Zwei Doktortitel Im Gleichen Fach
Stellt euch vor, ihr liebt Eiscreme. Nicht nur ein bisschen, sondern richtig liebt. Ihr esst jeden Tag Eis, probiert jede Sorte, kennt jeden Eisladen in der Stadt. Und dann, eines Tages, beschließt ihr, alles über Eiscreme zu lernen – die Geschichte, die Wissenschaft, die Kunst. Ihr schreibt eine Doktorarbeit darüber. Und dann, *boom*, habt ihr einen Doktortitel in Eiscremologie (ja, ich hab's erfunden!).
Aber was, wenn euch Eiscreme so sehr gefällt, dass ein Doktortitel einfach nicht genug ist? Was, wenn ihr noch tiefer graben, noch mehr entdecken, noch mehr... Eiscreme-Weisheit ansammeln wollt?
Doppelt gemoppelt hält besser – oder?
Okay, "Eiscremologie" ist vielleicht kein echtes Fach (obwohl, warum eigentlich nicht?), aber es gibt Menschen, die sich tatsächlich die Frage stellen: Brauche ich zwei Doktortitel im selben Fach? Klingt verrückt, oder? Wie, man verbringt Jahre damit, sich in einem bestimmten Bereich zu spezialisieren, um dann...nochmal von vorne anzufangen?
Normalerweise nicht. Der klassische Weg ist, sich mit einem Doktortitel in einem Fachgebiet weiter zu spezialisieren, vielleicht über eine Habilitation oder durch jahrelange Forschung und Lehre. Aber es gibt Ausnahmen, und die sind oft ziemlich faszinierend.
Der Professor mit der doppelten Dosis Geschichte
Ich hab mal von einem Geschichtsprofessor gehört, der zwei Doktortitel in Geschichte hatte. Der erste war in europäischer Geschichte des 18. Jahrhunderts. Der zweite, viele Jahre später, war in der Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten. Klingt erstmal komisch, aber wenn man genauer hinschaut, ergibt es Sinn. Er hatte schon immer ein großes Interesse an beiden Themen, aber seine Karriere konzentrierte sich zuerst auf Europa. Als er dann die Möglichkeit hatte, sich intensiver mit der Geschichte der Sklaverei zu beschäftigen, wollte er das auf höchstem akademischen Niveau tun. Und dafür war ein zweiter Doktortitel der beste Weg.
So etwas ist extrem selten, aber es demonstriert, dass es manchmal persönliche oder berufliche Gründe gibt, die einen solchen Schritt rechtfertigen. Es geht nicht darum, "besser" als andere zu sein, sondern darum, eine tiefe Leidenschaft für ein Thema auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu verfolgen.
Oder, stellen wir uns eine Linguistin vor, nennen wir sie mal Frau Schmidt. Sie hat einen Doktortitel in germanischer Linguistik und ist Expertin für mittelhochdeutsche Texte. Dann verliebt sie sich in die Computerlinguistik und die Möglichkeiten, alte Texte mithilfe von künstlicher Intelligenz zu analysieren. Anstatt einfach nur Kurse zu belegen, will sie alles wissen. Sie will die Algorithmen verstehen, die Programme schreiben, die die Muster in den Texten erkennen. Also, was macht Frau Schmidt? Sie schreibt eine zweite Doktorarbeit, diesmal in Computerlinguistik, mit dem Fokus auf die Anwendung von KI auf mittelhochdeutsche Texte.
Das ist zwar ein extremes Beispiel, aber es zeigt, wie ein zweiter Doktortitel entstehen kann, wenn jemand eine wirklich innovative Brücke zwischen zwei Disziplinen schlagen will.
Warum tut man sich das an?
Ganz ehrlich? Es ist eine gigantische Menge Arbeit! Man muss sich erneut durch das gesamte Bewerbungsverfahren kämpfen, Kurse belegen, forschen, schreiben, verteidigen... Warum also das Ganze?
Oft geht es um einen Karrierewechsel oder eine tiefgreifende Spezialisierung. Manchmal ist es auch einfach nur der unbändige Wunsch, ein bestimmtes Thema bis ins kleinste Detail zu verstehen. Oder, in einigen sehr seltenen Fällen, könnte es auch sein, dass man einfach... Spaß daran hat? (Okay, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben.)
Eine andere, vielleicht weniger offensichtliche Motivation könnte sein, dass sich ein bestimmtes Feld stark verändert hat, seit man den ersten Doktortitel erworben hat. Stellen wir uns einen Chemiker vor, der vor 30 Jahren promoviert hat. Seitdem hat sich die Nanotechnologie rasant entwickelt. Wenn er in diesem Bereich arbeiten will, könnte ein zweiter Doktortitel ihm helfen, auf dem neuesten Stand zu sein.
Die Quintessenz: Ist es sinnvoll?
Für die meisten von uns ist ein Doktortitel mehr als genug. Er ist eine Eintrittskarte in die Welt der Forschung, Lehre und Expertentum. Aber für einige wenige, die eine ungewöhnliche Leidenschaft oder einen ganz bestimmten Karriereweg verfolgen, könnte ein zweiter Doktortitel im selben Fachgebiet genau das Richtige sein. Er ist ein Beweis für ihre unbändige Neugier und ihre Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden.
Denkt mal darüber nach: In einer Welt, die immer komplexer und spezialisierter wird, brauchen wir vielleicht mehr denn je Menschen, die bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen und Brücken zwischen verschiedenen Wissensgebieten zu bauen. Und vielleicht ist ein zweiter Doktortitel im selben Fachgebiet für manche genau der richtige Weg, um diese Brücken zu errichten.
Ob es sinnvoll ist, ist also sehr individuell. Aber eins ist sicher: Die Menschen, die es tun, sind definitiv...interessant. Und vielleicht auch ein bisschen verrückt. Aber auf eine gute Art und Weise.
Ich persönlich werde mich wohl mit einem Doktortitel begnügen. Aber wer weiß? Vielleicht gibt es ja irgendwann einen Doktortitel in "Kreatives Schreiben über obskure akademische Themen". Dann wäre ich sofort dabei!
