Sonst zählt's ja nicht. Aber was ist mit all den klugen Köpfen, die vielleicht nicht perfekt Englisch sprechen oder schreiben? Werden deren Ideen einfach unter den Teppich gekehrt? Nur weil die Syntax nicht astrein ist?
Ich sag's mal so: Ein schlechter englischer Aufsatz ist immer noch schlechter als ein brillanter deutscher Aufsatz, der nie gelesen wird. Meine Meinung. Und ja, das mag eine unpopuläre Meinung sein.
Der ewige Kampf mit den Präpositionen
Erinnert ihr euch an euren Englischunterricht? Der Kampf mit den Präpositionen? "In", "on", "at"... Wann benutzt man was? Und jetzt stellt euch vor, ihr müsst eine komplexe wissenschaftliche These auf Englisch formulieren. Mit der Angst im Nacken, dass ein winziger Präpositionsfehler eure ganze Argumentation untergräbt.
Ich persönlich habe schon Stunden damit verbracht, darüber nachzudenken, ob es "based on" oder "based upon" heißt. Oder ob ich "due to" oder "because of" verwenden soll. Am Ende habe ich einfach etwas ganz anderes geschrieben. Hauptsache, die Präposition stimmte! (Wahrscheinlich auch nicht.)
Und dann sind da noch die ganzen Fachbegriffe. Klar, viele kommen aus dem Lateinischen oder Griechischen. Aber trotzdem. Manchmal frage ich mich, ob die englische Version wirklich präziser ist als die deutsche. Oder ob sie einfach nur... cooler klingt?
Wenn die Sprache zur Barriere wird
Ich finde, Wissenschaft sollte für alle zugänglich sein. Aber wenn die Sprache zur Barriere wird, dann haben wir ein Problem. Nicht jeder hat die gleichen Möglichkeiten, Englisch zu lernen und zu perfektionieren. Und das sollte nicht darüber entscheiden, wer in der Wissenschaft erfolgreich ist und wer nicht.
Ich sage nicht, dass wir auf Englisch verzichten sollen. Absolut nicht. Aber vielleicht sollten wir uns auch mal wieder auf unsere eigenen Stärken besinnen. Auf die deutsche Sprache, die auch einiges zu bieten hat. Und vielleicht auch mal ein bisschen mehr Wert auf den Inhalt als auf die perfekte englische Formulierung legen.
Stellt euch vor: Eine Welt, in der deutsche Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse selbstbewusst auf Deutsch präsentieren. Eine Welt, in der die internationale Fachwelt sich bemüht, Deutsch zu lernen, um von unseren Erkenntnissen zu profitieren. Eine Utopie? Vielleicht. Aber träumen darf man ja wohl noch.
Ich weiß, viele von euch werden jetzt sagen: "Du bist doch nur neidisch, weil du selbst kein perfektes Englisch sprichst!" Und vielleicht habt ihr ja Recht. Aber trotzdem. Ich bleibe dabei: Wissenschaftliches Arbeiten auf Englisch ist nicht immer die beste Lösung. Und manchmal ist es einfach nur...ätzend.
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." - Ludwig Wittgenstein.
Aber vielleicht sollten wir diese Grenzen auch mal ein bisschen verschieben. Und zwar in beide Richtungen. Mehr Deutsch in der internationalen Wissenschaft. Und mehr Wertschätzung für alle Sprachen, die etwas zur Forschung beitragen können.
So, das musste mal raus. Jetzt könnt ihr mich gerne steinigen. Aber ich bin sicher, der ein oder andere von euch hat sich schon mal ähnlich gefühlt.
