Zu Bildern Eine Fabel Schreiben
Die Verbindung von visueller Kunst und narrativer Gestaltung birgt ein immenses Potenzial, insbesondere im Bereich der Fabelerzählung. Eine Ausstellung, die sich dem Thema "Zu Bildern eine Fabel schreiben" widmet, eröffnet den Besucher:innen nicht nur neue Perspektiven auf bekannte Werke, sondern lädt auch zur aktiven Auseinandersetzung mit der Entstehung von Geschichten ein. Sie wird zu einem interaktiven Raum, in dem Bild und Wort in einen fruchtbaren Dialog treten.
Die Ausstellung als Lernraum: Bildanalyse und narrative Interpretation
Der didaktische Wert einer solchen Ausstellung liegt in ihrer Fähigkeit, verschiedene Kompetenzen zu fördern. Zunächst schult sie die Bildanalyse. Die Besucher:innen werden angehalten, sich intensiv mit den ausgestellten Werken auseinanderzusetzen. Dies umfasst die Betrachtung von Komposition, Farbgebung, Licht und Schatten, sowie der dargestellten Figuren und Objekte. Fragen wie "Welche Stimmung vermittelt das Bild?", "Welche Beziehungen bestehen zwischen den einzelnen Elementen?" und "Welche Symbole lassen sich erkennen?" stehen im Vordergrund. Die Ausstellung kann dies durch gezielte Fragestellungen neben den Exponaten unterstützen, die zur genauen Beobachtung anregen.
Im nächsten Schritt geht es um die narrative Interpretation. Hierbei wird versucht, aus dem Gesehenen eine Geschichte zu entwickeln. Die Besucher:innen werden ermutigt, sich vorzustellen, was vor und nach dem dargestellten Moment geschehen ist, welche Motivationen die Figuren haben und welche Konflikte sich abzeichnen. Die Ausstellung kann hierbei verschiedene Ansätze präsentieren. Zum einen können bereits existierende Fabeln zu den ausgestellten Bildern gezeigt werden, um zu demonstrieren, wie unterschiedliche Interpretationen möglich sind. Zum anderen können interaktive Stationen eingerichtet werden, an denen die Besucher:innen selbst zu Autor:innen werden und ihre eigenen Fabeln verfassen können.
Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Auseinandersetzung mit den charakteristischen Merkmalen einer Fabel. Die Besucher:innen lernen, wie Tiere, Pflanzen oder Gegenstände vermenschlicht werden, um moralische Botschaften zu vermitteln. Sie erkennen, dass Fabeln oft einfache, aber eindringliche Geschichten erzählen, die auf Konflikten und deren Lösung basieren. Die Ausstellung kann diese Merkmale durch Beispiele aus der Literatur und Kunst veranschaulichen.
Exponate als Inspirationsquelle
Die Auswahl der Exponate ist entscheidend für den Erfolg der Ausstellung. Sie sollte eine Vielfalt an Stilen, Epochen und Techniken umfassen, um den Besucher:innen ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur narrativen Interpretation zu bieten. Klassische Gemälde von Tieren oder Szenen aus der Natur können ebenso inspirierend sein wie moderne Fotografien oder abstrakte Kunstwerke. Wichtig ist, dass die Bilder eine gewisse Offenheit besitzen, die Raum für eigene Interpretationen lässt. Zu suggestive oder eindeutige Bilder können die Kreativität der Besucher:innen eher einschränken. Denkbar wären Werke von Künstlern wie Hieronymus Bosch, dessen fantastische Bildwelten geradezu nach einer fabulierenden Auseinandersetzung schreien, oder auch Tierdarstellungen aus dem Barock, die oft eine allegorische Bedeutung tragen. Auch zeitgenössische Künstler, die sich mit Themen wie Umwelt, Nachhaltigkeit oder sozialer Ungleichheit auseinandersetzen, können wertvolle Beiträge leisten.
