Ziele Der Roten Armee Fraktion
Die Rote Armee Fraktion (RAF), eine der prägendsten und kontroversesten terroristischen Vereinigungen der Nachkriegszeit in Deutschland, ist ein Thema, das sowohl Faszination als auch Abscheu hervorruft. Eine Auseinandersetzung mit ihren Zielen, ihrer Ideologie und ihren Taten ist essentiell, um die komplexen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der 1970er und 1980er Jahre in Deutschland zu verstehen. Ausstellungen und Bildungsprojekte, die sich mit der RAF beschäftigen, bieten eine wichtige Plattform für diese Auseinandersetzung. Doch wie werden die Ziele der RAF in solchen Präsentationen dargestellt, welcher pädagogische Wert wird vermittelt und wie wird das Besuchererlebnis gestaltet?
Die Ziele der RAF: Eine kritische Analyse
Ausstellungen und Dokumentationen über die RAF stehen vor der Herausforderung, die Ziele der Organisation zu vermitteln, ohne sie zu verherrlichen oder zu simplifizieren. Oftmals wird betont, dass die RAF sich als Avantgarde einer revolutionären Bewegung verstand, die das kapitalistische System der Bundesrepublik Deutschland stürzen wollte. Die RAF sah sich als Teil eines globalen Befreiungskampfes und solidarisierte sich mit Bewegungen in der Dritten Welt, insbesondere mit dem bewaffneten Kampf in Vietnam und Palästina. Ihre Hauptziele lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Bekämpfung des (Neo-)Imperialismus und Kapitalismus
Die RAF war der Überzeugung, dass die Bundesrepublik Deutschland ein Handlanger des US-Imperialismus sei und eine neo-koloniale Politik verfolge. Sie kritisierte die wirtschaftliche Ungleichheit, die Ausbeutung von Ressourcen in der Dritten Welt und die Unterstützung von autoritären Regimen durch die Bundesregierung. In Ausstellungen wird dieser Aspekt oft durch die Darstellung der damaligen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse verdeutlicht, beispielsweise durch Fotografien von Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg oder durch die Wiedergabe von Texten, die die Kritik der RAF am Kapitalismus verdeutlichen.
Solidarität mit den Befreiungsbewegungen der Dritten Welt
Die RAF sah sich als Teil einer globalen revolutionären Bewegung und unterstützte aktiv Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt. Dies manifestierte sich in Kontakten zu palästinensischen Organisationen und in der Übernahme von deren Ideologien. Ausstellungen zeigen oftmals Verbindungen und Trainingslager die einige Mitglieder der RAF in den 1970er Jahren besuchten. Zitate der Protagonisten machen die ideologische Nähe zu diesen Bewegungen deutlich.
Enthüllung der "wahren" Natur des Staates
Die RAF argumentierte, dass der Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland eine Fassade sei, hinter der sich eine repressive und autoritäre Staatsmacht verberge. Sie warf dem Staat vor, politische Dissidenten zu verfolgen und die Meinungsfreiheit einzuschränken. Durch ihre Anschläge wollte die RAF diese "wahre" Natur" des Staates entlarven und so die Bevölkerung für die Notwendigkeit einer Revolution sensibilisieren. Ausstellungen beleuchten diesen Aspekt, indem sie beispielsweise auf die umstrittenen Anti-Terror-Gesetze der 1970er Jahre eingehen, die von Kritikern als Einschränkung bürgerlicher Freiheiten gesehen wurden.
Befreiung der Gefangenen
Ein zentrales Ziel der RAF war die Befreiung ihrer inhaftierten Mitglieder. Dies geschah durch Entführungen und Geiselnahmen, mit denen die Freilassung der Gefangenen erpresst werden sollte. Diese Aktionen waren oft von extremer Brutalität begleitet und führten zu zahlreichen Todesopfern. Ausstellungen thematisieren diesen Aspekt häufig durch die Darstellung der Opfer und ihrer Angehörigen, um die menschlichen Kosten des Terrorismus zu verdeutlichen.
Pädagogischer Wert: Kontextualisierung und Differenzierung
Der pädagogische Wert von Ausstellungen über die RAF liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit ihren Zielen und Taten. Es ist wichtig, die historischen und gesellschaftlichen Kontexte zu beleuchten, die zur Entstehung der RAF führten. Dazu gehört die Studentenbewegung der 1960er Jahre, die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit, die Kritik am Kapitalismus und am Vietnamkrieg. Nur so können die Motive und Handlungen der RAF-Mitglieder verstanden werden, ohne sie zu rechtfertigen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Differenzierung innerhalb der RAF. Es gab unterschiedliche Strömungen und Meinungen innerhalb der Organisation, und es ist wichtig, diese Vielfalt zu berücksichtigen. Die Ausstellungen sollten auch die Frage aufwerfen, wie die Gesellschaft auf den Terrorismus der RAF reagiert hat und welche Auswirkungen dies auf die politische Kultur in Deutschland hatte. Ausstellungen über die RAF bieten die Möglichkeit, über die Ursachen und Folgen von Terrorismus zu diskutieren und Lehren für die Gegenwart zu ziehen. Gerade die Frage nach der Radikalisierung von Individuen und Gruppen ist heute von großer Relevanz.
Das Besuchererlebnis: Authentizität und Empathie
Das Besuchererlebnis in Ausstellungen über die RAF ist oft von widersprüchlichen Gefühlen geprägt. Einerseits besteht das Interesse, mehr über die Hintergründe und Motive der RAF zu erfahren. Andererseits ist da die Abscheu vor den Gewalttaten und dem Leid, das die RAF verursacht hat. Eine gelungene Ausstellung muss diese beiden Aspekte berücksichtigen und einen Raum für Reflexion und Auseinandersetzung schaffen.
Dabei spielt die Authentizität der Darstellung eine wichtige Rolle. Originaldokumente, Fotografien und Zeitzeugenberichte können dazu beitragen, die Geschichte der RAF lebendig werden zu lassen. Es ist jedoch wichtig, die Perspektive der Opfer und ihrer Angehörigen nicht zu vergessen. Indem die Ausstellungen die menschlichen Kosten des Terrorismus verdeutlichen, können sie Empathie und Mitgefühl wecken.
Eine Herausforderung besteht darin, die Besucher nicht zu überfordern oder zu instrumentalisieren. Die Darstellung der RAF sollte nicht zu einer Heldenverehrung führen, sondern zu einer kritischen Reflexion über die Ursachen und Folgen von Terrorismus. Eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der RAF kann dazu beitragen, die Demokratie zu stärken und Extremismus vorzubeugen.
In den letzten Jahren haben sich einige Ausstellungen durch ihre didaktisch wertvolle und Besuchernahe Art hervorgetan. Diese berücksichtigen die unterschiedlichen Vorkenntnisse der Besucher und bieten verschiedene Zugänge zum Thema an. Multimediale Elemente, wie interaktive Stationen und Audio-Guides, können das Besuchererlebnis bereichern und zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Thematik anregen. Die wichtigste Botschaft, die von Ausstellungen über die RAF vermittelt werden sollte, ist, dass Gewalt niemals eine Lösung für politische Probleme sein kann.
