Wollte Mal Gucken Was Du So Machst
Ich gebe es zu. Ich bin schuldig. Ich habe es getan. Und, ehrlich gesagt, ich werde es wieder tun.
Ich scrolle. Ich klicke. Ich stöbere. Und manchmal? Manchmal tippe ich einfach in die Suchleiste: „Wollte mal gucken was du so machst.“
Ja, ich weiß. Es klingt stalkermäßig. Es ist vielleicht ein bisschen...unaufrichtig. Aber Hand aufs Herz, wer von uns hat das noch nie gemacht?
Klar, wir alle haben unsere Gründe. Vielleicht ist es die Ex-Freundin, die plötzlich einen supererfolgreichen Blog über fermentierten Kohl hat. Respekt, wirklich. Aber... fermentierter Kohl?
Oder der ehemalige Schulkamerad, der jetzt angeblich die Welt bereist und ständig Fotos von sich in der Hängematte mit einem Cocktail in der Hand postet. Ist das wirklich dein Leben, Klaus-Dieter, oder ist das nur eine gut inszenierte Illusion?
Manchmal ist es auch einfach nur pure Neugierde. Was macht eigentlich Frau Müller aus dem dritten Stock jetzt so? Hat sie endlich ihren Mann dazu gebracht, den Rasen zu mähen? Hat sie ihren Pudel immer noch lila gefärbt?
Ich behaupte mal, dass diese kleine, heimliche Suchaktion nach Informationen über andere tief in unserer menschlichen Natur verwurzelt ist. Wir sind soziale Wesen. Wir wollen wissen, wo wir stehen. Wir wollen uns vergleichen. Wir wollen einfach nur...gucken.
Und ist es wirklich so schlimm? Solange wir es nicht übertreiben, solange wir nicht jeden Tag mehrere Stunden damit verbringen, das Online-Leben von anderen zu analysieren, ist es doch eigentlich harmlos, oder?
Die Kunst des „Mal Guckens“
Es gibt natürlich Regeln. Ungeschriebene Regeln, versteht sich. Man muss diskret sein. Man darf keine Spuren hinterlassen. Man darf niemals, niemals liken oder kommentieren. Das wäre der absolute Super-GAU.
Die Dos and Don'ts:
Do:
Inkognito-Modus verwenden. Man weiß ja nie, was passiert.
Nur oberflächlich stöbern. Nicht zu tief graben.
Sich nicht von den scheinbar perfekten Leben anderer deprimieren lassen. Jeder hat seine Päckchen zu tragen.
Don't:
Screenshots machen und an Freunde schicken. Klatsch und Tratsch ist nie eine gute Idee.
Persönliche Nachrichten schreiben. „Ich hab gesehen, du warst am Wochenende im Kino“ ist einfach nur creepy.
Das Ganze zu ernst nehmen. Es ist nur Social Media. Nicht das echte Leben.
Ich glaube, ein bisschen „Wollte mal gucken was du so machst“ ist okay. Es ist menschlich. Es ist unterhaltsam. Es ist...ein bisschen wie ein Reality-TV-Show, nur dass die Stars unsere Freunde, Bekannte und manchmal auch Fremde sind.
Also, schämt euch nicht. Akzeptiert es. Und genießt es (in Maßen, natürlich!).
Aber psst! Erzählt es niemandem. Es soll ja unser kleines Geheimnis bleiben.
Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mal kurz gucken, was mein Nachbar gerade so treibt. Gerüchten zufolge hat er sich ein neues Trampolin gekauft.
P.S.: Falls du das liest, Klaus-Dieter: Ich gönne dir deinen Cocktail in der Hängematte! Aber sag mal, wo hast du die eigentlich her?