Jedes Exponat sollte mit einem kurzen Text versehen sein, der nicht nur Informationen über den Künstler und das Werk enthält, sondern auch Impulse zur narrativen Interpretation gibt. Diese Impulse können in Form von Fragen formuliert sein, die die Besucher:innen dazu anregen, über die Bedeutung des Bildes nachzudenken und eigene Geschichten zu entwickeln. Es ist wichtig, dass diese Texte nicht zu dogmatisch sind, sondern den Besucher:innen Raum für ihre eigenen Ideen lassen.
Die Besucher:innenerfahrung: Interaktion und Kreativität
Um die Ausstellung zu einem lebendigen und interaktiven Erlebnis zu machen, sollten verschiedene Formate angeboten werden, die die Kreativität der Besucher:innen fördern. Neben den klassischen Ausstellungstafeln können interaktive Stationen eingerichtet werden, an denen die Besucher:innen ihre eigenen Fabeln verfassen, illustrieren oder vertonen können. Diese Stationen können mit digitalen Werkzeugen ausgestattet sein, die es den Besucher:innen ermöglichen, ihre Geschichten zu schreiben, zu zeichnen oder zu animieren. Die entstandenen Werke können dann in einer virtuellen Galerie präsentiert werden, so dass die Besucher:innen die Möglichkeit haben, sich gegenseitig zu inspirieren und auszutauschen.
Workshops und Führungen, die von erfahrenen Kunstpädagogen geleitet werden, können die Besucher:innen zusätzlich unterstützen. In den Workshops lernen die Teilnehmer:innen, wie man Bilder analysiert, Fabeln schreibt und die moralische Botschaft einer Geschichte herausarbeitet. Die Führungen können auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sein, z.B. auf Kinder, Jugendliche oder Erwachsene. Sie können die Besucher:innen dazu anregen, sich aktiv an der Interpretation der Bilder zu beteiligen und ihre eigenen Ideen einzubringen.
Ein wichtiger Aspekt ist auch die Barrierefreiheit der Ausstellung. Alle Exponate und interaktiven Stationen sollten für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zugänglich sein. Dies umfasst z.B. die Bereitstellung von Texten in Braille-Schrift, die Verwendung von großen Schriftarten und gut lesbaren Farben, sowie die Möglichkeit, die Ausstellung in verschiedenen Sprachen zu besuchen.
Die Fabel als Brücke zur Lebenswelt
Die Fabel ist nicht nur eine literarische Gattung, sondern auch ein Werkzeug, um gesellschaftliche Themen zu reflektieren und moralische Werte zu vermitteln. Die Ausstellung kann diese Dimension der Fabel nutzen, um die Besucher:innen dazu anzuregen, über aktuelle Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit oder Diskriminierung nachzudenken. Indem sie Bilder ausstellt, die diese Themen aufgreifen, und die Besucher:innen dazu auffordert, eigene Fabeln zu schreiben, kann die Ausstellung einen Beitrag zur politischen und sozialen Bildung leisten.
Die Auseinandersetzung mit der Fabel kann auch dazu beitragen, die Empathie der Besucher:innen zu stärken. Indem sie sich in die Lage der Tiere oder Pflanzen hineinversetzen, die in den Fabeln agieren, lernen sie, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und die Gefühle anderer Lebewesen besser zu verstehen.
"Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen." - Johann Wolfgang von Goethe
Eine Ausstellung, die sich dem Thema "Zu Bildern eine Fabel schreiben" widmet, ist mehr als nur eine Präsentation von Kunstwerken. Sie ist ein Lernraum, ein Kreativlabor und ein Ort der Begegnung. Sie bietet den Besucher:innen die Möglichkeit, ihre Fantasie zu entfalten, ihre sprachlichen und künstlerischen Fähigkeiten zu entwickeln und sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Sie ist ein Beitrag zur kulturellen Bildung und zur Förderung der Kreativität in unserer Gesellschaft.
Indem sie die Brücke zwischen Bild und Wort schlägt, ermöglicht die Ausstellung den Besucher:innen, die Welt mit neuen Augen zu sehen und ihre eigenen Geschichten zu erzählen. Sie ist ein Aufruf zur aktiven Auseinandersetzung mit Kunst und Literatur und ein Plädoyer für die Kraft der Fantasie.
